Italienweit sind Pfändungen und Zwangsräumungen auf dem Vormarsch, wie eine Erhebung der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ zeigt. Auch in Südtirol steht mittlerweile bei immer mehr Familien oder Unternehmern der Gerichtsvollzieher vor der Tür.
„Die Wirtschaftskrise ist in den Gerichten angekommen“, berichtete gestern der „Sole 24 Ore“. „Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten drängen immer mehr Gläubiger – Banken, Unternehmer, Arbeiter und Wohnungsbesitzer – dazu, per Anwalt ihr Geld zurückzuholen.“
So haben nach Angaben des „Sole“ italienweit die Mobiliarpfändungen (Gegenstände oder Gehälter) um 18,9 Prozent und die Wohnungspfändungen um 13,4 Prozent zugelegt, während um 14,6 Prozent mehr Zwangsräumungen vorgenommen worden sind.
Deutliche Wachstumsraten zeigen sich auch in Südtirol: Immer nach Angaben des „Sole 24 Ore“ wurden 2009 hierzulande 1256 Sachpfändungen (plus 7,2 Prozent gegenüber 2008) und 500 Wohnungspfändungen (plus 15,2 Prozent) veranlasst. Zudem seien 235 Zwangsräumungen angeordnet worden – 26,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Grund ist nicht nur die Wirtschaftskrise
Eine Entwicklung, die der leitende Gerichtsvollzieher Reinhard Christanell bestätigt. Die Gründe dafür sieht auch er in der Wirtschaftskrise – aber nicht nur.
„Bei den Zwangsräumungen bemerken wir diesen Aufwärtstrend immerhin schon seit vier, fünf Jahren. Damals hat noch niemand von Krise gesprochen“, erklärt Christanell. Seine Erklärung: „Das Leben in Südtirol ist wohl einfach teuer.“
Betroffen ist, wie er sagt, der ganz normale Südtiroler – nicht der, der besonders arm ist, sondern jener, der der unteren Mittelschicht angehört: „Leute, die ein wenig zu reich sind, um eine Sozialwohnung zu bekommen, aber trotzdem nicht reich genug sind, um sich zu finanzieren.“
Zum Beispiel alleinerziehende Mütter, Männer, die eine Trennung hinter sich haben, Familien, in denen nur eine Person verdient – und zunehmend auch Rentner.
Die Voraussetzungen für die Zwangsräumung der Wohnung sind zudem nicht einmal schwierig: „Es reicht, wenn man mit der Miete einen Monat im Rückstand ist, oder die Kondominiumsspesen nicht bezahlt.“
Bei den Pfändungen – sowohl bei den Sach- als auch bei den Wohnungspfändungen – sieht Christanell dagegen einen stärkeren Zusammenhang mit der Krise. Das zeige sich an den Betroffenen: zunehmend Handwerker, Bar- und Restaurantbetreiber.
Der „Sole 24 Ore“ hat daneben auch die Zahl der Konkursanträge erhoben, die 2009 in Südtirol gestellt wurden: 155. Zur Erinnerung: 2009 wurden 74 Konkursverfahren eröffnet.
gam/D

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