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Artikel vom Mittwoch, 12. September 2018

Verkehr: Wenn Wild die Straße überquert

Hase, Reh und Fuchs geben beim Spaziergang im Wald ein hübsches Bild ab. Für Autofahrer können solche Wildtiere aber zur Gefahr werden. Wie man am Steuer richtig reagiert, erklärt Jäger und Biologe Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV).

Besonders im Oktober und November wechseln viele Wildtiere, wie etwa Rehe, ihren Lebensraum.

Besonders im Oktober und November wechseln viele Wildtiere, wie etwa Rehe, ihren Lebensraum. - Foto: shutterstock

Besonders im Oktober und November wechseln viele Wildtiere wie etwa Rehe, Feldhasen, Hirsche, Wildschweine und Füchse ihren Lebensraum und sind aktiv. Die Felder werden abgeerntet und die Vegetation wird kärglich. Viele Tiere ziehen daher zurück in den Wald. Quasi ein Umzug von der Sommer- in die Winterresidenz. Mit knapp 85 Prozent ist das Reh übers Jahr gesehen Hauptverursacher für die insgesamt rund 250.000 von Jägern registrierten Wildunfälle. Aber auch bei Wildschweinen herrscht recht reger Betrieb. Sie sind für etwa 11 Prozent der Wildunfälle verantwortlich.

Größte Gefahr: Die Dämmerung 
Die meisten Wildtiere sind in der Dämmerung unterwegs. Autofahrer müssen morgens und abends besonders vorsichtig fahren. Naturgemäß fällt der Pendlerverkehr im Frühjahr und Herbst in diese Zeiten. Wegen der Zeitumstellung geht diese besonders unfallträchtige Phase dann in eine zweite Runde. Das ist deswegen so gravierend, weil es von einem auf den anderen Tag passiert. Vor allem Pflanzenfresser unternehmen täglich kleine Wanderungen vom Wald auf Wiesen und Felder und zurück. Zwischen ihrem Schlaf- und Esszimmer verlaufen aber eben oft Straßen. Überlandstraßen durch einen Wald und Strecken an einer Wald-/Feld-Kante sind besonders gefährlich - denn dort grenzt das Esszimmer an das Schlafzimmer.

Bremsbereit die Straßenränder beobachten
Angepasste Geschwindigkeit ist das A und O. Auch da, wo keine Warnschilder stehen. Fährt man mit Tempo 80, kommt man vor dem Tier noch rechtzeitig zum Stehen, wenn es 60 bis 70 Meter vor mir aus dem Gebüsch kommt. Bei Tempo 100 fährt man dagegen schon mit 60 Stundenkilometern dagegen. Daher bremsbereit die Straßenränder beobachten. Kleine Lichtpunkte am Rand können auf das Licht der Scheinwerfer reflektierende Augen der Wildtiere hindeuten.

Richtiges Verhalten bei Wild auf der Straße 
Wenn sich ein Tier auf der Straße zeigt: Abblenden, bremsen und hupen. Dämmerungsaktive Tiere haben sehr lichtempfindliche Augen, ein Fernlicht macht sie völlig orientierungslos. Das ist, wie wenn man einem Menschen einen Baustrahler vors Gesicht hält. Einem einzelnen Tier folgen meist noch weitere. Rehe etwa sind im Winter in so genannten Sprüngen mit zahlreichen Tieren unterwegs. Wildschweine leben das ganze Jahr in Rotten.

Die Tiere haben einen sehr guten akustischen Sinn und weichen dann der Gefahrenquelle reflexartig aus und springen nicht blind auf die Straße.

Unkontrollierte Ausweichmanöver vermeiden 

Ein kontrollierter Zusammenstoß ist in der Regel besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver. Lenkrad festhalten und voll bremsen. Denn ansonsten lande ich vielleicht im Gegenverkehr oder an einem Baum. Nach dem Aufprall ist die Unfallstelle mit Warnblinker und Warndreieck zu sichern und die Polizei zu alarmieren. 

Totes Tier auf der Straße kenntlich machen 
Ein großes totes Tier auf der Fahrbahn sollten Autofahrer zum Beispiel mit einer Warnweste kenntlich machen. Ein kleineres lässt sich vielleicht noch – nur mit Handschuhen zum Schutz vor Krankheiten – an den Rand ziehen. Dabei steht die eigene Sicherheit aber an erster Stelle. 
Verletzte Tiere niemals anfassen 
Ein noch lebendes, verletztes Tier sollte keiner anfassen. Selbst ein Reh kann in Panik für schwere Verletzungen sorgen. Das sollte die Polizei oder der Jäger vor Ort klären. Fotos für die Dokumentation gegenüber der Versicherung zu machen, ist immer gut.
Was tun, wenn ein verletztes Tier flüchtet?
Auch in diesem Fall sollte man unbedingt die Polizei informieren, damit der Jäger mit speziell ausgebildeten Hunden die Fährte aufnehmen kann. Oft haben die Tiere starke innere Verletzungen und leiden. Hilfreich ist, die Unfallstelle vor dem Verlassen zu markieren. Etwa mit einem Tuch an einem Ast in der Nähe. 

dpa

 

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