© 2010 APA/EPA Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (l.), Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (M.) und US-Präsident Barack Obama
Vorsichtiger Optimismus bei allen Beteiligten hat am Mittwoch den Auftakt der Nahost-Friedensgespräche unter Vermittlung der USA geprägt.
Präsident Barack Obama warb für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Beendigung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern.
Die direkten Verhandlungen zwischen beiden Seiten seien der einzige Weg, der zu einem dauerhaften Frieden führe, sagte er nach getrennten Gespräche mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas.
„Ich bin vorsichtig hoffnungsvoll“
„Ich bin hoffnungsvoll, vorsichtig hoffnungsvoll, aber hoffnungsvoll“, sagte Obama, während die Führer Jordaniens, Ägyptens, Israels und der Palästinenser im Weißen Haus neben ihm saßen.
Abbas und Netanyahu dankten Obama dafür, dass er sie zusammengebracht habe.
Auch sie zeigten sich vorsichtig optimistisch. „Ich bin gekommen, um einen historischen Kompromiss zu finden“, sagte Netanyahu.
„Es ist an uns, den quälenden Konflikt zu beenden“
„Präsident Abbas, Sie sind mein Friedenspartner. Es ist an uns, den quälenden Konflikt zwischen unseren Völkern zu beenden und mit Hilfe unserer Freunde einen Neuanfang zu erreichen“.
Er wolle einen „historischen Kompromiss, der es unseren beiden Völkern ermöglicht, in Frieden, Sicherheit und Würde zu leben.“
Abbas seinerseits sagte, er werde keine Mühen scheuen und unermüdlich daran arbeiten, dass die Verhandlungen ihr Ziel erreichten.
„Wir wollen kein Blutvergießen“
Der Palästinenserpräsident verurteilte den jüngsten Anschlag auf Israelis im Westjordanland, bei dem am Mittwochabend ein Mann und eine Frau verletzt worden waren. „Wir wollen keineswegs, dass Blut vergossen wird“, sagte Abbas.
Er bekräftigte erneut seine Forderung nach einem israelischen Baustopp in den Palästinensergebieten und betonte, es sei an der Zeit, dass die israelische Besetzung von 1967 zu Ende gehe.
Netanyahu und Abbas äußerten sich vor einem Abendessen mit Obama, zu dem auch der jordanische König Abdullah II., der ägyptische Präsident Hosni Mubarak und der Brite Tony Blair als Vertreter des Nahost-Quartetts (USA, Russland, EU und UN) eingeladen waren.
„Die Zeit spielt gegen uns“
Der jordanische König appellierte an Obama: „Wir brauchen sie als Vermittler, ehrlichen Vermittler und Partner“. „Die Zeit spielt gegen uns“, warnte er. Um binnen Jahresfrist zu Ergebnissen zu kommen, müssten alle Fragen zu einer endgültigen Lösung auf den Tisch.
Dazu gehören laut Obama die Grenzziehung eines künftigen Palästinenserstaates, das von den Palästinensern geforderte Rückkehrrecht für Flüchtlinge sowie der künftige Status Jerusalems und der jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten.
Mubarak sagte, er hoffe, dass die nun beginnenden Gespräche „die letzten und maßgeblichen“ für eine Friedenslösung sein werden.
Die Verhandlungen, die am Donnerstag offiziell beginnen, sollten alle offenen Fragen klären und zu einem palästinensischen Staat führen, sagte Obama.
„Diese Gelegenheit kommt vielleicht nie wieder“
„Diese Gelegenheit kommt vielleicht nie wieder. Sie dürfen sie nicht verpassen.“ Zugleich versuchte der US-Präsident aber, die Erwartungen zu dämpfen.
Es habe lange gedauert, allein bis es gelungen sei, beide Seiten an einen Tisch zu bringen. Jetzt erst beginne die harte Arbeit. Weder Erfolg noch Scheitern seien unausweichlich.
„Wir wissen nur, wenn wir es nicht versuchen, dann ist das Scheitern unausweichlich.“
Während der kurzen Rede Obamas im Rosengarten des Weißen Hauses standen Außenministerin Hillary Rodham Clinton und der Nahost-Sondergesandte George Mitchell an seiner Seite.
Erste direkte Verhandlungen seit fast zwei Jahren
Es sind die ersten direkten Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern seit fast zwei Jahren.
Die letzten direkten Gespräche scheiterten im Dezember 2008, als in Washington noch Obamas Vorgänger George W. Bush regierte.
Die Regierung Obama brauchte 20 Monate, um die Beteiligten an einen Tisch zu bringen.
Nach den Vorstellungen der USA sollen die Gespräche binnen eines Jahres zum Erfolg führen.
Allerdings hieß es im Vorfeld aus Delegationskreisen, möglicherweise sei die Ein-Jahres-Frist zu optimistisch und die Gespräche müssten länger dauern.
Auftaktgespräch durch neuen Anschlag überschattet
Überschattet wurde der neue Anlauf zu einer Friedenslösung von einem Anschlag nahe Ramallah: Nach Angaben eines Armeesprechers beschossen Unbekannte den Wagen eines Mannes und einer Frau.
Der Mann sei schwer, die Frau leicht verletzt worden.
Es war der zweite Anschlag binnen gut 24 Stunden. Erst am Vorabend waren vier israelische Siedler in der Nähe von Hebron bei einem ähnlichen Angriff getötet worden.
Zu der Tat hatte sich der militärische Arm der im Gazastreifen herrschenden Hamas bekannt. Obwohl die radikale Palästinenserorganisation mit weiteren Angriffen gedroht hatte, bekannte sich zunächst niemand zu der Attacke vom Mittwoch.
Hamas nicht bei Friedensgesprächen
An den Gesprächen in Washington nimmt lediglich die Palästinenserführung aus dem Westjordanland teil.
Die im Gazastreifen regierende Hamas ist nicht dabei. Sie lehnt die Verhandlungen ab.
apa/apn/dpa
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