Startseite » Kultur im Überblick » Bildung

Artikel vom Samstag, 8. Juni 2019

Wie der Kakaopreis Kinderarbeit verhindern könnte

Vor allem in Westafrika müssen Kinder bei der Kakaoernte helfen, denn die meist kleinen Farmen können sich keine erwachsenen Arbeiter leisten. Doch schon kleine Preisaufschläge würden reichen, um die schlimmsten Formen von Kinderarbeit zu vermeiden.

Mit einem Preisaufschlag von 2,8 Prozent auf Kakao könnten Bauern ihren Kindern die schwersten Formen von Kinderarbeit ersparen.

Mit einem Preisaufschlag von 2,8 Prozent auf Kakao könnten Bauern ihren Kindern die schwersten Formen von Kinderarbeit ersparen. - Foto: shutterstock

Schon ein geringer Preisanstieg bei Kakao könnte dazu beitragen, die schwersten Formen von Kinderarbeit auf afrikanischen Farmen zu vermeiden. Das berechneten US-Forscher für die Kakao-Produktion in Ghana.Die Farmer müssten demnach Geldhilfen bekommen, um auch ohne Mithilfe ihrer Kinder das gleiche Einkommen zu erzielen, berichten Agrarökonomen um Lawton Lanier Nalley von der University of Arkansas.

Ghana und die Elfenbeinküste produzieren einen großen Teil des weltweiten Kakaos. Kinderarbeit ist dort zwar gesetzlich verboten, das lässt sich aber kaum durchsetzen. Studien zeigen, dass viele der meist kleinen und mittelgroßen Betriebe sehr arm sind. In der Erntesaison 2013/2104 arbeiteten einer Studie zufolge fast 960.000 Kinder in Ghana auf Kakaofarmen, teilweise schon ab dem Alter von 5 Jahren. Zudem zeigte die Untersuchung, dass der Anteil der Kinderarbeit in den Jahren zuvor gestiegen ist.

2,8 Prozent würden genügen

Das Team um Nalley berechnete nun, wie stark der Kakaopreis steigen müsste, damit Bauern ohne finanzielle Einbußen auf Kinderarbeit verzichten könnten. Das Resultat: Mit einem Preisaufschlag von 2,8 Prozent könnten Bauern ihren Kindern die schwersten Formen von Kinderarbeit ersparen.

Um zusätzlich auch noch Arbeiten von 14 Wochenstunden oder mehr zu unterbinden, wäre demnach ein Aufpreis von knapp 12 Prozent nötig. Um die Kinderarbeit ganz zu unterbinden, müsste der Kakaopreis den Berechnungen zufolge um etwa 56 Prozent steigen. Der Kakaopreis macht etwa bei Schokolade nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtpreises aus.

Mangelnde Bildung verfestigt Armut

Das Team rät, solche Zahlungen direkt an die Bauern zu leisten. Dies sei in Ghana gut möglich, da eine staatliche Behörde den Export kontrolliere. Diese könnte den Zuschlag als Zwischenhändler zahlen und dann davon profitieren, zertifizierten Kakao anzubieten, der ohne Kinderarbeit hergestellt wurde. 

Die Forscher mahnen jedoch zu strengen Kontrollen, da man sonst nicht gewährleisten könne, dass die Kinder tatsächlich von dem Geld profitierten. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf einen Teufelskreis: Wenn Kinder wegen der Arbeit auf den Farmen nicht zur Schule gehen, verfestigt sich die Armut in der Familie, und das Problem verschärft sich.

Die Reise der Kakaobohne ist schwer nachvollziehbar

Für Schokoladenhersteller ist es schwierig zu prüfen, ob Kinderarbeit tatsächlich verhindert wird, denn Kakao wird meist auf kleinen, abgelegenen Farmen angebaut und mehrmals zwischenverkauft, bis die Bohnen auf dem Weltmarkt landen.

Manche Unternehmen werben aber mit Siegeln für die Einhaltung bestimmter Kriterien. So zeigt das Fairtrade-Logo, dass ein Mindestpreis gezahlt wird, um Bauern vor den schwankenden Weltmarktpreisen zu schützen.

dpa

 

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite

zur Startseite Nicht mehr anzeigen
Verpassen Sie keine wichtigen Artikel mehrAktivieren Sie die Benachrichtigungen
AktivierenMehr Infos