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Artikel vom Mittwoch, 2. Mai 2018

Berg-Tragödie: Bozner Überlebender erzählt

Der aus Mailand stammende, in Bozen wohnhafte Architekt Tommaso Piccioli, hat das Drama in den Schweizer Alpen überlebt. Seine 3 Freunde aus Bozen sind, wie berichtet, während der Nacht erfroren. Am gestrigen Dienstag meldete sich Piccioli bei seinem Vater und schilderte die dramatischen Stunden und spricht von fatalen Fehlern.

Das Bild zeigt die Zone um den Pigne d'Arolla, wo die Tragödie geschah.

Das Bild zeigt die Zone um den Pigne d'Arolla, wo die Tragödie geschah. - Foto: APA/AFP

Insgesamt 14 Skitourengänger waren am Sonntag von der „Cabane des Dix“ auf 2928 Metern über Meer aus gestartet. Sie waren in zwei verschiedenen Gruppen unterwegs: einer Vierergruppe sowie einer Zehnergruppe mit einem Bergführer. Beide Gruppen wollten über die klassische Route „la Serpentine“ zur Hütte „des Vignettes“ auf 3157 Metern gelangen.

Dabei wurden sie im Gebiet des Pigne d'Arolla von dem Wettersturz überrascht. Sie kamen nicht mehr weiter und mussten die Nacht auf über 3000 Metern Höhe im Freien verbringen. Sie wurden am Montag in der Früh mit Helikoptern geborgen, nachdem der Hüttenwart von „des Vignettes“ Alarm geschlagen hatte.

3 Bozner tot

Für 6 Personen, darunter der Bergführer, der als erster auf der Suche nach der Hütte abstürzte, und die 3 Bozner Elisabetta Paolucci (44), Marcello Alberti (53) und Gabriella Bernardi (53), kam jede Hilfe zu spät. (STOL hat berichtet) Sie alle starben an Hypothermie, also Unterkühlung.

Von links: Marcello Alberti, Elisabetta Paolucci und Gabriella Bernardi überlebten die Nacht am Berg nicht. - Foto. Ansa

Tommaso Piccioli überlebte allein wegen seines eisernen Willens. Nach eigener Aussage wusste er, dass er sich nicht niedersetzten oder gar hinlegen darf. Niemals. Das wäre das sichere Ende.

Er versuchte auch die anderen, seine langjährigen Freunde, zu animieren, wach zu bleiben und sich warm zu halten. Doch irgendwann konzentrierte er sich nur noch auf sich. Musste er, wenn er nicht sterben wollte. Er bewegte sich unentwegt, kämpfte gegen die Kälte und gegen den Tod.

Der Überlebende Tommaso Piccioli. -Foto: Ansa

Gegenüber TG3 berichtet er, dass es im Laufe der Nacht öfters den Moment gab, in dem er aufgeben wollte. „Doch dann dachte ich an meine Frau“, sagte er. So habe er die Nacht irgendwie überstanden. „Bis zu dem Tag wusste ich nicht, was die Hölle ist. Jetzt weiß ich es.“

Was war passiert?

„Wir haben uns 4 oder 5 Mal verlaufen“, schildert Piccioli die Geschehnisse am Berg. „Ich habe die Gruppe dann angeführt, da ich der einzige mit einem funktionierenden GPS-Gerät war. Doch irgendwann ging es wegen der katastrophalen Sicht einfach nicht mehr weiter. Unmöglich.“

„Es sind viele Fehler passiert. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Und dann kam die Nacht. Wir haben uns auf einem ausgesetzten Sattel niedergelassen. Auch das war eine schlechte Entscheidung, man bleibt nie auf einem Sattel, wenn Sturm herrscht. Wir hätten an einem geschützteren Ort bleiben und uns dort einen Unterschlupf graben sollen.“

Das Schlimmste an der ganzen Tragödie: Die rettende Hütte wäre nur ein paar hundert Meter entfernt gewesen.

stol/vs

Roberto Bravi, Bozen

"Das Schlimmste an der ganzen Tragödie: Die rettende Hütte wäre nur ein paar hundert Meter entfernt gewesen."...ein paar hundert Meter sind am Berg niemals wenig.

02.05.2018 11:08 Uhr

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1 Kommentar

 

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