Startseite » Chronik im Überblick » Lokal

Artikel vom Samstag, 16. Februar 2019

Postbote: „Viele von uns werden nun hinschmeißen“

Die Missstände bei der Post sind in aller Munde, „Schneckenpost“ liest man in den Schlagzeilen und so mancher Briefträger muss Schimpf und Schande über sich ergehen lassen. Wie sich ein Briefträger dabei fühlt und welche Folgen die Neuerungen im Postwesen aus dessen Sicht mitbringen, hat A. D. dem Tagblatt „Dolomiten“ geschrieben.

Auf die Postboten kommen harte Zeiten zu. (Symbolbild)

Auf die Postboten kommen harte Zeiten zu. (Symbolbild)

Arbeitszeiten

Den Postboten wurden neue Zonen zugeteilt: „Businesszonen“ oder „Makrozonen“. Briefträger, die einer Makrozone zugeteilt wurden, arbeiten nun von 8.30 Uhr bis 16 Uhr bei einer 5-Tage-Woche, in Businesszonen arbeitet man künftig von 9 bis 15 Uhr bei einer 6-Tage-Woche. Da die Briefträger teilweise die Post selbst sortieren müssen bedeutet das, dass sie erst um 10.30/11Uhr mit der Verteilung beginnen können.

„Auf Mütter mit Kindern oder Postboten, die einer weiteren Tätigkeit am Nachmittag oder am Wochenende nachgehen (um das bescheidene Gehalt aufzubessern), wurde hier keine Rücksicht genommen“, ärgert sich A. D..

Auch sei nicht berücksichtigt worden, dass viele Geschäfte und Büros um 12 Uhr schließen. Barbetriebe und Restaurants erhalten die Zeitung mit dieser Zeiteinteilung erst nachmittags, „wobei der Berufsverkehr die Arbeit zusätzlich erschwert. Schon in wenigen Monaten kommt der große Urlaubsverkehr hinzu, am späten Vormittag kommt man dann nur noch schwer voran“, weiß A. D..

Neuaufteilung der Zonen

Die Zonen wurden neu aufgeteilt und nach Rangordnung neu vergeben; damit haben viele Briefträger ihre langjährigen fixen Zonen verloren und müssen nun neue einlernen, eine Hilfestellung gibt es dabei nicht. Man solle sich mit Google Maps behelfen, wurde manchen Betroffenen nahegelegt. Auch die Beschriftungen der Arbeitsschränke, in welche die Post einsortiert wird, „musste jeder für sich irgendwie 'zusammenbasteln'. Bei Hunderten von Adressen und ohne Hilfe eine mehrtägige Arbeit. Glücklich aber noch, wem ein Schrank zugeteilt wurde: Mitarbeiter in Businesszonen müssen nämlich ohne auskommen und sehen, wie und wo sie alles sortieren und vorbereiten können – und notfalls mit dem Fußboden vorliebnehmen.Verspätungen und Chaos sind hier vorprogrammiert“, ärgert sich A. D..

Urlaube/Krankenstände

Briefträger hätten teilweise 3 und mehr Monate offenen Urlaub, welcher nicht beansprucht werden könne, „weil dauernd Personal fehlt. Gesuche werden entweder abgelehnt oder gar nicht erst beantwortet.“ Schon um einzelne Urlaubstage müsse man betteln, wobei man erst im allerletzten Moment eine Antwort erhalte. „Eine längerfristige Urlaubsplanung ist damit nicht möglich und Frühbucher riskieren, auf geleisteten Anzahlungen sitzen zu bleiben“, weiß der Briefträger. Vor Urlaubsantritt wird dem Mitarbeiter deutlich gesagt, dass kein Ersatz organisiert wird und die gesamte Post in der Zwischenzeit liegen bleibt. Die Zonen von Personen im Krankenstand würden auf die anderen Briefträger verteilt: „also noch mehr Stress und körperliche Belastung“. „Die seltenen Aushilfen werden von anderen Regionen geschickt, sprechen vielfach kein Wort Deutsch und kennen natürlich auch die Zonen und Adressen nicht“, schreibt A. D..

Arbeitsaufteilung

Wer muss Zeitschriften, Pakete, eingeschriebene Briefe usw. an welchen Tagen von welcher Zone mitnehmen? Alles sei hier verkompliziert und unlogisch geworden. „Vielfach kommt es nun vor, dass zur selben Adresse am selben Tag 2 Postboten fahren müssen: einer bringt einen Brief und der nächste die Zeitung hinterher. Dies sind unsinnige Doppelwege, Zeitverlust und Mehrkosten für die Fahrzeuge“, ärgert sich A. D..

„Viele Mitarbeiter werden nun in Frühpension gehen, viele werden ihre Arbeit hinschmeißen und bei diesen Negativschlagzeilen wird sich so schnell kein neues einheimisches Personal mehr finden“, sagt der Briefträger voraus.

*Initialen von der Redaktion geändert.

D

Elmar Thaler, Tramin

Verein auflösen und neu organisieren. Den faulen, stinkenen Fischkopf enfernen.

18.02.2019 11:00 Uhr

Melden

Maier Rudi, Völs am Schlern

Bei der Post funktioniert es seit Jahrzehnten nicht annähernd wie im benachbartem Ausland, dort sollte die Chefetage mal einige Monate einen Weiterbildungskurs besuchen! Schweiz - Österreich wäre mal so ein Beispiel. Denn ich glaube, nicht die Chefetage sollte sich Gedanken machen, sonder über die Chefetage sollte man sich mal Gedanken machen !

16.02.2019 12:59 Uhr

Melden

2 Kommentare

 

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite

zur Startseite Nicht mehr anzeigen
Verpassen Sie keine wichtigen Artikel mehrAktivieren Sie die Benachrichtigungen
AktivierenMehr Infos