Sein „me ne frega“ tut ihm nicht leid, auch nicht, dass er im Schilderstreit härtere Töne angestimmt hat.
Nun will Landeshauptmann Luis Durnwalder aber wieder den versöhnlichen Weg einschlagen, den Konsens suchen. Dies betonte er heute bei der Pressekonferenz nach der Sitzung der Landesregierung.
Dass sein „me ne frega“ einigen Italienern sauer aufgestoßen sei, sei ihm durchaus bewusst. „Ich habe es aber ganz bewusst gesagt und damit ‚mir isch es wurscht‘ gemeint. Wenn mir jemand mit ‚siamo in italia‘ daherkommt, dann hat er sich keine andere Antwort verdient“, bekräftigte Durnwalder.
„Genug mit dem Entschleimen“
Er habe sich nur dem „Milieu“ angepasst. Immerhin hätten auch die römischen Vertreter in ihren Aussagen nicht die feine diplomatische Art gewählt.
Nun sei es mit dem „Entschleimen“ genug. „Jeder hat gesagt, was er denkt und zwar auf eine sehr direkte Art und Weise“, so der Landeshauptmann. Keiner wolle jedoch den Krieg, weder „wir hier in Südtirol noch die Vertreter in Rom“.
Deshalb müsse nun gearbeitet werden – an den Schildern selbst und am Konsens.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei am Samstag erfolgt. „Ich habe mich mit den AVS-Vertretern an einen Tisch gesetzt und mit ihnen die derzeitige Situation nochmals besprochen.“
Dabei habe er den AVS-Vertretern nahegelegt, dort wo vorgesehen, so rasch wie möglich auch die zweisprachigen Beschilderungen anzubringen.
„Bei Schildern mit öffentlicher Finanzierung oder auf öffentlichem Grund muss Zweisprachigkeit herrschen“, so der Landeshauptmann, der darauf verwies, dass er dies auch in der Vergangenheit immer erklärt und gefordert habe.
Allerdings sei der AVS erstens keine Landeseinrichtung und zweitens habe er für die Anbringung der Schilder keine Landesgelder erhalten.
„Das heißt, dass wir ihnen in ihrer Arbeit nicht dreinreden, sondern nur gute Ratschläge erteilen können. Das haben wir gemacht“, betonte der Landeshauptmann.
„Toponomastikfrage ein für alle Mal regeln“
Nichtsdestotrotz gelte: Historisch gewachsene Namen bzw. Flurnamen sollten einsprachig und damit deutsch oder ladinisch bleiben.
„Uns kann keiner zwingen die Tolomei-Namen zu übersetzen“, stellte Durnwalder erneut klar. Auch auf privaten Flächen könne sich das Land nicht einmischen.
Gleichzeitig gab Durnwalder zu bedenken, dass die Toponomatikfrage ein für alle Mal geregelt werden müsse.
„Dann herrscht in Zukunft bei den Beschilderungen Klarheit. Dann wissen wir wo welche Begrifflichkeiten zu verwenden sind“, so Durnwalder.
„Diese Arbeit erfordert Zeit“
Dass in absehbarer Zeit einige Wegschilder in Südtirol ausgetauscht und zweisprachig wieder angebracht werden müssen, steht damit für Durnwalder fest.
Dass dies jedoch nicht in – wie von Regionenminister Raffaele Fitto gefordert – 60 Tagen geschehen kann, ebenso.
„Diese Arbeit erfordert Zeit und kann nicht von heute auf morgen erfolgen“, betonte Durnwalder.
Er hofft, dass auf die Eskalation nun die Deeskalation folgt. So wird die Landesregierung Fittos Brief, in welchem der Regionenminister dieser ein Ultimatum stellte, nicht anfechten.
„Wir könnten dies nicht einmal tun, weil es sich hier weder um ein Dekret noch um einen Beschluss handelt“, so Durnwalder, der jedoch schriftlich, in Briefform, antworten will.
„Ähnliches Engagement Roms in anderen Bereichen erwünscht“
In seinem Schreiben werde er erneut auf die besondere Situation Südtirols verweisen. Der Schutz der Minderheiten liege nämlich im nationalen Interesse.
„In Rom sollte nicht nur darüber geredet, es sollte auch in diese Richtung gehandelt werden“, forderte Durnwalder.
Außerdem wünscht sich der Landeshauptmann ein ähnliches römisches Engagement in anderen Bereichen.
„Wenn sich Rom in Sachen zweisprachige Beipackzettel oder Beseitigung faschistischer Denkmäler ähnlich positionieren und engagieren würde wie im Schilderstreit, dann wäre ich sehr froh darüber. Das wäre im Sinne des friedlichen Zusammenlebens“, so Durnwalder abschließend.
joi
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