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Artikel vom Montag, 17. Juni 2019

Frau im Haus vom Blitz getroffen – Experte: „Höchst selten“

Am Sonntagnachmittag wurde eine 69-jährige Frau auf einem Hof oberhalb von Sand in Taufers laut eigener Aussage aus einer Steckdose vom Blitz getroffen. Ist so ein Blitzeinschlag aus der Steckdose überhaupt möglich? STOL hat bei einem Experten nachgefragt.

Dass sich ein Blitz über eine Steckdose entlädt ist möglich, aber äußerst selten. - Foto: Shutterstock

Dass sich ein Blitz über eine Steckdose entlädt ist möglich, aber äußerst selten. - Foto: Shutterstock

Gegen 15 Uhr soll auf einem Hof oberhalb von Sand in Taufers der Blitz eingeschlagen haben und durch eine Steckdose ausgetreten sein. Dabei habe dieser Blitz sie getroffen, erklärte die Frau den Rettern. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber Pelikan 2 ins Brunecker Krankenhaus gebracht, da auch Stunden später noch Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Aber ist so ein Blitzschlag durch die Steckdose überhaupt möglich?

„Grundsätzlich schon, allerdings ist es äußerst unwahrscheinlich. Am naheliegendsten ist es, dass der Hof keinen Blitzableiter hat und so der Blitz direkt ins Haus eingeschlagen ist, erklärt Fachmann Mirko Haller des Eppaner Unternehmens Elektro Haller gegenüber STOL.

Ein direkter Blitzeinschlag bei einem Gebäude ohne Blitzableiter habe eine solche Wucht, dass Kabel aus den Steckdosen und Geräten gerissen würden. Es sei nicht die Steckdose, die elektrisiert, sondern die Kraft des Blitzes, der die gesamte Wohnung und die Wände durchwandere und dabei ins Haus eindringe.

Auch ein indirekter Blitzeinschlag wäre eine mögliche Erklärung für den Vorfall im Pustertal, so Haller weiter. Dabei sei es möglich, dass der Blitz durch die Steckdose austritt.

„Der Blitz schlägt nicht direkt im Haus ein, sondern im Erdreich in nächster Nähe. Dann kann es sein, dass er sich über die Steckdose entlädt. Es ist daher möglich, aber sehr unwahrscheinlich, dass die Frau beim Einstecken eines Gerätes einen indirekten Einschlag erhalten hat“, sagt der Fachmann.

Vorbeugen mit Blitzableiter und Überspannungsableiter

Ein Blitzableiter sei notwendig, um Vorfälle dieser Art zu verhindern. Hat das Haus einen Blitzableiter, kann der Blitz nicht ins Innere gelangen, da der Blitz vom Haus weggeführt und abgeleitet wird.

Um einen indirekten Blitzeinschlag zu verhindern, rät Haller zu einem Überspannungsableiter. Dieser müsse beim Hauseingang positioniert werden und leite den Strom ab, bevor er ins Haus eindringt.

Peterlin: „Blitze mit bis zu 200.000 Ampere“

„Ein Blitz entsteht in einer Gewitterwolke. Dort kommt es zu einer Ladungstrennung der positiven und negativen Teilchen. Je größer die Wolke, desto größer die Ladungstrennung. Es entsteht eine Spannung in der Wolke, die durch einen Blitz ausgeglichen wird“, erklärt Landesmeteorologe Dieter Peterlin.

 „Ein Blitz schlägt mit einer Stromstärke von 100.000 bis 200.000 Ampere ein. Bei einer Blitzentladung wärmt sich die Luft rund um den Blitz auf bis zu 30.000 Grad Celsius auf. Ob ein Blitz tödlich ist, hängt davon ab, wie man getroffen wird, ob er die Person streift, abgelenkt wird oder durchgeht. Nicht jeder Blitzeinschlag ist tödlich“, sagt Peterlin.

Nur eine handvoll Südtiroler jährlich vom Blitz getroffen

Die Anzahl von Personen in Südtirol, die pro Jahr vom Blitz getroffen werden, befinde sich im einstelligen Bereich. Dass man gar im Haus von einem Blitz getroffen werde, sei äußerst selten.

Allgemein sei man in einem Gebäude mit Blitzschutz sicher und man solle diese bei Gewittern aufsuchen, rät der Landesmeteorologe abschließend.

 stol/jno

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