Der liberal-konservative „Corriere della Sera“ macht am Montag ein vergiftetes politisches Klima in Italien für den tätlichen Angriff auf Silvio Berlusconi verantwortlich:
„Politischer Hass ist ein Monstrum, das, wenn es entfesselt ist, nur noch schwer gezähmt werden kann. Auch, wenn er sich nicht mit einer systematischen Ideologie gewappnet hat (wie es beim wirklichen Terrorismus der Fall ist), also auch, wenn er nur einen isolierten (und wie es scheint: kranken) Geist entflammt, wie es bei dem Aggressor am Mailänder Dom der Fall war - der politische Hass legt sich wie ein vergiftender Schleier auf die politische Diskussion. Er reduziert den politischen Gegner auf ein Ziel, das es zu vernichten gilt, das zerstört werden muss, in seinem Abbild, aber auch physisch. Die blutige Aggression gegen Berlusconi ist die Frucht dieser Degeneration.“
„La Stampa“: Gegen Gewalt ohne Wenn und Aber
Die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ meint am Montag zu dem tätlichen Angriff auf Regierungschef Silvio Berlusconi:
„Es gibt Momente, in denen zwei Wörter abgeschafft werden müssten - wenn und aber. Der tätliche Angriff auf einen Menschen, in diesem Fall auf den Regierungschef, ist einer dieser Augenblicke. Angesichts der Gewalt können keine untergeordneten Dinge und keine Anspielungen akzeptiert werden, von Rechtfertigungen ganz zu schweigen. An dem Tag, an dem die gesamte politische Klasse in Italien dieses bis auf den Grund verstanden haben wird, erlangt sie ihre wirkliche Reife. Das verletzte und von Blut überströmte Gesicht des Silvio Berlusconi kann nur Bestürzung auslösen, und man kann sich keinen ernsthaften, sich demokratisch und anständig definierenden Menschen vorstellen, der da anders reagiert.“
„El Mundo“: Ausdruck der Ohnmacht
Zum Angriff auf Ministerpräsident Silvio Berlusconi schreibt die rechtsliberale spanische Tageszeitung „El Mundo“ (Madrid) am Montag:
„Die Anhänger von Silvio Berlusconi stellen den Angriff als Teil einer ‚Hass-Kampagne‘ dar, mit der die italienische Linke den Regierungschef stürzen will. Aus der Ferne betrachtet stellt man sich ohnehin die Frage, wie es möglich ist, dass ein Politiker wie Berlusconi nach all den finanziellen und persönlichen Skandalen noch Wahlen gewinnt. Das Bild des Angriffs illustriert dieses Phänomen.
Die Gewalt erscheint als ein Ausdruck der Enttäuschung und der Ohnmacht. Die Opposition hatte sich jahrelang als unfähig erwiesen, Berlusconi auf dem Gebiet der Ideen Paroli zu bieten und ihm einen starken Führer entgegenzustellen. Sie beschränkte sich darauf, den Regierungschef als Witzfigur zu präsentieren. Leider ist es einfacher zu beleidigen und zuzuschlagen als zu argumentieren und zu überzeugen.“
„Dziennik“: Berlusconi wie Nachfolger römischer Kaiser
Die polnische Tageszeitung „Dziennik Gazeta Prawna“ schreibt zum tätlichen Angriff auf Silvio Berlusconi am Montag:
„Als ob er ein Nachfolger der römischen Kaiser und Patrizierfamilien wäre, hat Berlusconi ein Gefühl der absoluten Straffreiheit. Er vermischt die Macht mit Geschäften, indem er eigene Medien zum Angriff gegen politische Gegner missbraucht. Er macht krumme Geschäfte mit der Mafia und greift auf Steuertricks zurück. Immer wieder wird er zum Helden der der Skandale. Berlusconi wies alle Vorwürfe als politische Attacken zurück. Gleichzeitig griff er alle an, die ihm nicht treu waren, mit aggressiven Worten, die die in der zivilisierten Welt geltende Grenze überschritten. Ein körperlicher Angriff auf ihn ist eine fatale Lösung, weil die Aggression nur zur Eskalation der Gewalt führen kann. Der Schlag in Mailand zeigt allerdings das Ausmaß der Verzweiflung und Ratlosigkeit, die unter den Italienern der Regierungsstil ihres eigenen Premiers ausgelöst hat.“
dpa
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