Der bei einer Wahlveranstaltung verletzte Regierungschef Silvio Berlusconi musste am Montag mit gebrochener Nase und starken Schmerzen im Krankenhaus bleiben.
„Sein Zustand ist schlechter als zuvor beurteilt, daher muss er mindestens weitere 24 bis 36 Stunden stationär behandelt werden“, erklärte der Chefarzt des Mailänder San-Raffaele-Hospitals, Alberto Zangrillo.
Der umstrittene 73-jährige Regierungschef war am Vorabend in Mailand von einem Mann mit einer Souvenir-Miniatur des Mailänder Doms tätlich angegriffen worden und hatte sich dabei einen Bruch der Nasenscheidewand sowie Schäden an zwei Vorderzähnen zugezogen. Berlusconi war nach dem Attentat mit blutüberströmtem Gesicht ins Krankenhaus gebracht worden.
„Guter Laune, aber schmerzgeplagt“
„Der Ministerpräsident ist guter Laune, aber schmerzgeplagt, wie jemand sich eben fühlt, der mit einer Skulptur ins Gesicht geschlagen wurde“, kommentierte Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti den Zustand des attackierten Cavaliere am Montag.
Nach Angaben des Sprechers hatte Berlusconi am Morgen im Krankenhaus sofort nach den Zeitungen und der üblichen Presseschau verlangt.
„Habe politische Aversion gegen Berlusconi und gegen seine Partei“
Unterdessen äußerte sich der 42-jährige Täter bei einem Verhör in Mailand über das Tatmotiv. Er habe eine „politische Aversion“ gegen Berlusconis Partei „Popolo della Libertá“ (PDL) und vor allem gegen den Premier selbst, zitierten italienische Medien den Mann.
Ihm wird vorsätzliche Körperverletzung zur Last gelegt, weil in seinen Taschen - neben einem kleinen Kruzifix - auch ein Pfefferspray gefunden wurde. Der Vater des Täters erklärte öffentlich, sein Sohn sei seit vielen Jahren seelisch labil und politisch nicht aktiv.
Maroni: „Berlusconi hätte getötet werden können“
„Ministerpräsident Berlusconi hat am Sonntagabend riskiert, schwer oder gar tödlich verletzt zu werden“, sagte Innenminister Roberto Maroni am Rand einer Sondersitzung im Ministerium über den Vorfall.
Es sei bekannt gewesen, dass von Einzeltätern eine Gefahr ausgehe, und man überprüfe nun die Sicherheitsmaßnahmen. Allerdings sei Berlusconi nicht zu verbieten, seinen Fans die Hände zu schütteln, „denn das gehört schließlich zur Politik in einer Demokratie“, sagte Maroni am Montag in Rom.
Geheimdienst: Bäder in der Menge zukünftig vermeiden
Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes, die die Verantwortung für die Sicherheit des Regierungschefs tragen, erklärten hingegen, Bäder in der Menge seien künftig zu vermeiden.
Der einzige Schutz „gegen einen Verrückten“ sei die Vorsicht. Gefahr vonseiten linker oder islamistischer Terroristen sahen die Beamten im Moment nicht gegeben. Der Attentäter hatte sich am Sonntag nach der Kundgebung Berlusconi genähert, als dieser in sein Auto steigen wollte, und zugeschlagen.
Opposition stimmt zu: Gewalt in der Politik ist abzulehnen – Berlusconi trage jedoch Mitschuld
Vertreter des regierenden konservativen Lagers machten vor allem ein politisches „Klima der Konfrontation und des Hasses“ gegen Berlusconi für den Vorfall verantwortlich.
Auch die Opposition verurteilte die „Gewalt in der Politik“. Berlusconi-Gegner wie Antonio Di Pietro von der Anti-Korruptions-Partei Idv (Italia dei Valori) und Rosy Bindi von der größten Oppositionspartei PD (Partito Democratico) betonten allerdings auch, dass Berlusconi selbst mit zu dem aggressiven Polit-Klima beigetragen habe.
Der wegen seiner Politik und privater Affären angefochtene Ministerpräsident war in Mailand, um eine Mobilisierungskampagne seiner Partei für die Regionalwahlen im März anzuführen. Bei öffentlichen Auftritten des Medienmoguls war es schon häufiger zu Protestaktionen gekommen.
apa
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