Nicht nur einige Mitglieder der Südtiroler Landesregierung, allen voran der Landeshauptmann sind neu im Führungsteam. Auch den Generaldirektor der Südtiroler Landesverwaltung gibt es erst seit der aktuellen Legislaturperiode. Es ist dies Hanspeter Staffler, als langjähriger Zivilschutzchef krisenerprobt und über die Landesgrenzen hinaus bekannt.Er begrüßte vor Kurzem eine Delegation hochkarätiger Führungskräfte aus Graz zu Gast an der EURAC. Die Themen: Wie gestaltet Südtirol die Verwaltungsentwicklung? Welche Unterschiede gibt es zu den Nachbarländern? Welche Herausforderungen bestehen? Welche Erkenntnisse lassen sich bislang ziehen?Sorge tragen für SüdtirolSüdtirols Landesverwaltung ist alles andere als typisch. Dank der Autonomie ist das Land für zahlreiche Aufgabenbereiche primär zuständig. Ein Beispiel ist die Wildbach- und Lawinenverbauung, die in Österreich zur Bundesverwaltung gehört. Entsprechend üppig ist die Finanzausstattung des Landes mit aktuell 5,6 Milliarden Euro (1961 waren es noch ebenso viel in Lire). Das Budgetvolumen wird heute für eine Vielzahl von Förderungen verwendet. Beispielsweise an die 1.900 Wirtschaftsförderungen, das Pflegegeld für 75.000 Familien im Lande oder für die 180.000 Nutzer des SüdtirolPass im öffentlichen Personennahverkehr.„Verwalten heißt Sorgen für das Land“, so Generaldirektor Staffler in seinen Ausführungen. Eng verbunden mit der Autonomiegeschichte des Landes ist die Entwicklung der Landesverwaltung als Organisation. Zählte die Südtiroler Landesverwaltung mit dem Autonomiestatut von 1972 noch 700 Mitarbeiter, so sind es heute an die 12.000 Personen im Landesdienst, die Lehrer und das Sanitätspersonal nicht mit eingerechnet.Trotz verwaltungsmäßiger Kosten der Autonomie, denke man nur an die Zwei- und Dreisprachigkeit, steht Südtirol im Verhältnis zu den Nachbarländern gut da. Ein Beispiel sind die 2% Öffentlich Bedienstete an der Wohnbevölkerung in der Kernverwaltung im Vergleich zu den 2,3% im Trentino oder den 2,6% in Tirol. Im Verhältnis am meisten männliche Bedienstete arbeiten als Lehrer und im Straßendienst, besonders viele Frauen als Schulwartinnen und in den Kindergärten.Und sie dreht sich dochBlickt man in die Zukunft, so steht die öffentliche Verwaltung auch hierzulande vor den Herausforderungen, in Zeiten der Digitalisierung zu bestehen, mit geringeren Mitteln auszukommen und die aktuelle Flüchtlingskrise zu bewältigen. Dabei werden die Werte Zukunfts- und Bürgerorientierung betont, ebenso die Bedürfnisse der Mitarbeiter sowie die ständige Qualitätsverbesserung.Konkrete Projekte des Programmes „Verwaltungsinnovation 2018“ sind die Leistungs- und Kostenmessung für alle Abteilungen (Performance Plan), die kritische Hinterfragung von unnötigen Maßnahmen (Aufgabenkritik), um diese einzusparen sowie der kontinuierliche Dialog mit den Bürgern und der Wirtschaft. Dass daran gearbeitet wird, zeigen die regelmäßigen Treffen mit den Südtiroler Wirtschaftsverbänden und die aktuelle Zufriedenheitsumfrage bei den Bürgern, von denen knapp 80% insgesamt mit der Südtiroler Landesverwaltung zufrieden sind.EURAC Research, Bozen