© 2010 APA/EPA Bayerns David Alaba (links) gegen Fiorentinas Lorenzo de Silvestri
Nach dem stürmischen Viertelfinal-Einzug im Champions-League-Krimi ging es für Traumtorschütze Arjen Robben & Co. auch bei der Rückreise ein bisschen schaukelig zu.
Beim Flug ins heimische München musste die Reisegruppe des FC Bayern ein paar Turbulenzen wegstecken – aber das war man ja vom Spiel am Vorabend mit dem drohenden K.o. gewohnt. Wie gefühlte Sieger kamen die Profis des deutschen Fußball-Rekordmeisters trotz der 2:3 (0:1)-Niederlage bei Fiorentina in die Heimat zurück – rundum zufrieden war Trainer Louis van Gaal einen Tag nach dem Weiterkommen trotz der „zwei wunderbaren Tore“ aber nicht.
Zwar sei das Erreichen der nächsten Runde das Wichtigste, sagte der Niederländer, „aber ich bin ein Trainer, ich will immer gewinnen und wir haben gestern verloren“.
Dennoch attestierte der 58-Jährige seiner Mannschaft, „sehr gut“ gespielt zu haben. Zwar konnte sie ein „entscheidendes Spiel“ nicht gewinnen, aber auf den Auftritt in der windigen Toskana könne man positiv zurückblicken.
Ende der Siegesserie für Rummenigge bedeutungslos
Schon am Vorabend im Bankett-Saal „Giardino d'Inverno“ im Erdgeschoss des Grand Hotels hatte sich van Gaal den Einzug in die Runde der letzten Acht schmecken lassen, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte dem Ende einer langen Serie keine Bedeutung beigemessen.
„Wir haben ja 18 Spiele gehabt, die wir hintereinander nicht verloren haben. Ich glaube, das ist eine Niederlage, mit der der FC Bayern leben kann“, betonte Rummenigge bei seiner Ansprache. „Wir werden alle mit großer Konzentration und Volldampf daran arbeiten, dass wir vielleicht dieses Jahr mal zumindest eine Runde weiterkommen.“
Das Halbfinale wurde zuletzt im Jahr des Titelgewinns erreicht – und der ist jetzt schon neun Jahre her.
„Der Wind hat große Rolle gespielt“
Risotto, Ravioli und Rinderfilet wurden für van Gaal & Co. nach dem Nerven, aber auch Kräfte zehrenden Spiel aufgetischt. „Der Wind hat heute eine große Rolle gespielt“, sagte der Niederländer über die Wetterkapriolen im Stadio Artemio Franchi, die seinen Akteuren schwer zu schaffen machten.
„Ich habe noch nicht bei so einem Wind gespielt. Bei Gegenwind war es schwer, nicht nur zu spielen, sondern auch zu laufen“, schilderte Philipp Lahm Eindrücke vom torreichen Duell in der Toskana. Im Viertelfinale würde auch der Nationalverteidiger gern „den Top-Favoriten Barcelona oder Chelsea noch aus dem Weg gehen“.
„Die Spielweise der Florentiner kannten wir, aber mit dem Wind haben wir nicht gerechnet. So mussten wir gegen zwei Sachen kämpfen“, sagte Abwehrchef Daniel van Buyten, der die auch ohne das stürmische Lüftchen haarsträubenden Defensivfehler dem Wetter zuschrieb.
Van Gaal lobt 17-jährigen Alaba
Der Trainer sah das nicht ganz so: Diese „individuellen Fehler“ in der Abwehrarbeit führte van Gaal bei seiner Spiel-Analyse auf, aber ebenso positive Punkte an. „Wir haben am Boden gespielt, so viel wie möglich, das war unsere Rettung in der zweiten Halbzeit“, sagte der 58-Jährige, der sich lobend über das Debüt des 17-jährigen David Alaba äußerte. „Er hat mein Vertrauen nicht enttäuscht.“
Van Gaals Landsleute waren zur Stelle, als dem FC Bayern das dritte Achtelfinal-Aus seiner Königsklassen-Historie drohte. Mark van Bommel (60. Minute) traf mit einem trockenen Flachschuss zum 1:2 und Robben (65.) ließ mit seinem Traumtor zum 2:3 aus 22 Metern die Fiorentina-Fans mitten in ihren Siegesgesängen mucksmäuschenstill werden.
„Das Viertelfinale war unser Mindestziel. Das haben wir geschafft, aber wir sind noch nicht fertig. Wir haben noch einiges vor, ohne jetzt große Sprüche rauszuhauen“, sagte van Bommel, der mit dem Tor auch um eine Vertragsverlängerung warb.
„Wir müssen besser spielen“
Wer am 19. März neben dem FC Arsenal (5:0 gegen Porto) im Lostopf für das Viertelfinale ist, steht noch nicht fest. „Barcelona, Chelsea, Real sind bessere Mannschaften, da müssen auch wir besser spielen“, meinte Robben.
Etwas getrübt war die Freude bei Mario Gomez, der einen Muskelfaserriss in der rechten Wade erlitt und zwei bis drei Wochen ausfällt. Bastian Schweinsteiger ist nach seiner Gelben Karte für das Viertelfinal-Hinspiel am 30./31. März gesperrt.
dpa
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