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Artikel vom Freitag, 14. Dezember 2018

Gammelfleisch-Alarm in Bozen

Eine Firma aus Verona soll Etiketten für Fleisch, das für Kinder, Senioren und Behinderte gekocht wurde, ausgetauscht und somit die Haltbarkeit „verlängert“ haben. Die Firma, welche vor allem Mensen in Bozen belieferte, wurde beschlagnahmt, 6 Personen landeten im Ermittlungsregister. Dies berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ am Freitag.

Die Etiketten sollen ausgetauscht worden sein, um die Haltbarkeit zu „verlängern“ (Symbolfoto)

Die Etiketten sollen ausgetauscht worden sein, um die Haltbarkeit zu „verlängern“ (Symbolfoto) - Foto: shutterstock

Konkret geht es um 1400 Essen am Tag, der Wert der Ausschreibung betrug 375.000 Euro. Die Firma belieferte die Küchen mit Fleisch- und Wurstwaren und Tiefkühlprodukten, welche für Seniorenwohnheime, Senioren-Tagespflegeheime, Behindertenmensen und Kleinkindbetreuungsstrukturen kochen. 

„Nachdem die Firma jetzt beschlagnahmt wurde, konnten wir uns zum Glück sehr schnell organisieren und haben neue einheimische Lieferanten gefunden“, sagte Liliana Di Fede, Generaldirektorin der Sozialbetriebe Bozen, am Donnerstag den „Dolomiten“ auf Anfrage. Die Zahlungen werden sofort eingestellt, die Sozialbetriebe werden die Lieferungen indes an den besten Anbieter vergeben und sich dann beim Wettbewerbsgewinner der Landesausschreibung, die im Frühjahr abgeschlossen sein sollte, mit Fleisch- und Wurstwaren und Tiefkühlprodukten eindecken. Die Konsequenzen der Bozner Ermittlungen treffen auch zahlreiche andere Mensen in Oberitalien, vor allem im Triveneto.

Etiketten wurden entfernt und Verfallsdatum verlängert

Die Ermittlungen begannen, weil einem Bereichsverantwortlichen der Sozialbetriebe aufgefallen war, dass die bestellten Mengen mit den gelieferten nicht übereinstimmten. Wie die NAS-Ermittler dann herausfanden, war dieser Teil des mutmaßlichen Betrugs kaum relevant – es dürfte um etwa 1000 Euro Schaden gehen. Weitaus schlimmer sei, so stellten die Ermittler fest, dass sich die Entscheidungsträger der Firma mit Sitz in Colognola ai Colli (Provinz Verona) mit Lieferanten abgesprochen haben sollen. So sollen sie unter anderem Fleisch, das kurz vor dem Verfallsdatum stand, um Niedrigstpreise angekauft haben, die Etiketten entfernt und durch neue mit längerem Verfallsdatum – angeblich auch 2 Monate über das wirkliche hinaus – ersetzt haben.

Auch soll Fleisch aus dem Ausland als italienisches geliefert worden sein. Das sind alles Vorwürfe, die schwer wiegen. Vor allem der Verdacht der Neu-Etikettierung veranlasste die Staatsanwaltschaft Bozen, harte Vorbeugemaßnahmen zu beantragen: Sie forderte die Schließung und Beschlagnahme des Betriebs für ein Jahr. Eine Forderung, der Untersuchungsrichter Walter Pelino nachkam. Zudem ordnete er an, dass die Personen, gegen die ermittelt wird, keine Führungsaufgaben in irgendwelchen Firmen im Lebensmittelsektor übernehmen dürfen.

Im Ermittlungsregister landeten 6 Personen aus dem Veroneser Ort, alles Mitglieder derselben Unternehmerfamilie. Gegen die Chefin des Unternehmens und weitere 2 Personen wird wegen krimineller Bandenbildung zum Zweck des Handelsbetrugs ermittelt, gegen weitere 3 wird wegen Beihilfe zum Handelsbetrug ermittelt.

„Lieber auf lokale Anbieter setzen“

Der Vorfall schlägt große Wellen und stößt auf reichlich Kritik. Schließlich gelangt die Lieferung der Nahrungsmittel meist doch zum ahnungslosen Endkunden, da die Waren nicht immer von Fachpersonal überprüft werden können.

„Egal ob privat oder öffentlich: Seriöse Angebote dürfen zu keinen derartigen Vorfällen führen“, erklärt Kurt Leggeri, Obmann der Metzger im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister. Leider passiert es auch in Südtirol immer wieder bei öffentlichen Ausschreibungen, dass die Qualität ein Opfer des Preisangebotes wird. „Man darf sich dann allerdings nicht wundern, dass solche Ereignisse eintreten“, unterstreicht Leggeri.

„Die Berufsgemeinschaft der Metzger verurteilt diese Praxis auf das Schärfste, da den Metzgern hierzulande vor allem die Qualität der Produkte sehr wichtig ist.“  Es sei generell wichtig, auf die lokale Produktion zu setzten und weite Transportwege zu verhindern.

D/uli/stol

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