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Artikel vom Montag, 15. April 2019

Von Schirach stellt Studie über NS-Raubkunst in Familie vor

Der Autor Ferdinand von Schirach hat Nachfahren früherer NS-Funktionäre aufgerufen, Raubkunst in ihrem Besitz offen zu legen. Es sei Zeit, dass auch dieses dunkle Kapitel aufgearbeitet werde, sagte Schirach am Freitag zu einer Studie über die Beteiligung seines Großvaters, des NSDAP-Spitzenfunktionärs Baldur von Schirach, und seiner Großmutter Henriette am Raub von Kunst aus jüdischem Besitz.

Ferdinand von Schirach bei der Präsentation der Studie in Berlin Foto: APA (dpa)

Ferdinand von Schirach bei der Präsentation der Studie in Berlin Foto: APA (dpa)

Baldur von Schirach (1907-1974) war während der NS-Herrschaft Reichsjugendführer und sowie von 1940 bis 1945 Gauleiter und Reichsstatthalter in Wien und damit an entscheidender Stelle an der Deportation der Juden beteiligt.

Ferdinand von Schirach (”Schuld”, „Kaffee und Zigaretten”) hatte die nunmehrige Studie beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg in Auftrag gegeben und selbst finanziert. Demnach hat seine Großmutter Henriette nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle Kunstobjekte und Möbel, die der Familie von den Alliierten entzogen worden waren, durch Rückgabe oder Kauf zurückbekommen. „Dieses Ergebnis der Untersuchung ist niederschmetternd”, sagte von Schirach. Seine Großmutter habe damit ein zweites Mal Schuld auf sich geladen.

Eigene Familie unter die Lupe nehmen

Er selbst, aber auch die anderen Teile seiner Familie hätten von den Kunstobjekten, die zum großen Teil von „bedenklicher” Herkunft seien, nichts erhalten. Nach der Scheidung seiner Eltern sei er bei der Mutter aufgewachsen und habe den Kontakt zu seinem Vater verloren. Er sei von diesem auch nicht als Erbe bedacht worden.

Die Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte (München) erfasst den Angaben zufolge 132 Kunstwerke, 70 Möbel und Einrichtungsobjekte sowie 490 Bücher. Bei mindestens vier Kunstwerken handelt es sich um NS-Raubkunst, 45 weitere stehen unter Verdacht. Der Schirach-Besitz war nach Kriegsende zum „Central Collection Point” in München gebracht und erfasst worden. Dort reklamierte ihn Henriette von Schirach (1913-1992) wieder für sich und erhielt den größten Teil zurück.

apa/dpa

 

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