© 2010 shutterstock Für die Griechen schaut es derzeit nicht gut aus
Griechen schockiert: „Taverne und Urlaub adieu“
„Das, was wir heute erleben, werden wir unseren Enkelkindern noch erzählen. Es ist ein historischer Moment“, kommentiert am frühen Sonntagmorgen ein Radiomoderator. Millionen Griechen sitzen vor den Fernsehern oder hören gespannt Radio.
Und dann erscheint der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou in der Runde seines Ministerrates: „Oberstes Gebot ist die Rettung des Vaterlandes“, sagt er gleich am Anfang.
Sichtlich gestresst fügt er hinzu, er werde die „Schwächeren schützen“ und im Kampf um die Rettung des Landes vor dem Bankrott „ganz vorne stehen“.
„Mit anderen Worten: Wir haben einen Teil unserer Souveränität heute abgegeben“, resümiert ein pensionierter Lehrer im Athener Stadtteil Vyron.
Übereinstimmend kommentieren die Griechen: „Das wird jetzt wehtun.“ Viele schlagen die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der Details, die sie anschließend von Finanzminister Giorgos Papakonstantinou zu hören bekommen.
Den Gürtel enger schnallen
Wer mehr als 3000 Euro brutto verdient kann das 13. und 14. Monatsgehalt vergessen. Die anderen werden eine Art Weihnachtsgeschenk von 500 Euro sowie einen Oster- und Urlaubszuschlag von insgesamt ebenfalls 500 Euro bekommen.
Die Rentner die weniger als 2500 Euro verdienen, erhalten nur jeweils 400 Euro.
Die Beamten werden dieses Jahr nach ersten Schätzungen durch verschiedene Kürzungen ihrer Löhne und Zuschüsse fast zehn Prozent ihrer Monatseinkünfte einbüßen.
Noch höher berechnen die Gewerkschaften die Verluste: „Insgesamt verlieren wir dieses Jahr 30 Prozent unseres Einkommens. Das geht nicht“, schimpft sichtlich empört der Präsident der Gewerkschaft der Beamten, Spyros Papaspyros.
„Urlaub adieu“
„Taverne und Urlaub adieu. Jetzt gibt es Ferien nur noch bei Oma im Dorf. Wenn das Geld für die Fahrt dorthin reicht“, sagt ein junger Architekt der Nachrichtenagentur dpa.
Die Liste der Grausamkeiten hat kein Ende: Zehn Prozent mehr indirekte Steuern für Tabak, Spirituosen und Treibstoffe. Die dritte Erhöhung seit Jahresbeginn. „Wir gehen in einen Teufelskreis hinein. Die Wirtschaft wird abgewürgt“, warnt der Präsident der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras.
Auch das Rentenalter soll erheblich angehoben werden - um wie viel, soll erst noch bekanntgegeben werden. Die bislang geltende Faustregel - wer 37 Jahre gearbeitet hat, kann mit 58 in Rente gehen - wird nicht mehr gelten. Die Rede ist von mindestens 40 Jahren Arbeit als Grundvoraussetzung für eine Rente.
Luxusautos sollen besteuert, Immobiliensteuern erhöht werden. Wieviel? Selbst Finanzminister Papakonstantinou scheint schockiert zu sein.
„Ich muss jetzt schnell weg. Ich muss nach Brüssel fliegen“, sagt er vor Dutzenden von Journalisten, die mit erhobener Hand mehr wissen wollen.
Rettung unklar
Ob Griechenland gerettet werden kann, das bleibt an diesem für das Land historischen 2. Mai 2010 unklar. Denn die Gewerkschaften machen schon mobil. Ab Montag wollen die Beschäftigten der Müllabfuhr streiken.
Am Mittwoch kommt es dann zu einer neuen großen Kraftprobe: Die Gewerkschaften wollen das Land mit umfangreichen Streiks im Bereich Staat und Verkehr lahmlegen.
Takis Tsafos, dpa
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