Das Museum Gherdëin in St. Ulrich verwahrt seit 2004 den künstlerischen Nachlass von Luis Trenker. Eine erste Sammlung an persönlichen Gegenständen wurde bereits im Jahre 1990 von den Erben überreicht. Nun konnte die Sammlung Trenker durch den Ankauf von zwei Bildnissen der Eltern Luis Trenkers von Ignaz Stolz (1938) erweitert werden.
Die beiden Bilder werden am 10. Februar um 11 Uhr im Museum Gherdëina in St. Ulrich vorgestellt.
Der Kunsthistoriker Carl Kraus hat im Jahr 1983 Luis Trenker getroffen und mit ihm über dessen Begegnung mit dem Maler Ignaz Stolz gesprochen. „Als sich Ignaz Stolz und Luis Trenker Anfang der Zwanzigerjahre in Bozen kennenlernten, war dies ein Zusammentreffen zweier ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten in ganz unterschiedlichen Lebensphasen.
Der älteste der drei Malerbrüder Stolz, geb. 1868 in Bozen, also Anfang 50, war am Höhepunkt seines Schaffens, arriviert als Porträtist ebenso wie als Schöpfer biblisch-mythologischer Kompositionen. Sein Hauptwerk, das sowohl von den Alten Meistern als auch von Egger-Lienz angeregte „Weib des Potiphar“ entstand in diesen Jahren.
Luis Trenker, geb. 1892 in St. Ulrich, somit knapp 30jährig, studierte damals noch an der Technischen Universität in Graz und führte nach dem Studienabschluss (1924) gemeinsam mit Clemens Holzmeister ein Architekturbüro in Bozen. Zugleich feierte der leidenschaftliche Bergsteiger bereits erste Erfolge als Schauspieler. Sein extrovertiertes, unternehmungslustiges Wesen war dabei jenem von Ignaz Stolz, der verschlossen, kontaktscheu und misstrauisch war, diametral entgegengesetzt. Nichtsdestotrotz besuchte Trenker den Maler wiederholt in dessen Atelier in der Leonardo-da-Vinci-Straße, lud ihn einmal auch zum einem Opernbesuch nach Venedig ein, von dem Stolz, wie sich Trenker später erinnert, völlig überwältig war. 1924 waren Stolz und Trenker jeweils mit Werken bzw. Entwürfen auf der Bozner Biennale vertreten.
In diesem Jahr schuf Ignaz Stolz auch ein erstes Porträt Luis Trenkers, das dessen Qualitäten als Menschenmaler unmittelbar deutlich macht. Feinfühlig und zurückhaltend in der Charakterisierung, wirkt es in seinem breiten, malerischen Realismus überaus lebendig.
Weit heroischer mutet dagegen das zweite, streng frontale Porträt Luis Trenkers an, das Stolz vier Jahre später schuf: Trenker hatte in der Zwischenzeit seine Tätigkeit als Architekt aufgegeben und sich ganz dem Film zugewandt, 1928 gab er mit dem Stummfilm „Kampf ums Matterhorn“ sein Regiedebut und übersiedelte nach Berlin.
Sechs Jahre später übertrug Trenker, mittlerweile mit Filmen wie "Der verloren Sohn" 1933/34) und "Der Kaiser von Kaliikfornien" (1935/36) in aller Munde, schließlich dem Maler den Auftrag für Porträts seiner Eltern, dem Fassmaler und Vergolder Jakob Trenker und dessen Frau Carolina geb. Demetz (Öl auf Leinwand, je 57 x 47 cm). Als Typus wählte Stolz dafür wiederum das Brustbild, dazu einen pulsierenden grünen Hintergrund, der die Figuren in die freie Natur stellt. Unterschiedlich ist die Charaktersierung der beiden Dargestellten: Tritt uns Jakob Trenker mit einer selbstbewussten Gelassenheit entgegen, so wirkt der Gesichtsausdruck Carolina Trenkers komplexer, aber auch unsicherer – trotz der „stolzen“ Grödner Tracht. Als Honorar erhielt der Maler, wie er am 30. November 1938 in einem Skizzenheft notierte, 1.000 Lire.
Die Bildnisse von Jakob und Carolina Trenker zählen zu den letzten Auftragsporträts, die Ignaz Stolz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs schuf. Aber auch für Luis Trenker wurde der Handlungsspielraum im Spannungsfeld zwischen Faschismus und Nationalsozialismus enger. Im Frühjahr 1940 fiel er bei den nationalsozialistischen Machthaber in Ungnade, da er u. a. die Verfemung der Literatur wie auch die Judenverfolgung angeprangert hatte.
Vor diesem Hintergrund stellen die „Porträts Jakob und Carolina Trenker“ aus dem Jahr 1938 nicht nur bedeutende Kunstwerke, sondern auch facettenreiche Dokumente für die Biografie Luis Trenkers und ganz allgemein für die Geschichte Südtirols dieser brisanten Jahre dar.“
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