10.000 Bauern haben gestern Abend in Cremona gegen die Sparpläne der Regierung protestiert – auch der Südtiroler Bauernbund (SBB) war dabei.
Der SBB hat gestern Abend gemeinsam mit dem gesamtstaatlichen Bauernverband Confagricoltura und 10.000 Bauern gegen das geplante Sparpaket der Regierung Berlusconi protestiert.
Dieses sieht unter anderem eine Erhöhung der Sozialbeiträge und die Verlängerung der Zahlungsfrist für Strafen bei Übertretung der Milchquoten vor.
Nachdem heuer den italienischen Bauern bereits über eine Milliarde Euro an Beiträgen gestrichen wurde, plant die Regierung nun weitere Einsparungen in der Landwirtschaft.
„Das hätte fatale Folgen“
So sollen die begünstigten Sozialbeiträge für das Berggebiet und die benachteiligten Regionen ersatzlos gestrichen werden.
„Das hätte fatale Folgen für die Betriebe in diesen Gebieten, die bereits jetzt unter sehr schwierigen Bedingungen wirtschaften müssen“, erklärt SBB-Direktor Siegfried Rinner, der zusammen mit Landesobmann-Stellvertreter Seppl Lamprecht an der Kundgebung in Cremona teilnahm.
Ein zweiter Kritikpunkt betrifft den geplanten Aufschub der Strafzahlungen für das Überschreiten der Milchquoten.
Großbetriebe in Norditalien haben jahrelang deutlich mehr Milch produziert, als sie laut Milchquoten hätten produzieren dürfen. Die nun fälligen Strafzahlungen werden voraussichtlich bis Jahresende aufgeschoben.
„Ehrliche Bauern bleiben auf der Strecke“
„Sonst hat Italien für nichts mehr Geld. Nur bei den Strafzahlungen scheint Geld plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Das ist Klientelpolitik pur, weil die Lega Nord die Großbetriebe im Norden schützen will“, so Rinner und Lamprecht. „Ehrliche Bauern hingegen bleiben auf der Strecke.“
Sorgen bereitet den Bauernvertretern auch der Plan der Regierung, die Bestimmungen zu den Grünzertifikaten zu ändern.
„Bisher mussten die nicht am Markt verkauften Grünzertifikate für Strom aus erneuerbaren Energiequellen aufgekauft werden. Diese Verpflichtung soll nun wegfallen oder zumindest abgeschwächt werden. Die Folge wäre ein deutlicher Preisrückgang, was gerade für die bäuerlichen Biogasanlgen gravierende Auswirkungen bis hin zur Schließung hätte“, warnt Rinner.
Klare Worte hat der Präsident der Confagricoltura Federico Vecchioni in Cremona ob der Sparmaßnahmen für die italienische Regierung gefunden.
„Regierung lässt Bauern links liegen“
„Die italienische Landwirtschaft ist in Krise. Die Kosten steigen, die Bürokratie nimmt zu, die Erlöse sinken. In den vergangenen Jahren haben 500.000 Betriebe zugesperrt, weitere 250.000 könnten in den nächsten zwei Jahren schließen. Doch anstatt der italienischen Landwirtschaft, die am Bruttoinlandsprodukt immerhin 15,7 Prozent hält, zu helfen, lässt sie die Bauern links liegen und plant immer neue Kürzungen.“
Das würden sich die italienischen Bauern nicht mehr gefallen lassen. „Notfalls legen wir Italien mit den Traktoren lahm. Wir fordern nicht neue Unterstützungen, sondern endlich eine klare Agrarpolitik, die diesen Namen verdient“, stellte Vecchioni in Cremona klar.
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