Die Regierung von Silvio Berlusconi forciert ihre Pläne zum Wiedereinstieg des Landes in die Nutzung der Atomenergie - auch wenn dies gegen das Ergebnis einer Volksabstimmung in den 1980-er Jahren ist.
Der Ministerrat verabschiedet am Mittwoch ein Dekret mit Kriterien, nach denen die Standorte für die neuen Atomkraftwerke in Italien ausgewählt werden sollen.
„Nach der Verabschiedung des Dekrets können die am Bau der Atommeiler interessierten Unternehmen die Suche nach geeigneten Standorten für die Atomkraftwerke beginnen“, erklärte Industrieminister Claudio Scajola.
Die Standorte müssten in erster Linie Sicherheitskriterien entsprechen. „Schon in zwei Jahren können die Genehmigungen für den Bau der Atommeiler erteilt werden“, meinte Scajola. Damit wolle die Regierung ihr Versprechen halten, bis 2013 mit dem Bau des ersten Atomkraftwerks zu beginnen.
Fulvio Conti, Geschäftsführer des Energieversorgers Enel, der mit dem französischen Konzern Electricite de France (EdF) am Bau der Atomkraftwerke der dritten Generation in Italien mitwirken will, bestritt, dass die Kernenergie umweltgefährdend sei.
„Es gibt viele Vorurteile gegenüber der Atomenergie. Dabei sind Atomkraftwerke umweltfreundlicher und sicherer als andere Systeme zur Energieerzeugung. Schon jetzt werden 15 Prozent des in Italien verbrauchten Stroms von Kernkraftwerken im Ausland hergestellt“, meinte Conti.
200 Kilometer von den italienischen Grenzen entfernt seien 27 Atommeiler in Betrieb. Es sei nicht weise, die Atomenergie abzulehnen, da Italien zu stark von Stromimporten aus dem Ausland abhängig sei.
Umweltministerin Stefania Prestigiacomo erklärte, die Regierung werde eine Agentur für Atomenergiesicherheit einrichten.
„Die Rückkehr zur Atomenergie ist kein einfacher Weg. Es ist nicht leicht, über 20 Jahre nach der Ausschaltung des letzten Atomkraftwerks nach dem Referendum im Jahr 1987 wieder den Weg der Atomenergie zu beschreiten, doch wir werden es auf bestmögliche Weise tun“, so Prestigiacomo.
apa

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