Ihre therapeutischen Kräfte sind nicht wissenschaftlich bewiesen. Doch die Zuschauerzahlen bestätigen ihre Wirkung. Gleich ob „Willkommen bei den Sch'tis“ oder der jüngste Erfolg „Ziemlich beste Freunde“, Frankreichs Komödien toppen Piratengemetzel, Vampire und wunderbare Märchen.
Weder „Harry Potter“ noch „Fluch der Karibik“ noch „Twilight“ konnten in Frankreich an die Traumergebnisse von jeweils rund 20 Millionen Eintritten herankommen.
Gute Filme, klingende Kassen. Eine Gleichung, die in der Regel aufgeht. Überraschend ist nur, mit welchem Elan französische Komödien die Kino-Charts stürmen. Es gilt: maximale Serotonin-Ausschüttung und Gute-Laune-Vitamin B in Hülle und Fülle. Komödien haben in Frankreich seit ungefähr drei Jahren Hochkonjunktur. Im Jahr 2011 sind „Das Schmuckstück“, „Die anonymen Romantiker“, „Der Auftragslover“, „Nichts zu verzollen“ und „Das Labyrinth der Wörter“ erschienen, um nur die zu nennen
Ihr Erfolgsrezept: Ihre Herzlichkeit geht unter die Haut und ihr Witz an die Lachmuskeln. In krisengeschüttelten Zeiten sind ihre Gutmensch-Geschichten und lieblichen Utopien einer Gesellschaft, in der sich Arm und Reich, der Norden und der Süden brüderlich vereinen – Balsam für die Seele.
Bislang galt der britische Humor als Exportknüller. Seit den Krachern unter den Lachfilmen „Die große Sause“ im Jahr 1966 mit Frankreichs Filmkomiker Louis de Funès (17,2 Millionen Eintritte), „Astérix & Obelix: Mission Kleopatra“ (2002) mit 14,5 Millionen Zuschauern und „Die Besucher“ im Jahr 1993 mit 13,7 Millionen Kinogängern, hat die französische Komödie lange keinen solchen Triumphzug mehr erlebt.
Der Erfolg kam unerwartet. Die Arthouse-Filme wurden von der Kritik im günstigsten Fall müde belächelt, im schlimmsten Fall ignoriert. „Willkommen bei den Sch'tis“ war 2009 im Rennen um die begehrten französischen César-Filmpreise nur einmal nominiert. Gewonnen hatte er am Ende nicht mal diese eine Trophäe als bestes Originaldrehbuch.