Für Multimilliardär Trump lief die erste Vorwahl in Iowa nicht nach Plan. Er unterlag dem erzkonservativen Ted Cruz. STOL hat bei Franz Eder, Universitätsprofessor am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, nachgefragt. Übers richtige Deuten von Iowa, wie’s weitergeht, wie’s ausgeht.Warum Vorwahlen?Die Parteien – Demokraten und Republikaner – lassen in den Vorwahlen die US-Bevölkerung oder die Parteimitglieder selbst über den Spitzenkandidaten für die US-Präsidentschaftswahl entscheiden. Die Parteien hoffen durch die Vorwahl, jenen Kandidaten zu finden, der bei den Wahlen im November die größten Chancen hat, den Sieg davonzutragen.Warum ist Iowa so wichtig?In jedem US-Bundesstaat finden Vorwahlen statt. Doch irgendwann sind die Wahlen nicht mehr so interessant, da der Sieger feststeht. Iowa bringt recht wenig Wahlmänner, doch lässt das Ergebnis einen ersten Trend erkennen: Wenn man schon in Iowa und in den nächsten Bundesstaaten nicht dabei ist, ist es für einen Kandidaten auch bei den folgenden Vorwahlen in größeren Bundesstaaten relativ schwer. Der Kandidat muss von Anfang an zeigen: Ich bin in der Lage, Bundesstaaten zu gewinnen.Wer ist Favorit, wer Außenseiter?Auf demokratischer Seite haben wir eine klassische Favoritin: Hillary Clinton. Eine Demokratin par excellence, die schon Außenministerin und Senatorin von New York war. Clinton stammt aus dem Partei-Establishment. Zudem ist sie, als ehemalige First Lady, sehr bekannt. Hillary Clinton - Foto: APA/GettyIhr Gegner ist ein Senator aus Vermont: Bernie Sanders. Sanders steht links der Mitte. Bernie Sanders - Foto: APA/GettyFür Clinton geht es nun darum, Bernie Sanders sofort zu zeigen, dass sie die Kandidatin der Demokraten sein wird, damit sie nicht mehr viel Geld für den Vorwahlkampf ausgeben muss. Denn natürlich kostet auch der Vorwahlkampf Geld. Und das ist Geld, das am Ende womöglich für den Hauptwahlkampf fehlt.Auf Seite der Republikaner hat das Partei-Establishment Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida, Bruder von George W. Bush und Sohn von George Bush, oder Marco Rubio, Senator aus Florida, hervorgebracht. Doch die tun sich relativ schwer, weil es auf republikanischer Seite viele Herausforderer gibt.Vor allem Donald Trump, der seine eigenen Milliarden in den Wahlkampf mitbringt und einen unglaublich hohen Bekanntheitsgrad aufweisen kann. Donald Trump - Foto: APA/GettyZudem gibt’s noch Ted Cruz: Auch jemand, der nicht zum Partei-Establishment gehört. Der Senator aus Texas hat es sich eigentlich mit der Partei verscherzt, weil er immer wieder gegen Parteiinteressen handelt. Ted Cruz - Foto: APA/GettyAuf Trump und Cruz wird’s am Ende, höchstwahrscheinlich, hinauslaufen. Doch aus meiner Sicht wird keiner der beiden am Ende mehrheitsfähig sein.Iowa ist sie nicht alles. Wann ist das Rennen um die Kandidatur gelaufen?Ein Vorwahlkampf kann rein theoretisch auch bis zur National Convention noch nicht erledigt sein. Die Republikaner halten ihren Nominierungsparteitag vom 18. bis 21. Juli in Cleveland ab, die Demokraten vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia. Sollte kein Kandidat genug Stimmen haben, muss am Parteitag die Entscheidung getroffen werden. Diese Möglichkeit sehe ich derzeit nicht.Doch auch dieser Vorwahlkampf kann sich bis April, Mai ziehen. Mit der National Convention beginnt dann der eigentliche Präsidentschaftswahlkampf.Donald Trump als Kandidat: Ist das wirklich möglich?Das hängt vom Ergebnis der Vorwahlen ab. Es wurde immer wieder spekuliert, Donald Trump werde einbrechen. Aber bisher bricht er nicht ein. Trump kann als Kandidat außerhalb des Establishments punkten. Er ist jemand, der’s selbst geschafft hat, für seinen Reichtum ist er selbst verantwortlich. Er bietet für eine gewisse Wählerschaft ein sehr stimmiges Bild. Donald Trump wird auch bei den Vorwahlen sicher Zuspruch erhalten. Am Ende aber wird er, aus meiner Sicht, nicht mehrheitsfähig sein. Hillary Clinton wird das Rennen machen.stol/pg