Donnerstag, 09. Februar 2012
30. August 2010
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Politik

Polemik in Rom wegen Gaddafis Appell zum Islam-Übertritt

Ein Appell des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi vor rund 500 Models, zum Islam überzutreten, sorgt für erhitzte Gemüter in Rom.

„Der Islam soll die Religion ganz Europas werden. Es wird Zeit brauchen, doch dies wird mit dem EU-Beitritt der Türkei möglich werden. Der Islam ist die wahre Religion“, sagte Gaddafi, der zum Auftakt seines Besuchs in Italien vor zahlreichen jungen Frauen einen Vortrag über den Islam gehalten hatte.

Seine Worte sorgten für helle Empörung in katholischen Kreisen. „War würde passieren, wenn ich nach Tripolis reisen würde und die Libyer aufrufen würde, zum Katholizismus überzutreten?“, fragte polemisch der Ex-Europaminister und Präsident der christdemokratischen Partei UDC, Rocco Buttiglione.

"Gaddafi sollte mehr Respekt zeigen"

„Gaddafi will dem Islam zeigen, dass Europa nur an Geld glaubt. Gaddafi will uns so darstellen, und niemand reagiert. Es ist absurd, dass die Regierung Berlusconi nicht reagiert. Gaddafi sollte mehr Respekt für die Länder haben, die er besucht“, protestierte Buttiglione.

„Während Gaddafi nach Rom kommt und sagen kann was er will, darf der Papst nicht nach Tripolis oder nach Saudi Arabien reisen und dasselbe tun“, kritisierte der katholische Staatssekretär, Carlo Giovanardi.

Auf den Protest aus den Reihen seiner eigenen Partei reagierte Regierungschef Silvio Berlusconi gelassen. Er bezeichnete Gaddafis Äußerungen als „Folklore“.

Berlusconi wird Gaddafi am Montagnachmittag treffen. Es ist bereits Gaddafis vierte Reise zu der früheren Kolonialmacht binnen kurzer Zeit.

Mit seinem Besuch wollen Gaddafi und Berlusconi den zweiten Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags feiern, in dem Italien dem südlichen Nachbarn eine Entschädigung von vier Mrd. Euro für die 30 Jahre währende Besatzungszeit zuerkannte.

Italien und Libyen hatten sich vor zwei Jahren über eine Entschädigung für die Zeit der Kolonialbesatzung von 1911 bis 1943 geeinigt. Italien hatte sich verpflichtet, 25 Jahre lang Ausgleich zu zahlen.

Eine Autobahn entlang der libyschen Küste soll mit einem mehrjährigen finanziellen Engagement Italiens unter Einbindung italienischer Unternehmen gebaut werden.

Die Autobahn soll Libyen mit seinen Nachbarn Ägypten und Tunesien verbinden. Auch Projekte im Bereich Bildung und Erziehung sind vorgesehen.

Die Beziehungen zwischen Italien und Libyen galten seit dem Amtsantritt Gaddafis im Jahr 1969 als schwierig und haben sich erst in den vergangenen Jahren verbessert.

Beide Seiten haben lange nach einer Kompensationslösung für die Kolonialpolitik Italiens gesucht, unter der auch tausende Libyer nach Italien deportiert wurden. Aktuell bezieht Italien ein Viertel seines Öls und ein Drittel seines Gases aus Libyen, und italienische Unternehmen haben eine starke Position im Land.




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