Über die Entwicklung in Tibet, die Südtiroler Hilfsprojekte für die Exiltibeter und die Autonomie-Verhandlungen mit Peking hat der Dalai Lama heute Vormittag in Bozen mit Landeshauptmann Luis Durnwalder gesprochen. Anschließend gab es ein Treffen mit der gesamten Landesregierung.
Er sei ein Verfechter der Autonomie-Lösung für Tibet und dies verbinde ihn auch mit Südtirol, erklärte das weltliche und geistliche Oberhaupt der Tibeter. "Allerdings seid ihr in der glücklichen Lage, frei zu sein, wir sind es nicht", so der Dalai Lama, der sich aber optimistisch zeigte.
"Die Volksrepublik China verändert sich und sie wird sich dem weltweiten Trend hin zu mehr Freiheit, Demokratie und Offenheit nicht entziehen können." Die Weltgemeinschaft habe die Verantwortung, China auf diesen Weg zu bringen.
"Dies rechne ich Obama hoch an"
Bei seinem Einsatz für den Tibets hat der Dalai Lama heute einen prominenten Unterstützer bekommen. US-Präsident Barack Obama betonte nämlich bei seinem Treffen mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Hu Jintao, dass die USA Tibet als Teil Chinas ansähen, und sprach sich für eine baldige Wiederaufnahme des stockenden Dialogs der chinesischen Führung mit den Vertretern des Dalai Lama aus.
Für den Dalai Lama sind dies lobenswerte Worte. "Ich rechne es US-Präsident Barack Obama hoch an, dass er in der Tibet-Frage Stellung bezieht. Allerdings stoßen die USA aus diversen Gründen an Grenzen und können sich nicht so stark exponieren, wie sie vielleicht möchten", so der Dalai Lama in Bozen.
Land zahle 22 Versammlungshäuser
Landeshauptmann Durnwalder unterstrich bei seinem Gespräch mit dem Dalai Lama, dass Südtirol "ein Beispiel dafür ist, dass man auch als kleine Minderheit seine Identität bewahren kann, wenn man sich mit Beharrlichkeit dafür einsetzt." Die Ausgangssituation Tibets mit der Südtiroler sei allerdings kaum zu vergleichen.
Auch konkrete Unterstützung für die Exil-Tibeter wurde zugesagt. In den vergangenen Jahren habe Südtirol Tibet bereits 650.000 Euro zukommen lassen, die in insgesamt 17 Projekte flossen.
In den kommenden drei Jahren sollen weitere 337.000 Euro für den Bau von 22 Versammlungshäusern in tibetischen Siedlungen in Nepal und Indien zur Verfügung gestellt werden.
Hier sollen die Gemeindeversammlungen stattfinden, allerdings können die Häuser auch von Vereinen, Jugend- und Bürgergruppen genutzt werden. In einigen werden auch Bibliotheken untergebracht. In dieses Projekt fließen in den kommenden drei Jahren weitere 337.000 Euro.
Für die über all die Jahre erwiesene Unterstützung und Solidarität von Seiten Südtirols hat sich der Dalai Lama heute bedankt. Und er hat die Hoffnung erkennen lassen, dass Tibet einer Autonomielösung näher komme.
"Ich verfolge die Entwicklung Chinas seit mittlerweile fast 60 Jahren und kann feststellen, dass die Kommunistische Partei durchaus fähig ist, sich den sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen", so der Dalai Lama heute vor der Landesregierung.
Es gebe starke Bestrebungen von unten, in China die Meinungs- und Informationsfreiheit durchzusetzen. "Und gerade die ist wichtig, wenn sich die Bevölkerung selbst ein Bild von dem machen soll, was im Land passiert", erklärte der Dalai Lama.

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