Die Sánchez Vicarios galten jahrelang auch außerhalb Spaniens als Tennis-Vorzeigefamilie, doch dieses Bild hat einen tiefen Riss bekommen.
Die frühere Weltranglisten-Erste Arantxa Sánchez Vicarios wirft ihren Eltern in einer explosiven Autobiografie vor, sie bevormundet, ausgebeutet und um ihr Vermögen gebracht zu haben.
Von den 45 Millionen Euro an Preisgeldern und Werbeeinnahmen sei ihr „nichts geblieben“.
„Der Mythos der geeinten und glücklichen Familie war eben bloß das: Ein Mythos“, schreibt die 40-Jährige in dem Buch. Titel: „Vamos! Erinnerungen eines Lebens, eines Kampfes und einer Frau“.
Das Tennis-Wunderkind wird darin zu einem einsamen Mädchen, das sich vor allem nach einem sehnt: Zuneigung. Besonders hart geht Sánchez Vicario dabei ihre Mutter Marisa (75) an: „Sie hat einen starken Charakter. Disziplin und Sieg waren ihr wichtiger als jede andere Erwägung – dabei hätte ich vielleicht einige liebevolle Worte nötiger gehabt.“
Oftmals habe sie sich völlig allein gefühlt, mit einem Plüsch-Hasen als einzigem Zeugen ihres Elends: „Ich schlief mit ihm im Arm auf dem von Tränen durchnässten Kissen ein. Ich suchte in ihm einen gewissen Schutz und vor allem Trost.“
Die Mutter wies die Vorwürfe zurück. „Wir haben 20 Jahre lang für sie gelebt und alles für sie geopfert.“
Von Ausbeutung könne keine Rede sein. Vielmehr habe Arantxa sie im Stich gelassen: Vater Emilio (79) leide seit zwei Jahren an Darmkrebs, sei herzkrank und habe Alzheimer.
„Unsere Tochter hat uns in dieser ganzen Zeit nicht einmal besucht und auch keine Sorge gezeigt.“
Die vierfache Grand-Slam-Gewinnerin, die 1989 mit 17 Jahren in einem packenden Finale Steffi Graf in Roland Garros besiegte, gibt ihren Eltern aber auch für ihre finanzielle Misere die Schuld.
Der Vater habe die alleinige Vollmacht über ihr Vermögen gehabt.
„Ich bekam monatlich einen Betrag, über den ich Rechenschaft ablegte, Fragen habe ich ihm nie gestellt.“ Nun habe sie Schulden beim Finanzamt. Der Fiskus verlange von ihr 3,5 Millionen Euro, heißt es.
Auch zu den Geschwistern habe sie den Kontakt abgebrochen, erzählt Sánchez Vicario, die inzwischen selbst Kinder hat und seit kurzem Chefin des spanischen Fed-Cup-Teams ist.
dpa
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