Während sich die EU um den Bau großer Verkehrskorridore bemüht und die Hochgeschwindigkeitsbahn bei den italienischen Passagieren reißenden Erfolg erntet, bleibt der Gütertransport auf Schiene Italiens Sorgenkind Nummer eins.
Lediglich neun Prozent aller Waren werden in Italien auf Züge geladen und der Trend sinkt zugunsten des Lkw-Transports immer mehr. 62 Prozent aller in Italien transportierten Waren werden auf der Straße befördert, heißt es bei dem ersten internationalen Forum zur Entwicklung des Warenverkehrs auf Schiene „MercinTreno" in Rom, bei dem am Wochenende neue Strategien zur Entwicklung des Güterverkehrs auf Schiene diskutiert werden.
Der Prozentsatz des kombinierten Warentransports aus Schiene und Lkw ist gegenüber 2002 gleichgeblieben. Zum Vergleich: In Österreich werden rund 30 Prozent aller Güter auf der Schiene transportiert, in Deutschland 21,4 Prozent, in Frankreich sind es 15,7 Prozent und in Großbritannien 11,8 Prozent. In der Schweiz werden 40 Prozent aller Waren mit dem kombinierten Straße-Schiene-System befördert.
„Die Bahn wird im Konkurrenzkampf gegen Lkw keine Chance haben, solange der Straßentransport so viel billiger sein wird", kommentierte der Geschäftsführer der Staatsbahnen (FS), Mauro Moretti. Er kritisierte, dass in Italien der Straßentransport gefördert werde, während die Finanzierungen für den kombinierten Warentransport gekürzt worden seien.
„Die italienischen Straßen und Autobahnen brechen unter der Last des zunehmenden Lkw-Verkehrs zusammen. Die Förderung des Bahntransports ist in den letzten Jahren von der Regierung nicht wirklich überzeugt vorangetrieben worden. Die Großunternehmen konzentrieren außerdem nach wie vor ihre Aktivitäten in den norditalienischen Regionen. Das heißt, dass die Verkehrssituation in Norditalien immer dramatischer wird", klagte Alfredo Peri, Präsident des Verbands „Federmobilita'", der das Forum in Rom organisiert hat.
Peri klagte, dass in Italien die von der EU vorangetriebene Liberalisierung des Warentransports kaum konkrete Resultate bewirkt habe. „Die Liberalisierung hat keinen wahren Markt für Bahndienstleistungen gebracht und auch das Volumen der beförderten Waren ist in diesen Jahren nicht gestiegen", meinte Peri.
Die neuen EU-Regeln zur Liberalisierung des Warentransports haben zwar die Gründung privater Bahngesellschaften gefördert, die angebotenen Dienstleistungen scheinen jedoch im Konkurrenzkampf mit dem Lkw-Transport für Privatunternehmen kaum zu punkten.
„Das veraltete Infrastruktursystem, mangelnde Flexibilität und Ineffizienz sind die Ursachen der mangelnden Konkurrenzfähigkeit des Bahntransports in Italien", meint Giuseppina Della Pepa, Generalsekretärin des Frächterverbands Anita.
Die Bahn wird automatisch für Waren ausgeschlossen, die schnell verderben und auf schnellstem Weg verteilt werden müssen. Auf längeren Strecken gewinnt die Bahn an Wettbewerbsfähigkeit.
„Um die Bahn als Warentransportmittel zu fördern, muss die Liberalisierung vollendet werden. Man muss hierzu die Kosten senken und ein integriertes Verkehrssystem fördern", meint Della Pepa.
apa

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