Sie sind jung, vertreten „alte“ Werte im modernen Gewand und wollen als kritische Geister wahrgenommen werden: Die Vorstandsmitglieder des Forums Heimat in der SVP haben sich und ihre Zielsetzungen anlässlich ihres neuen Internetauftritts am Donnerstag auf einer Pressekonferenz näher vorgestellt.
„Über die Vollautonomie hin zur Selbstbestimmung“: So lautet das Leitbild des SVP-Forums Heimat. Selbstbestimmung wird mit mehr Eigenständigkeit und Heimat mit tiefer Geschichtsverwurzelung inklusive Zukunfts-Weitblick gleichsetzt.
„Heimat als Zukunftsthema“
„Wir wollen nicht nur in die Geschichte zurückschauen, sondern Heimat als Zukunftsthema gestalten“, betonte Vorstandsvorsitzender Andreas Varesco. Interesse sei genug vorhanden: Die Jugend sehne sich nach Identität und Werten. „Hier wollen wir anzusetzen.“
Vor zwei Jahren aus einer Unterlandler JG-Initiative entstanden und zunächst auch von SVP-Granden etwas kritisch beäugt, habe sich das SVP-Forum Heimat mittlerweile etabliert.
„Wir sind Teil der Arbeitsgruppe Heimat in der SVP, im Statut verankert und fungieren in Kürze als beratender Ausschuss in der Sammelpartei.“
Damit sei man weder eine „abgeschottete Gruppierung innerhalb der Mehrheitspartei“ noch ein „Flügel“, sondern ein fixer Bestandteil.
„Eine Plattform für verschiedene Heimataspekte“
Wer im Forum Heimat die SVP-Antwort auf die deutsche Opposition sieht, täuscht sich laut Varesco.
„Uns geht es darum, seriös über Heimatthemen zu diskutieren. Wir sind keine Partei und müssen auch nicht auf Stimmenfang gehen. Wir stehen weder rechts noch links. Wir sind nicht nationalistisch, radikal oder antiitalienisch.“
Das Forum sei eine Plattform für verschiedene Heimataspekte. Heimat werde dabei nicht nur im ethno-politischen, sondern vor allem im sozial-politischen Sinn verstanden, so Varesco.
Letztendlich gehe es um Beheimatung und Heimatgefühl, so der Vorstandsvorsitzende, der sich diesen Posten mit Jürgen Rella teilt.
Um das zu erreichen, müsse man im Eigenen stark verwurzelt sein. Nur dann gelinge es Fremdes anzunehmen und zu schätzen. Dem Fremden müsse mit Toleranz und Respekt begegnet werden. „Wir erwarten uns aber, dass im gleichen Sinne auf uns zugegangen wird.“
Eines der größten Hauptanliegen des SVP-Forums sei die Europaregion Tirol, „die endlich belebt und den Menschen zugänglich gemacht werden muss“, forderte Varesco. Auch die Festigung der Tiroler Identität in allen Bereichen und die Verteidigung des Rechts auf den Gebrauch der Muttersprache seien ein „Herzensanliegen.“
Kritisch, aber vorsichtig
Die Forum-Mitglieder bezeichnen sich als „kritische Geister“ innerhalb der Partei, die sich an Silvius Magnago, Kanonikus Michael Gamper aber auch an Hans Dietl, der einst offen am Edelweiß Kritik geübt hat, orientieren wollen.
Noch ist man aber verhalten kritisch. Nur vorsichtig hörte man an den Stellungsnahmen der Forum-Heimat-Mitglieder am Donnerstag heraus, dass sich die SVP in letzter Zeit etwas zu wenig um die Volkstums- und Heimatpolitik gekümmert habe. „Sie ist der eigentliche Kit in der Partei, aber in der letzten Zeit leider etwas zu kurz gekommen“, meinte etwa Mitglied Christoph von Ach.
Dies solle sich nun ändern, wenngleich der Konsens mit der SVP-Führung großgeschrieben wird. „Es wird offen diskutiert. Bevor aber etwas nach außen dringt, schließen wir uns mit der SVP-Führung kurz“, so Varesco.
Er selbst beschreibt das SVP-Forum Heimat in der „Aufbauphase“. Bis jetzt seien es rund 200 aktive Mitglieder. Zuwachs erwartet er sich durch den neuen Internet-Auftritt www.forum-heimat.org, über den ausschließlich SVP-Mitglieder die Mitgliedschaft beantragen können.
Prominente Unterstützer sind Alt-Landesrat Bruno Hosp, SVP-Frauenchefin Martha Stocker und SVP-Landessekretär Philipp Achammer.
„Junge Leute müssen wieder zum Heimat-Denken angeregt werden. Der SVP wird vorgeworfen, dass sie das nicht mehr tut, was so nicht stimmt. Es gilt dennoch Zeichen zu setzen und Dinge beim Namen zu nennen. Eine Aufgabe, die dem SVP-Forum Heimat nun zukommt“, so Hosp abschließend, der selbst Mitglied des Forums ist.
Johanna Gasser

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