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Artikel vom Donnerstag, 11. Oktober 2018

Dating-Betrüger in München verurteilt

Ingrid kann selbst nicht glauben, was ihr da passiert ist. „Es ist natürlich alles total peinlich.“ Knapp 2 Jahre, nachdem sie im Internet einen Mann kennengelernt hat, sitzt die Rentnerin aus Berlin in einem Gerichtssaal des Landgerichts München I und muss manchmal fast lachen über sich selbst. „Ich habe mich einwickeln lassen“, sagt sie. Und dass sie die Online-Gespräche mit Thomas Fischer genossen, ihm vieles erzählt hat. „Ich dachte, bei ihm war es auch so.“

Die fiese Masche hat einen Namen: „Love Scamming“.

Die fiese Masche hat einen Namen: „Love Scamming“. - Foto: shutterstock

Heute weiß die 70-Jährige: Ihren Thomas Fischer hat es nie gegeben. Sie ist hereingefallen auf ein von Betrügern angelegtes Fake-Profil in einer Partnerbörse und hat dabei nicht nur ihren Glauben an die Liebe im Netz verloren, sondern auch viel Geld.

2 Monate lang schreiben Ingrid und Thomas Fischer Nachrichten hin und her („im Nachhinein betrachtet hat er natürlich den größten Mist erzählt“) – dann fragt er zum ersten Mal nach Geld. Er stecke in China fest und müsse Zollgebühren zahlen. Ingrid überweist erst 5000 Euro, dann 10.000 – zum Schluss sind es 35.000. „Naiverweise – und weil der Mann wirklich gut aussah auf dem Foto“, erzählt sie.

270.000 Euro Entschädigung an das Opfer 

Ihr Verhalten macht sie heute noch fassungslos: „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Fehler gemacht. Ich habe keine Erklärung dafür. Fakt ist: Es ist meine Schuld.“ Hinter dem Profil von Thomas Fischer steckten Betrüger, die Ingrid und andere allzu arglose Opfer mit dieser Masche um viel Geld gebracht haben – insgesamt um eine Million Euro. 3 von ihnen – ein Deutscher, ein Nigerianer und ein Ghanaer – sind deshalb am Donnerstag in München zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb Jahren und 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt worden. Insgesamt 270.000 Euro müssen sie laut Urteil als Entschädigung an die Opfer zahlen.

Ihre fiese Masche hat einen Namen: „Love Scamming“. Vor allem ältere Internetnutzer fallen immer wieder darauf herein. Eine britische Studie der Universitäten Leicester und Westminster aus dem Jahr 2013 hat herausgefunden, dass damals schon seit 2007 insgesamt 230.000 Menschen in Großbritannien Opfer der Masche wurden. Und das war noch vor dem Online-Dating-Boom dank Apps wie Tinder und Co.

Schuld: Die rosarote Brille

Wie viele Frauen und Männer bayern- oder bundesweit zu Opfern dieser Betrugsmasche werden, ist unklar. Scham bestimmt vor Gericht in München auch die Aussage einer 62-Jährigen aus Sachsen-Anhalt, die – wie Ingrid – auf Thomas Fischer hereingefallen ist und ihre Tränen vor Gericht nicht zurückhalten kann. 20.000 Euro hat sie an die vermeintliche Internet-Liebe überwiesen, für 15.000 davon hat sie einen Kredit aufgenommen – gegen den Rat ihrer Bank, gegen den Rat von Freunden. „Man wollte das eben nicht glauben“, sagt sie. „Naja, wie man so dumm ist. Man hat 'ne rosarote Brille auf.“

Das Spiel mit der Sehnsucht

„Die spielen mit der Sehnsucht nach Partnerschaft und Liebe“, sagt Alexandra Langbein, Sprecherin von singleboersenvergleich.de, über die Lovescam-Betrüger. Die Vorgehensweise sei immer gleich, die Fake-Profile ähnelten sich. „Es ist immer jemand von Rang und Namen, ein Offizier der US-Armee zum Beispiel.“ Vor allem Frauen „ab 40 aufwärts“ fielen auf die Masche herein. Oft gehe es um Gold und Diamanten und Geld, das für den Zoll benötigt werde.

„Dann verstricken sie die Frau über Wochen und Monate in solche Gespräche; und dann ist die Frau so „in love“, dass sie 20 000 Euro an jemanden überweist, den sie nie gesehen hat“, sagt sie. „Der Schreiberling, der dahintersteckt, hat so viele psychologische Kniffe, macht Komplimente. Er appelliert an das Grundbedürfnis des Menschen, geliebt zu werden.“

dpa

 

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