Startseite » Chronik im Überblick » Lokal

Artikel vom Dienstag, 17. Januar 2017

Alex Schwazers Dopingprobe wird in Italien nachkontrolliert

Wurde die Urinprobe, die der Geher Alex Schwazer am Neujahrstag 2016 in Kalch abgegeben hat, nachträglich manipuliert? Mit dieser Frage hat sich das Bozner Landesgericht am Dienstag befasst und beschlossen, dass die nötige Nachkontrolle nicht, wie von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vorgeschlagen, in deren Labor in Köln zu erfolgen habe, sondern auf zweierlei Weise in Italien, und zwar im Labor der Carabinieri-Sondereinheit RIS in Parma und bei einem Chemie-Professor der Universität Turin.

Alex Schwazer (rechts) und sein Verteidiger Gerhard Brandstätter sind sich der Unschuld des Kalcher Gehers sicher.

Alex Schwazer (rechts) und sein Verteidiger Gerhard Brandstätter sind sich der Unschuld des Kalcher Gehers sicher.

Richter Walter Pelino hat am Dienstag entschieden: Die erneute Kontrolle der Urinprobe von Alex Schwazer wird in Parma und in Turin erfolgen. Mittels einer DNA-Analyse soll Oberst Gianpietro Lago, Chef des Labors der Carabinieri-Sondereinheit RIS in Parma, am 31. Jänner herausfinden, ob der belasteten Urinprobe nachträglich Fremd-Urin beigemengt worden sein könnte.

Parallel dazu soll Univ.-Prof. Marco Vincenti in Turin mittels chemischer Analyse hingegen untersuchen, ob das in Schwazers Urinprobe gefundene synthetische Testosteron den Weg durch seinen Magen oder seine Blase genommen hat, oder ob der Fremdstoff möglicherweise nachträglich beigemengt wurde. Um das überprüfen zu können, wird Vincenti alle Dopingproben Schwazers zwischen Anfang Jänner 2015 und Juli 2016 miteinander vergleichen. 

Die entsprechenden Gutachten müssen dann innerhalb 90 Tagen vorgelegt werden.

Die Anwälte der WADA hatten sich dafür stark gemacht, dass die Nachkontrolle im Speziallabor in Köln erfolgen solle, wo schon die erste Analyse stattfand. Richter Pelino hat dies allerdings abgelehnt und die WADA beauftragt, Schwazers Dopingprobe nach Parma zu bringen. 

Langer Weg zwischen Dopingprobe und positivem Ergebnis

Zur Erinnerung: Am 1. Jänner 2016 war Alex Schwazer zuhause in Kalch einer Dopingprobe unterzogen worden, die zunächst ein negatives Ergebnis brachte. Vier Monate später, am 12. Mai, wurde diese Probe auf Betreiben des Weltleichtathlethikverbandes IAAF ein weiteres Mal untersucht. Dass diese Nachkontrolle ein positives Ergebnis erbrachte, wurde erst mehr als einen Monat später, am 22. Juni, bekannt. Schwazer soll anabole Steroide zu sich genommen haben.

Nur wenige Tage zuvor hatte sich Alex Schwazer im ersten Wettkampf nach seiner Dopingsperre für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert. 

Der Geher aus Kalch hat sofort jedes Doping abgestritten. Er habe vor den Olympischen Spielen 2012 in London einen Fehler begangen, sich gedopt und sei dafür hart bestraft worden. Diesmal sei er aber schuldlos.

Statt Start in Rio 8 Jahre Sperre

In den folgenden Wochen bis zum Beginn der Spiele in Rio haben Schwazer, sein Trainer Sandro Donati und Verteidiger Gerhard Brandstätter alles versucht, um ein Startrecht in Rio zu erkämpfen. Doch vergebens. Die abschließende Anhörung - in Rio - vor dem Internationalen Sportsgerichtshof (CAS) brachte nicht die erhoffte Trendwende, sondern stattdessen eine achtjährige Sperre für Schwazer.

Schwazer und Brandstätter hatten damals angekündigt, auch nach dem verpassten Olympiastart alles daransetzen zu wollen, damit "die Wahrheit ans Licht kommt".

Verteidiger Brandstätter hatte sofort eine Eingabe bei der Bozner Staatsanwaltschaft gemacht. Staatsanwalt Giancarlo Bramante hat dann Schwazers Urinprobe im Rahmen eines internationalen Rechtshilfeersuchens im Labor in Köln beschlagnahmen lassen.

Und diese Urinproben werden nun erneut analysiert.

stol/rc

 
Verpassen Sie keine wichtigen Artikel mehrAktivieren Sie die Benachrichtigungen
AktivierenMehr Infos