© 2010 APA/EPA Feierten ihren Sieg gegen Real Madrid: die Spieler von Olympique Lyon.
Old Trafford bebte, David Beckham heulte, und für Real Madrid ging das Grauen in der Champions League weiter.
Das für sündhaft teure 250 Millionen Euro aufgemotzte Star-Ensemble der „Königlichen“ erlebte beim 1:1 gegen Olympique Lyon ein Fiasko und schied zum sechsten Mal in Serie schon in der ersten K.o.-Runde aus. „Titel kann man nicht kaufen, man muss sie gewinnen“, spottete „El País“. Und „As“ titelte: „Der Alptraum geht weiter.“
Dagegen trumpfte Manchester United auf, das Topstürmer Cristiano Ronaldo im Sommer für 96 Millionen Euro an Real abgeben musste. Beim berauschenden 4:0- Triumph über Milan ging auch Uniteds inzwischen bei Milan gelandeter „verlorener Sohn“ mit unter. Zwar feierten die ManU-Fans ihr Idol David Beckham bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, aber dort wurde er mit Milan „gefoltert“, wie „Tuttosport“ befand.
Milans Trainer Leonardo geriet nach dem Debakel ebenso in die Schusslinie wie Reals Manuel Pellegrini. „Raus!“, forderte „Marca“ auf dem Titelblatt über einem Foto des Chilenen. „Pellegrini ist mit eineinhalb Füßen draußen“, glaubt auch „El País“ trotz der aktuellen Spitzenposition in Spaniens 1. Liga.
„El Mundo“ erklärte das Projekt des ambitionierten Clubchefs Florentino Pérez, endlich den Titel der Fußball-Königsklasse in die spanische Hauptstadt zurückzuholen, für grandios gescheitert.
„Dieser Coach ist ein Feigling“
Und sogar die Ehefrau des brasilianischen Mittelfeldstars Kaká, für den Real auch noch stattliche 68 Millionen Euro Ablöse hinblätterte, mischte sich ein. „Dieser Coach ist ein Feigling“, twitterte sie verärgert nach der für sie unverständlichen Auswechslung ihres Göttergatten gegen Raúl in der 76. Minute.
Allerdings sind sich Spaniens Medien einig, dass Kaká derzeit auf dem Platz nichts zustande bringt. Und Pellegrini will nicht aufgeben. „Als Trainer übernehme ich die Verantwortung, aber ich denke nicht daran, zurückzutreten“, betonte der Coach, dem Sportdirektor Jorge Valdano den Rücken stärkte: „Pellegrini bleibt. Wir müssen nun einen kühlen Kopf bewahren.“
Seinen Akteuren war dies nicht gelungen. Nach dem Hinspiel-0:1 und der raschen Führung durch Ronaldo (6.) sündigten sie bei der Verwertung ihrer Torchancen – und wurden bitter bestraft: Miralem Pjanic (75.) machte die „Heldentat“ („France Football“) für Lyon perfekt, das Real nach 2005 und 2006 zum dritten Mal früh aus dem lukrativen Wettbewerb warf.
Traum vom zehnten Meistercup ausgeträumt
Aus war der Traum vom Finale am 22. Mai im heimischen Bernabéu-Stadion und vom zehnten Meistercup-Coup.
Dagegen kann ManU auch ohne Ronaldo weiter auf die dritte Endspiel-Teilnahme nacheinander hoffen, was bisher nur Juventus Turin (1996-1998) und Milan (1993-1995) gelungen ist. Dies scheint möglich, weil Stürmerstar Wayne Rooney den einst als unersetzlich gepriesen Portugiesen immer mehr vergessen macht.
„Wayne wird immer besser und war heute sensationell“, lobte Alex Ferguson nach der Gala gegen Milan den zweifachen Torschützen. Der Coach forderte seinen schon seit Wochen in Galaform auftrumpfenden Starstürmer auf, Ronaldos Torrekord von 2007/2008 (42 Pflichtspiel-Treffer) zu überbieten.
Rooney kam in dieser Spielzeit bisher auf 30. „Das ist eine Herausforderung für ihn“, meinte Ferguson. „The Times“ schwärmte vom „unwiderstehlichen Rooney“.
Beckham als kleiner Sieger
Im völlig chancenlosen Verlierer-Team konnte sich allein David Beckham als kleiner Sieger fühlen. Der Mittelfeldakteur, der sich nach seinem Wechsel in die USA an Milan ausleihen ließ, um die Chancen auf seine vierte WM-Teilnahme in Südafrika zu wahren, erntete bei der tränenreichen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte Applaus des ManU-Anhangs.
„Es war eine bewegende Nacht für mich, da mich die Fans so empfangen haben. Aber es überwiegen natürlich die Trauer und die Enttäuschung über diese Niederlage“, gestand Beckham nach der deftigen Schlappe.
Sein in Erklärungsnot geratener Coach Leonardo gestand die „schwere Niederlage“ ein und bat um Ruhe im Verein – vergeblich: „La Gazzetta dello Sport“ machte den Brasilianer zum Verantwortlichen für den Flop: „Leonardo macht alles falsch.“
dpa
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