© 2012 Foto: Dlife/da
© 2012 Noch-Chef Pius Leitner und seine Nachfolgerin Ulli Mair bei der heutigen Pressekonferenz - Foto: Dlife/da
Der dienstälteste Obmann Südtirols tritt ab: Pius Leitner ist weder amtsmüde, krank, noch wurde ihm der Rücktritt nahegelegt, wie er am Montag betonte. Er will nur frühzeitig den Hof übergeben und damit der langjährigen Generalsekretärin Ulli Mair den Weg an die Spitze ebnen.
Ein Jahr vor den Landtagswahlen tritt der Freiheitlichen-Obmann zurück: Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. 2013 sind auch die Freiheitlichen im Wahlkampf, davor soll wieder Ruhe an der Spitze der Partei einkehren.
Leitner: „Will den richtigen Zeitpunkt für die Hofübergabe nicht verpassen“
„Dieser Schritt mag einige überraschen, weil es unserer Partei im Moment sehr gut geht. Ich bin weder krank, wie bereits einige vermutet haben, noch gegangen worden. Meine Entscheidung, den Stab in jüngere Hände zu legen, ist kein Abschied von der Partei, sondern eine Hofübergabe. Mancher Bauer hat dafür den ‚richtigen‘ Zeitpunkt verpasst – zum Schaden des Hofes und seiner Nachkommen“, erklärte Leitner mit Seitenhieb auf Landeshauptmann Luis Durnwalder.
„Ich leiste mir den Luxus zu gehen, wann ich will“
Es gebe nie oder immer den richtigen Zeitpunkt. „Es kann sein, dass nicht alle sofort meine Entscheidung verstehen, aber ich bitte, sie zu respektieren. Ich bin weder amtsmüde, noch habe ich die Freude an der Politik verloren. Ich leiste mir einfach den Luxus zu gehen, wann ich will“, so der Noch-Freiheitlichen-Chef, der auch mit etwas Wehmut auf die vergangenen 20 Jahre zurückblickte.
Leitner hofft, dass Freiheitliche „anders bleiben“
Die Gründung der Freiheitlichen-Partei sei nicht nur ein Wagnis, sondern aus damaliger Sicht ein Schritt ins Ungewisse gewesen. „Ich musste die Partei in einem Zustand übernehmen, den ich niemandem zumuten möchte. Ich bin froh, dass es der Partei heute gut geht und sich immer mehr Menschen unserer politischen Gesinnungsgemeinschaft anschließen.“
Ein Wunsch hat Leitner auch für die Zukunft: Dass die Freiheitlichen anders bleiben. „Wir sind immer anders gewesen und sollen auch anders bleiben.“
Ulli Mair soll Partei übernehmen
Die langjährige Generalsekretärin der Freiheitlichen, Ulli Mair, soll die Partei übernehmen. Sie ist bereit dafür, wie sie erklärte. Am 17. März, dem Parteitag, finden dennoch Wahlen statt, bei denen sich auch andere Kandidaten aufstellen lassen können.
„Ein sehr emotionaler Moment“
„Für mich ist dieser Tag ein sehr emotionaler Moment. Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die auf mich zukommt, sollte ich neue Chefin der Freiheitlichen werden. Ich kenne die Partei jedoch wie meine eigene Westentasche“, unterstrich Mair.
Sie sei von Anfang an dabei gewesen. „Ich weiß, was es heißt, für diese Partei zu arbeiten. Anfangs wurden wir noch von den Höfen gejagt, mittlerweile wird uns großer Respekt entgegengebracht.“
Sie werde mit bestem Wissen und Gewissen die Arbeit als Parteichefin übernehmen und wolle für alle, vor allem auch für ihre Kritiker, ein offenes Ohr haben.
„No Comment“ zu zukünftigen Plänen
Mair ist für ihre direkte Art bekannt. In welche Richtung sich die Freiheitlichen unter ihrer „Führung verändern werden, verriet sie (noch) nicht.
„Ich möchte noch nicht über Programme und Ziele sprechen. Sollte ich tatsächlich Obfrau werden, bleibt noch Zeit genug darüber zu sprechen.“
Mair und Leitner: Im Wahlkampf als „bekanntes Duo“
Auch wenn Leitner die Chefschlüssel abgibt, in der Politik mitmischen will er weiterhin. Er werde auch bei den Landtagswahlen 2013 an vorderster Front zu finden sein und zwar mit Ulli Mair: „Wir werden uns als Duo den Wählern stellen“, kündigte Leitner an.
Regierungsverantwortung: „Nur, wenn freiheitliche Handschrift erkennbar ist“
Sprechen die Freiheitlichen über die Landtagswahlen im kommenden Jahr, dann ist auch eine eventuelle Regierungsverantwortung zentrales Thema – wenngleich noch mit etwas vorgehaltener Hand.
„In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel verändert. Eine freiheitliche Regierungsverantwortung kommt langsam in den Bereich des Möglichen. Man kann nicht sagen, dass wir nur für die Opposition geboren sind“, so Leitner.
Aber: Für die Freiheitlichen kommt eine Regierungsverantwortung nur dann in Frage, wenn diese auch eine freiheitliche Handschrift trägt: „Deshalb heißt es für uns abwarten und schauen, was die Zukunft so bringt.“
Johanna Gasser
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