Startseite » Chronik im Überblick » Lokal

Artikel vom Donnerstag, 16. Mai 2019

Sepp Innerhofer ist tot

Im Alter von 91 Jahren ist Sepp Innerhofer, Gojenbauer in Schenna, Freiheitskämpfer und Träger des Tiroler Verdienstkreuzes, gestorben.

Sepp Innerhofer bei seinem Interview mit dem Tagblatt „Dolomiten“ im April 2018.

Sepp Innerhofer bei seinem Interview mit dem Tagblatt „Dolomiten“ im April 2018. - Foto: D

Der ehemaligen Südtirol-Attentäter Sepp Innenhofer aus Schenna ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Hier im Bild (ganz links) auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung in Mailand.

Der ehemaligen Südtirol-Attentäter Sepp Innenhofer aus Schenna ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Hier im Bild (ganz links) auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung in Mailand. - Foto: D

Er war das letzte noch lebende Gründungsmitglied des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS), so der Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB) Roland Lang. In der Nacht auf den 30. Jänner 1960 sprengte er zusammen mit Kurt Welser, Heinrich Klier, und Martl Koch ein besonders verhasstes Symbol faschistischer Herrschaft, das damals immer noch bestehende Reiterstandbild des „Duce“ vor dem Kraftwerk in Waidbruck.

Nach den Anschlägen der Herz-Jesu-Nacht des Jahres 1961 auf Strommasten wurde er verhaftet und in der Carabinierikaserne in Eppan schwer gefoltert. In einem aus dem Gefängnis herausgeschmuggelten Brief an Landeshauptmann Dr. Magnago schilderte Innerhofer am 22. September 1961 die erlittenen Misshandlungen: Stehen vor einer Glühlampe direkt vor dem Gesicht – Faustschläge und Schläge mit Gewehrriemen und Gewehrkolben ins Gesicht und auf den nackten Körper – ein Zahn ausgeschlagen – ohne Essen und Trinken 24 Stunden im Keller – neuerliche Misshandlungen an den Geschlechtsteilen – Bewusstlosigkeit – zuletzt Unterschrift unter ein vorgelegtes „Geständnisprotokoll“, ohne dieses gelesen zu haben. Magnago reagierte nicht auf diesen Brief.

3 Jahre Gefängnis, 35 Jahre keine Bürgerrechte

Sepp Innerhofer saß 3 Jahre im Gefängnis und hatte nach seiner Entlassung 35 Jahre lang keine Bürgerrechte. Er durfte keinen Besitz haben, keine öffentlichen Ämter bekleiden und musste sich regelmäßig bei den Carabinieri melden.. Erst im Jahre 2000 durfte er wieder sein Wahlrecht ausüben.

Innerhofer trat stets öffentlich für das Recht auf Selbstbestimmung ein und hielt noch im hohen Alter zahlreiche Vorträge an Schulen und auf Abendveranstaltungen. Damit erfüllte er im Dienste der Wahrheit eine Aufgabe, welche von der Landespolitik nicht wahrgenommen wurde. Innerhofer berichtete den Schülern über den Faschismus, die Katakombenschule, die aufgezwungene Option von 1939, den Pariser Vertrag, die Gründung des BAS, die Anschläge der Feuernacht, die Verhaftungswelle, die schrecklichen Folterungen und die Gerichtsverhandlungen in Mailand. Am 20. April 2018 hatte die Tageszeitung „Dolomiten“ ein ausführliches Interview mit dem Freiheitskämpfer gebracht und diesen damit gewürdigt.

Südtiroler Volkspartei gedenkt Sepp Innerhofer

Die große Gemeinschaft der Südtiroler Volkspartei gedenkt Sepp Innerhofer, der vergangene Nacht verstorben ist: „Sepp Innerhofer hat bis zuletzt seine Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse an die jungen Menschen weitergegeben. Er war geprägt durch das Erleben im Faschismus, Nationalsozialismus, Option und das Gefühl der Entheimatung und wusste eines: Der Einsatz muss der Heimat und den Menschen dienen“, so SVP-Obmann Philipp Achammer. Eine Mahnung habe Innerhofer immer wieder ausgesprochen: „Dass der Frieden in unserem Land bewahrt werden muss.“

Sepp Innerhofer war in verschiedenen Funktionen im Bauernbund, im Fremdenverkehrsbereich und in der Weiterbildung tätig. Im Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) gehörte er der engen Gemeinschaft um Sepp Kerschbaumer an. Der Einsatz von Sepp Innerhofer galt dem Erreichen einer gerechten Selbstregierung in unserer Heimat. Dafür zählte der Unbeugsame, der auch unter Folter keine Namen nannte, einen hohen Preis. Das machte ihn nicht verbittert; wenn ihn etwas besonders traf, dann war es, als man seine Frau versuchte gegen ihn bei den Verhören zu benutzen und als Menschen ihm Achtung versagten.

Martha Stocker, eine gute Bekannte von Sepp Innerhofer erinnert sich: „Er war ein unermüdlicher Mahner im Wertschätzen dessen, was erreicht worden ist und in der Verantwortung, wie wir damit umzugehen haben. Er mahnte auch immer das Zusammenhalten an, das für eine Volksgruppe, will sie überleben, von besonderer Wichtigkeit ist. Wer seine überzeugende Kraft erlebt hat, wer wie ich mit ihm oft zur Darlegung der Südtirol Geschichte und Autonomie unterwegs war, weiß wie sehr wir seine mahnende Stimme vermissen werden.“

Süd-Tiroler Freiheit kondoliert

Auch die Landesleitung und der Hauptausschuss der Bewegung Süd-Tiroler Freiheit sprechen anlässlich des Todes des Freiheitskämpfers Sepp Innerhofer den Angehörigen ihr Beileid aus. Sepp Innerhofer habe gegen die Auslöschungspolitik angekämpft und wie seine politischen Mithäftlinge der 1960er Jahre die ganze Härte italienischer Zwangsgewalt erfahren und ertragen müssen. Danach habe er mit viel Fleiß die eigene und die Existenz seiner Familie wieder aufgebaut. Mit viel persönlichem Einsatz hat er dazu beigetragen, dass der Jugend Heimatliebe und Geschichtsbewusstsein vermittelt wurden, so die Süd-Tiroler Freiheit.

stol

Klaus Sacher, Maxhuette

Lieber Sepp, Ruhe in Frieden. Du hast viel für Südtirol getan.

16.05.2019 20:40 Uhr

Melden

16.05.2019 12:32 Uhr

Melden

2 Kommentare

Mehr Meldungen vom Bezirk

 

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite

zur Startseite Nicht mehr anzeigen
Verpassen Sie keine wichtigen Artikel mehrAktivieren Sie die Benachrichtigungen
AktivierenMehr Infos