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Artikel vom Dienstag, 3. September 2019

Kein Skandal, aber viel Beifall

Viel Begeisterung und Beifall gab es jüngst für die Aufführung der ersten ladinischen Opereta „Le Ciastel dles stries“ von Angelo Trebo und Jepele Frontull in einem vollbesetzen Theatersaal in La Val/Wengen.

Die im Jahr 1884 in La Plí/Enneberg-Pfarre uraufgeführte ladinische Opereta „Le ciastel dles stries“ handelt von Aberglaube, falschen Anschuldigungen und der Suche nach der Wahrheit. Der Verfasser war der Dichter Angelo Trebo, vertont hat sie der Komponist, Chorleiter und Lehrer Jepele Frontull. - Foto: rom

Die im Jahr 1884 in La Plí/Enneberg-Pfarre uraufgeführte ladinische Opereta „Le ciastel dles stries“ handelt von Aberglaube, falschen Anschuldigungen und der Suche nach der Wahrheit. Der Verfasser war der Dichter Angelo Trebo, vertont hat sie der Komponist, Chorleiter und Lehrer Jepele Frontull. - Foto: rom

Sie begleiteten die Szenen auf der Bühne musikalisch (v.l.): Nadia Prousch, Hannes Comploi, André Comploi, Marlene Schuen, Paul Schuen und Emma Moling. - Foto: rom

Sie begleiteten die Szenen auf der Bühne musikalisch (v.l.): Nadia Prousch, Hannes Comploi, André Comploi, Marlene Schuen, Paul Schuen und Emma Moling. - Foto: rom

Für Regie und musikalische Leitung ist es natürlich ein Wagnis, eines der wohl bekanntesten und beliebtesten ladinischen Theaterstücke auf die Bühne zu bringen. Barbara Rottensteiner Comploi in der Regie und André Comploi als musikalischer Leiter schafften es aber gekonnt, das Publikum mitzunehmen und zu begeistern. Überzeugen konnten auch Schauspieler, der Chor, Bühnenbild und Dramaturgie.

Die historische Handlung wird dabei immer wieder von den Überlegungen dreier Jugendlicher kontextualisiert, die das Originalmanuskript auf dem Dachboden finden und zu lesen beginnen. Das sporadische Vorkommen der einzigen Frau im Stück, der Bauerstochter Iulia, wird dabei ebenso kritisch hinterfragt wie auch das Verbreiten falscher Gerüchte im Dorf und die Bedeutung des Geldes.

Das Stück von Angelo Trebo (1862 – 1888)  und Jepele Frontull (1864 – 1930)  handelt von Aberglauben, falschen Anschuldigungen und der Suche nach der Wahrheit. Der Bauernsohn Merch wird beschuldigt, vom Förster Galeazo Geld gestohlen zu haben, und kündigt in einem Brief an seinen Vater Jan an, der Schmach entgehen zu wollen und auf der Reise nach Amerika zu sein.

Im Gespräch mit Jan beschließen dabei der Jäger Poldele und der Hirte Tita, im leerstehenden Hexenschloss „Ciastel dles stries“  vorbeizuschauen, da dort seit kurzem ein Licht brennt. Im Schloss finden sie den verlorenen Sohn Merch. Mit der Ausforschung des wahren Diebes, der freudigen Rückkehr des Sohnes und der anstehenden Heirat mit der Tochter des Försters endet das 1884 uraufgeführte Theaterstück.

Nach den ersten beiden Aufführungen musste die dritte abgesagt werden, weil im Dorf einige – wohl aus Neid –  von einem Theater der Sünden sprachen. So vermerkte Angelo Trebo im Manuskript: „Mit größtem Beifall aller Anwesenden und zum Ärgernis der alten Klatschweiber.“ 1962 und 1967 wurde das Stück in Wengen wiederaufgeführt.

„Viele Melodien Jepele Frontulls zu Angelos Trebos Liedtexten wurden in mündlicher Form weitergegeben und sind bis heute Ohrwürmer geblieben. Einige sind leider verloren gegangen und wurden für die Aufführungen in den Sechzigern von Felix Dapoz nachkomponiert”, sagt André Comploi, der das Stück insgesamt musikalisch rekonstruiert und sich auch wissenschaftlich mit dem Stück auseinandergesetzt hat.

Die Organisatoren boten je eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung eine Einführung zu Inhalt, Geschichte und Hintergründe der „Opereta“ in deutscher und italienischer Sprache an haben für interessierte Südtiroler oder Gäste.

„Wir waren überrascht, wie gut das angenommen wurde: zum Teil waren zwei Drittel der Theaterbesucher auch schon bei der Einführung dabei”, sagt André Comploi. Nach einer Zusatzaufführung am Sonntag und dem großen Erfolg überlegen sich die Verantwortlichen eine neue Ausgabe in den nächsten Jahren.

D/rom


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