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Artikel vom Samstag, 10. November 2018

Schwazer: Eingabe wegen „Komplott“-Mails

Seit Freitag ist der Doping-Krimi um Alex Schwazer um eine brisante Facette reicher. Die Verteidigung macht eine neue Eingabe bei der Staatsanwaltschaft. Geklärt werden soll, was es mit den E-Mails auf sich hat, in denen von einem „Komplott“ die Rede ist, wer dahinter steckt und ob sie einen Straftatbestand darstellen.

Rätselhafte Mails im Fall Alex Schwazer. Symbolfoto

Rätselhafte Mails im Fall Alex Schwazer. Symbolfoto - Foto: shutterstock

Aufgetaucht war der Schriftverkehr in der Verhandlung von Mitte September, bei der Schwazer selbst – im Gegensatz zu gestern – anwesend war. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Gerhard Brandstätter, legte Auszüge aus 4 E-Mails vor, die auf einer Hacker-Seite veröffentlicht worden waren. Als Absender bzw. Empfänger scheinen Spitzenvertreter des Welt-Leichtathletikverbandes auf: IAAF-Rechtsberater Ross Wenzel und IAAF-Antidoping-Manager Thomas Capdevielle.

Ob die E-Mails wirklich von ihnen verfasst wurden oder ob es Fälschungen sind, ist einer der Punkte, den die Verteidigung geklärt haben möchte. Deshalb ist die Eingabe vorerst gegen Unbekannt.

Brisant ist der Inhalt der E-Mails jedenfalls: Wie aus dem Schriftverkehr vom 20. Februar 2017, in dem es um das WADA-Labor in Köln geht, heißt, „würde es helfen, wenn sie bereit wären, unsere Position in gewissem Maß zu stützen“. In einem Folge-E-Mail ist explizit von einem „Komplott gegen AS“ die Rede. Zugleich wird die Frage aufgeworfen, ob sich die Labor-Verantwortlichen bewusst sind, dass sie „Teil des Komplotts“ seien und welche Konsequenzen das für sie haben könnte.

Die IAAF-Rechtsvertreter im Gerichtssaal hatten die Verletzung der Privacy durch die Veröffentlichung der E-Mails beklagt, Richter Walter Pelino ließ die Dokumente als Beweismittel zu. Zugleich werden sie jetzt Gegenstand von neuen Erhebungen infolge der Eingabe sein.

Sollte sich dabei herausstellen, dass Alex Schwazer wirklich – wie die Verteidigung überzeugt ist – Opfer einer gezielten Verschwörung in höchsten Leichtathletik-Kreisen wurde, würde sich dies natürlich auch auf das laufende Doping-Verdachtsverfahren auswirken, in dem derzeit vor allem auf die Erkenntnisse der Spurensicherer gesetzt wird.

Gestern hat Richter Pelino RIS-Chef Oberst Giampietro Lago Zeit bis zum 28. Juni kommenden Jahres für das erweiterte DNA-Gutachten eingeräumt.

Lago wird alle oder einen relevanten Teil der Urin-Proben der 100 Freiwilligen, die für einen Vergleichs-Test mit Schwazers DNA-Untersuchung herangezogen worden waren (wir berichteten), erneut aufgrund gezielter Parameter und mit neuesten Methoden unter die Lupe nehmen. Geklärt werden soll, wie schnell bzw. in welchen Abständen sich die DNA-Konzentration im Urin abbaut (auch durch wiederholtes Einfrieren und Auftauen der Probe), und welcher Wert als „normal“ anzusehen ist.

Bekanntlich wurde bisher kein klarer Beweis gefunden, wonach Schwazers Urin-Proben manipuliert wurden, ungeklärt geblieben sind aber etliche Ungereimtheiten. Die DNA-Dichte zwischen Schwazers A-Probe und B-Probe weicht laut bisherigen RIS-Erkenntnissen nicht nur stark voneinander ab, sondern ist auch mit 2501 Nanogramm pro Mikroliter sehr hoch – und das ganze 2 Jahre nach Abgabe der Probe. Rechtsanwalt Brandstätter sicherte gestern zu, dass Alex Schwazer selbstverständlich bereit sei, in Parma weitere Urin-Proben für eine spezifische Studie zu seinem derzeitigen DNA-Wert (auch hier unter Berücksichtigung des möglichen Abbaus im Laufe der Zeit) abzugeben. Der Richter erweiterte das Gutachten um diesen Test, um, wie er selbst erklärte, alle Möglichkeiten, relevante Informationen zu erlangen, auszuschöpfen. Innerhalb der gesetzten Frist wird Oberst Lago die Analysen und Untersuchungen abgeschlossen haben und seine Expertise einreichen. Die Gutachter aller Prozessparteien sind auch weiterhin in die Erhebungen eingebunden.

In der Verhandlung am 5. Juli wird Lago dem Richter das Ergebnis erläutern. Damit ist dann das Beweissicherungsverfahren abgeschlossen: Der Richter hat gestern klargestellt, dass er keine zusätzlichen Untersuchungen mehr anordnen werde.

D/rc

 

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