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Artikel vom Samstag, 25. Mai 2019

Schneeräumung: Und täglich grüßen Pflug und Fräse

Der Job als Straßenwärter hat es in sich – besonders in diesem Jahr. Denn während im Tal bereits alles blüht und sprießt, kämpfen die Männer des Landesstraßendienstes auf den höher gelegenen Straßen nach wie vor gegen den Schnee. Wieder soll es laut Landeswetterdienst nämlich in den kommenden Tagen auf Südtirols Bergen schneien. Für die Männer vom Landesstraßendienst heißt es dann, schon wieder von vorn anfangen.

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Auch am Timmelsjoch wird noch geräumt. - Archivbild

Auch am Timmelsjoch wird noch geräumt. - Archivbild - Foto: LPA

Zumindest auf den Straßen, die sich über unzählige Kehren aufs Timmels- und aufs Stilfser Joch hinaufwinden. „Alle anderen Pässe haben wir inzwischen geräumt und für den Verkehr freigegeben“, sagt Philipp Sicher, Direktor der Abteilung Straßendienst des Landes.

Auf die Hilfe des Wetters können die Straßenwärter heuer bislang allerdings nicht zählen. Denn während in anderen Jahren die Schneeschmelze kräftig mitgeholfen hat, die Passstraßen frei zu bekommen, war das heuer bislang kaum der Fall. Zudem kommen Woche für Woche ein paar Zentimeter Neuschnee dazu. „Und wir können wieder von unten anfangen mit der Schneeräumung“, sagt Sicher.

Dauerschnee im Norden, Chaos-Tage im Süden

Dennoch blickt er zusammen mit seinen 470 Straßenwärtern auf einen „relativ normalen“ Winter zurück – auch wenn dieser ein zweigeteiltes Gesicht hatte. „Im Norden, am Alpenhauptkamm hatten wir aufgrund der häufigen und teils sehr ergiebigen Schneefälle den ganzen Winter über sehr intensiv zu tun“, sagt Sicher. Im restlichen Land sind die Straßen großteils schneefrei geblieben sind. Sehr lange zumindest.

Auch von den Kosten her war es für den Landesstraßendienst ein durchschnittlicher Winter. Mit knappen 6 Millionen Euro schlug der Winterdienst auf Südtirols Straßen in den Landeskassen zu Buche. „Bis auf den Ausnahmewinter 2013/14, der uns 8 Millionen Euro gekostet hat, ist das so die Norm“, sagt Sicher.

Angestiegen seien laut Sicher hingegen die Ansprüche, die die Verkehrsteilnehmer an den Straßendienst stellen. „Aber ich kann da nur immer wiederholen: Ziel des Winterdienstes ist es, die Befahrbarkeit der Straße bei Schneefall in Sicherheit zu gewährleisten. Die Befahrbarkeit der Straße bedeutet nicht Schwarzräumung“, sagt er.

Vor allem am Ausnahme-Wochenende Anfang Februar, an dem es innerhalb von 3 Tagen so viel schneite, wie normalerweise in 2 Monaten zusammengenommen, hagelte es mancherorts Proteste. Dabei habe es laut Sicher an jenen Tagen kaum größere Probleme gegeben. „Einzig auf der Töll gab es aufgrund einzelner stecken gebliebener Lkw kurzzeitig Schwierigkeiten“, so der Amtsdirektor. „Das Problem in solchen Fällen ist immer dasselbe: Da wir keine Blaulicht-Organisation sind, stehen unsere Leute mit den Räumfahrzeugen in solchen Situationen gleich im Stau wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch.“

Doch der Winterdienst, den Sichers Männer durchführen, beschränkt sich nicht nur aufs Schneeräumen. „Dazu gehören auch die regelmäßigen Kontrollfahrten bei denen an neuralgischen Punkten Salz gestreut wird“, erklärt der Abteilungsdirektor. Und genau dabei zeige sich, wie wichtig der Faktor Mensch nach wie vor ist. Zwar seien inzwischen 106 der Räumfahrzeuge mit computergesteuerten Streuvorrichtungen ausgestattet, die die Salzstreuung automatisch steuern. „Aber die Straßenwärter sind es, die dank ihrer Erfahrung ganz genau wissen, wo und auf welchem Straßenabschnitt die Gefahrenstellen liegen, wo sie Salz streuen müssen, wo sie bei der Schneeräumung wie mit dem Pflug fahren müssen, um nicht stecken zu bleiben, wo beim Räumen Einfahrten berücksichtigt werden müssen“, sagt Sicher. Diese Erfahrungswerte könne keine Maschine ausgleichen.

Nach dem Winter werden die Schäden ausgebessert

Während auf den Passstraßen noch die Räumfahrzeuge im Einsatz sind, versucht man im Tal bereits, die Schäden zu beseitigen, die der Winterdienst unausweichlich in den Asphaltdecken hinterlassen hat. Eines der Dauersorgenkinder ist dabei die SS 621. Jahr für Jahr rufen die unzähligen Schlaglöcher in der Straße, die ins Tauferer Ahrntal führt, gegen Ende des Winters die Kritiker auf den Plan.

„Wir haben hier heuer schon einige Abschnitte neu geteert“, weiß Sicher um das Problem. Die Straße sei aber – so wie viele andere im Land – vor über 30 Jahren gebaut worden und bedürfe eigentlich einer Grundsanierung. „Das Problem ist, dass hier das Zeitfenster, in dem wir Arbeiten durchführen können, sehr eng ist“, sagt er. Denn während anderswo im Land schon seit Wochen neu asphaltiert wird, ist das in höheren Lagen eben nicht möglich. Und zur Ferienzeit im Sommer können an den viel befahrenen Straßen sowieso keine größeren Arbeiten durchgeführt werden. „Für die Behebung von Winterschäden einfach mal für 4 Wochen die Pustertaler Straße komplett zu sperren, wäre bei uns undenkbar“, sagt Sicher. In Nordtirol habe man damit anscheinend weniger Probleme.

D/em

 

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