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Artikel vom Dienstag, 15. Mai 2018

Marmorierte Baumwanze: Sichtungen melden

Die Marmorierte Baumwanze ist ein invasiver Schädling, der seit 2016 in Südtirol beobachtet wird und unter anderem Stein-, Kern- und Beerenobst sowie Gemüse befällt. Experten des Versuchszentrums Laimburg überwachen den Schädling und untersuchen dessen Populationsentwicklung und Schadpotenzial. Das Versuchszentrum Laimburg bittet die Bevölkerung darum, Sichtungen der Baumwanze zu melden.

Marmorierte Baumwanze. - Foto: © Versuchszentrum Laimburg

Marmorierte Baumwanze. - Foto: © Versuchszentrum Laimburg

Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ist ein aus Asien stammender Schädling, der an Laub und Früchten saugt. Das Insekt hat ein breites Nahrungsspektrum: Unter den über 200 weltweit bekannten Wirtspflanzen befinden sich viele wichtige Kulturpflanzen wie Stein-, Kern- und Beerenobst, Gemüse, Mais oder Soja. Über Transportgüter konnte sich die Wanze in den letzten Jahren in Nordamerika und in diverse europäische Ländern verbreiten und dort festsetzen.

Rasche Ausbreitung in Norditalien

Die Populationsentwicklung der Wanze ist von klimatischen Bedingungen und dem Nahrungsangebot abhängig. Dadurch ergeben sich regionale Unterschiede: In der Schweiz, wo der Schädling im Jahr 2004 zum ersten Mal in Europa nachgewiesen wurde, hat sich das Tier nur langsam ausgebreitet, Schäden an Früchten wurden bisher nur vereinzelt wahrgenommen.

In Norditalien, wo die Wanze 2012 zum ersten Mal nachgewiesen wurde, hat sie sich hingegen rasch ausgebreitet und einen starken Populationszuwachs erfahren. Seit 2014 wurden in den betroffenen Regionen Norditaliens massive Schäden an den verschiedensten Kulturpflanzen wie zum Beispiel Birnen, Pfirsiche, Äpfel, Haselnuss, Mais und Soja gemeldet. Aufgrund ihres Verhaltens gilt die Marmorierte Baumwanze nicht nur als Schädling, sondern auch als „Lästling“: Um die Wintermonate zu überdauern, suchen die Wanzen meist in Gruppen Unterschlupf in Häusern. Die Tiere sind für den Menschen zwar gesundheitlich unbedenklich, können aber einen unangenehmen Geruch verströmen, wenn sie gestört werden.

Gemeinsames Monitoringprogramm

Seit 2016 ist die Wanze auch in Südtirol zu beobachten. Zusammen mit dem Pflanzenschutzdienst Bozen, dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau und dem Beratungsring Berglandwirtschaft BRING überwacht das Versuchszentrum Laimburg die Ausbreitung des Schädlings in einem gemeinsamen Monitoringprogramm. Dabei kommen vor allem mit Pheromonen bestückte Fallen zum Einsatz, welche die Baumwanze anlocken sollen. Im Jahr 2017 wurden an 16 von insgesamt 41 Fallenstandorten nur vereinzelte Exemplare gefangen; an zwei Standorten um Lana und einem Standort im Unterland waren zahlreichere Fänge zu verzeichnen.

Wie erkenne ich eine Marmorierte Baumwanze?

Erwachsene Tiere sind bräunlich oder gräulich marmoriert und erreichen eine Länge von 12 bis 17 mm. Die letzten Fühlerglieder tragen ein charakteristisches weißes Band. Der Hinterleib ist mit einem schwarz-weißem Saum umrandet. Typisch für die Marmorierten Baumwanzen ist eine Reihe von vier bis fünf hellen Punkten hinter dem Halsschild. Die transparente Flügeldecke ist mit Strichen durchzogen. Der Kopf ist vorne flach abgerundet und weist zwei leichte Ecken auf.

- Foto: © Versuchszentrum Laimburg

Typische Erkennungsmerkmale der Marmorierten Baumwanze.

  • (1)   Helle Punkte auf dem Halsschild
  • (2)   Striche auf der transparenten Flügeldecke
  • (3)   Vorne flach abgerundeter Kopf
  • (4)   Weißes Band auf den letzten Fühlergliedern

Auf den ersten Blick ähnelt die Marmorierte Baumwanze sehr stark der heimischen Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa), die sich von der Baumwanze jedoch durch die schwarzen Punkte an der Flügeldecke und an der Unterseite unterscheidet. Im Unterschied zur Baumwanze besitzt die Graue Gartenwanze an der Unterseite einen Dornfortsatz.Die Larven der Marmorierten Baumwanze tragen Dornen am Vorderrand des Brustschildes und seitlich am Kopf. Die Vorderbeine weisen weißen Streifen auf.

Die Marmorierte Baumwanze (links) und die Graue Gartenwanze (rechts) im Vergleich. - Foto: © Versuchszentrum Laimburg

Graue Gartenwanze:

  • (1)   Dornfortsatz
  • (2)   Schwarze Punkte an Flügeldecke und Unterseite

Aufruf an die Bevölkerung: Sichtungen der Baumwanze melden

Aktuell befindet sich Südtirol in der Anfangsphase der Ansiedlung des Schädlings. In den nächsten Monaten sollte auf die Präsenz der Wanze insbesondere in Hecken, Haus-  und Gemüsegärten geachtet werden. Um die effektive Ausbreitung der Wanze auf Landesebene zu erkennen, ist die Mitwirkung der Bevölkerung wichtig. Das Versuchszentrum Laimburg bittet darum die Bevölkerung, Sichtungen von Baumwanzen zu melden. In Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzdienst hat das Versuchszentrum Laimburg ein Datenblatt mit den Erkennungsmerkmalen der Wanze sowie ein Formular zur Meldung von Verdachtsfällen vorbereitet, das unter http://bit.ly/baumwanze verfügbar ist.

Wer eine Marmorierte Baumwanze gesichtet hat, melde sich bitte beim Institut für Pflanzengesundheit des Versuchszentrums Laimburg: [email protected]

Versuche zu Populationsentwicklung und Schadpotenzial

Um im Falle einer Ausbreitung zielgerichtete Regulierungsmaßnahmen entwickeln zu können, müssen die Experten mehr über die Biologie der Marmorierten Baumwanze herausfinden. Neben dem Monitoring führt das Versuchszentrum Laimburg darum verschiedene Versuche durch, um die Populationsentwicklung in Südtirol zu untersuchen und abzuklären, welches Schadpotenzial der Schädling auf die in Südtirol angebauten Kulturpflanzen hat. Dazu werden unter anderem gesammelte Tiere in Käfigen unter Freilandbedingungen gehalten, der Zeitpunkt der Eiablagen festgestellt und die Dauer ihrer Entwicklung zum Adulttier beobachtet.

Durch die Wanze verursachte Schäden an einem Apfel. - Foto: © Versuchszentrum Laimburg

„In diesen Versuchen geht es uns darum zu verstehen, ob eine zweite Baumwanzen-Generation bei uns möglich ist und, wenn ja, wann diese auftreten wird“, erklärt Stefanie Fischnaller vom Versuchszentrum Laimburg. „Wenn mehrere Generationen möglich sind, ist mit größeren Schäden zu rechnen.“ Weitere Untersuchungen zielen darauf ab, die Schadensbildung auf Früchten, die durch die Saugtätigkeit der Wanze zustande kommt, zu dokumentieren, um das Schadverhalten zu erforschen.

stol

 

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