© 2012 APA/EPA Suarez verweigerte Evra den Handschlag.
© 2012 APA/AP Evra jubelt vor Suarez nach dem Manchester-Sieg.
„Tag der Schande“ titelte der „Sunday Telegraph“ über den Klassiker Manchester United gegen den FC Liverpool. Ein verweigerter Handschlag des Uruguayers Suárez sorgte für Tumulte. Rassismus ist inzwischen wieder ein Dauerthema im Fußball-Mutterland.
So entrüstet hat man Sir Alex Ferguson selten gesehen. Die Trainer-Ikone von Manchester United beschimpfte Luis Suárez als „Schande für den FC Liverpool“ und empfahl dem Erzrivalen, den Stürmer „loszuwerden“.
Was sich beim Premier-League-Klassiker zwischen United und Liverpool abspielte, war peinlich für den englischen Fußball.
Auslöser war wieder „Enfant Terrible“ Suárez. Der Uruguayer verweigerte Uniteds dunkelhäutigem Patrice Evra, den er im Hinspiel rassistisch beleidigt haben soll, den Handschlag. „Das hätte Randale auslösen können“, sagte Ferguson.
Suárez verweigert Handschlag
In der Pause gab es im Spielertunnel Tumulte, Polizisten schritten ein. Dass United die „Schlacht im Old Trafford“ („Observer“) dank Wayne Rooney 2:1 gewann, geriet zur Nebensache.
Nachdem Suárez nach dem Hinspiel-Eklat eine Acht-Spiele-Sperre aufgebrummt bekommen hatte, traf er erstmals wieder auf Evra. Und ignorierte den Franzosen beim traditionellen „Handshake“ schlichtweg.
Dieser wiederum packte Suárez am Arm – und der nächste in der Reihe, Uniteds Rio Ferdinand, zog Suárez kurzerhand seine Hand weg. „Ich habe allen Respekt vor diesem Kerl verloren“, sagte Ferdinand. Auch er ist dunkelhäutig. Sein Bruder Anton ist das mutmaßliche Rassismus-Opfer des abgesetzten englischen Kapitäns John Terry.
Ferguson tobt
Suárez' Aktion vergiftete die Atmosphäre. „Dieser bestimmte Spieler sollte nie wieder für Liverpool spielen dürfen“, forderte Ferguson. Suárez fühlte sich missverstanden, wie er sich schon zuvor zu Unrecht verurteilt fühlte. „Ich bin enttäuscht, weil alles nicht so ist, wie es aussieht“, twitterte der Südamerikaner.
Der 25-Jährige musste in Old Trafford einen Spießrutenlauf überstehen. Uniteds satirisches Fanmagazin „Red Issue“ zeigte eine Maske im Ku-Klux-Klan-Stil mit den Worten: „Suárez ist unschuldig“. 7500 Hefte beschlagnahmte die Polizei von Manchester.
Fragwürdige Rückendeckung bekam er von Coach Kenny Dalglish: Dieser tat im TV-Interview so, als habe er die Szene nicht gesehen und schob dann die Schuld auf die Medien. Der „Sunday Telegraph“ schrieb vom „jüngsten PR-Desaster“ des Vereins.
Ausgerechnet Suárez trifft
Auf dem Rasen glänzte Rooney, der mit einem Doppelschlag (47./50.) seine Saisontore 16 und 17 erzielte. Ausgerechnet Suárez (80.) verkürzte. Nach dem Abpfiff baute sich Evra mit gereckten Jubelarmen provozierend vor dem Südamerikaner auf. Ferguson nahm auch den eigenen Mann in die Pflicht: „Das hätte er nicht tun sollen.“
Und wie geht's weiter? „In diesem Land ist der Fußball einen langen Weg gegangen seit den Tagen, als Bananen auf John Barnes geworfen wurden. Wir können nicht zurückgehen“, warnte Ferguson.
Gordon Taylor, Chef der Spielerorganisation PFA, hält die jüngste „Respekt“-Kampagne durch Suárez' Aktion für „zerfetzt“. „Das können wir nicht ignorieren, wenn wir mit unserem Kampf gegen Rassismus erfolgreich sein wollen.“
Sogar Ex-Tennisstar Boris Becker mischte sich via Twitter ein: „Was stimmt mit Suárez nicht? Lehrt ihn niemand das Einmaleins in Sachen Respekt, Fair Play im Fußball?“
Das Abschneiden seines Lieblingsclubs kommentierte Becker nicht: Der FC Chelsea blamierte sich mit 0:2 beim FC Everton und rutschte durch Arsenals Sieg beim AFC Sunderland (2:1) aus den Top-Vier.
dpa
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