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Artikel vom Samstag, 14. Oktober 2017

„Ich liebe die Musik, denn Musik ist eine internationale Sprache“

Vera Pitarelli ist leidenschaftliche Perkussionistin und promovierte Theaterwissenschaftlerin. In Bologna begann die 39-jährige Boznerin ihre musikalische Laufbahn. Mittlerweile ist sie international unterwegs, arbeitet in Südtirol und München. In Tokyo tauchte sie noch tiefer in die Philosophie der Perkussion ein. STOL hat mit der Musikerin gesprochen.

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Vera Pitarelli ist leidenschaftliche Perkussionistin. - Foto: Privat

Vera Pitarelli ist leidenschaftliche Perkussionistin. - Foto: Privat

Vera Pitarelli hat viele Gesichter. Das spiegelt sich auch in Ihrer Musik wider. - Foto: Privat

Vera Pitarelli hat viele Gesichter. Das spiegelt sich auch in Ihrer Musik wider. - Foto: Privat

Trotz ihrer vielen Termine und Auftritte nimmt sich Vera Pitarelli aber immer wieder die Zeit Kindern, Jugendlichen und Familien in Südtirol die Leidenschaft für die Musik und das Trommeln zu vermitteln. Ende Oktober und im Februar leitet sie Musik-Workshops im Haus der Familie am Ritten, bei denen die Künstlerin Interessierten das Trommeln beibringt. Auch bei verschiedenen Sprachförderungsprojekten ist sie mit dabei. Was die Künstlerin sonst so macht, lesen Sie im STOL-Interview.

Südtirol Online: Sie sind in Bozen aufgewachsen, haben einen Zweitwohnsitz in München und viele Jahre in Bologna gelebt: Wie haben Sie zwischen Bozen, Bologna und München Ihre musikalische Balance gefunden?

Vera Pitarelli, Perkussionistin: Seit drei Jahren habe ich in München einen Zweitwohnsitz und in Bologna habe ich mit meiner Perkussions-Laufbahn begonnen: dort habe ich mit internationalen Musikern wie Jeff Berlin gespielt und bin auf internationalen Festivals wie Umbria Jazz oder Porretta Soul Festival aufgetreten. Bologna ist fürwahr eine Kreativschmiede für viele Musiker. Bologna und München haben eines gemeinsam: beide Städte bieten viele Möglichkeiten für Live-Konzerte und einen regen Austausch mit kompetenten und interessanten Musikern. In München spiele ich seit 2016 mit dem Munich Modern Jazz Orchestra und bin mit der Bigband unter anderem im Jazzclub Unterfahrt, beim Tollwood-Winterfestival und beim Salzartfestival in Salzburg aufgetreten. Gerade vor zwei Monaten habe ich beim Tollwood-Sommerfestival  zwei Cajon-Workshops für Jugendliche gehalten. Außerdem habe ich in München auch mehrmals mit Express Brass Band gespielt sowie mit der Rapperin Taiga Trece (Puls Club Festival - Bayerischer Rundfunk). Auch in Südtirol habe ich bei einigen Festivals wie Südtirol Jazz Festival, Lange Nacht der Bozner Museen, Langis Klong Open Air oder Worldskills Italy mitgewirkt, für das Bozner Archäologiemuseum habe ich zusammen mit Kristian Sensini ein Musikstück komponiert. Vorwiegend halte ich in Südtirol aber Trommel-Workshops: vor allem meine Cajonbau-Workshops (Cajons sind Kistentrommeln) haben sich in den letzen Jahren sehr bewährt. 

Pitarelli mit dem Munich Modern Jazz Orchestra im Jazzclub Unterfahrt in München. - Foto: Privat

STOL: Was genau erleben Sie und die Familien bei diesen Kursen?

Pitarelli: Es macht mir sehr viel Spaß in Südtirol mit Familien und Kindern zu arbeiten. Die Teilnehmer an meinen Workshops haben alle ein sehr großes Potential für's Werken, Malen und Musikmachen! Und sie sind wirklich kreativ: So malte beispielsweise bei meinem letzten Workshop im Haus der Familie ein 13-jähriger Junge die Mona Lisa auf seinen selbst gebauten Cajon. Die Rhythmen, die ich den Teilnehmern beibringe sind auf einem höheren Schwierigkeitslevel: ich versuche kompliziertere Rhythmuskombinationen mit rhythmischen Spielen abzuwechseln und die Teilnehmer zu fördern. Am Ende des Tages haben die Familien zusammen ein schönes Erlebnis gehabt und Neues gelernt und ich freue mich ihnen etwas mit auf den Weg gegeben zu haben, das eben nicht alltäglich ist. 

Kreativer Trommel-Workshop. - Foto: Privat

STOL: Sie waren neulich in Tokyo: Was haben Sie dort erlebt?

Pitarelli: Ich war fast einen ganzen Monat in Tokyo: eine andere und sehr interessante Welt! Ich habe verschiedene Stadtteile der japanischen Hauptstadt und auch einige Locations außerhalb davon besucht. Tokyo ist mit 39,9 Millionen Einwohnern die größte Metropolenregion der Welt. Im weltberühmten Stadtteil Shibuya habe ich im Shelter Kuko Café&Gallery mit Mauro Arrighi, einem Gitarristen aus Padua, der seit 2011 in Japan lebt, gespielt. In Tokyo gibt es sehr viele Jam-Sessions, vor allem was Jazz betrifft. 

In den Geschäften und Restaurants wird über die Lautsprecher vorzugsweise Jazzmusik gesendet. Es gibt also einen sehr großen amerikanischen Einfluss, und kulinarisch gesehen gibt es auch etwas von Europa zu finden. Im Endeffekt ist Japan aber doch eine komplett andere Welt, wie wir sie etwa sonst von den Ländern Europas oder den USA kennen. Tokyo ist eine sehr interessante Mischung aus Tradition und Moderne, in der man mitten im Metropolen-Flair einen Schrein oder Tempel besuchen kann, in der man über ein Hologramm und einen Humanoid-Robot Auskünfte in einem Kaufhaus bekommt und in der man wenige Kilometer entfernt einen atemberaubenden Sonnenuntergang mit Meeresblick und Blick auf den Vulkan Fuji genießen kann. Ich habe sehr viel gesehen und kennengelernt. Was das Künstlerische betrifft, hat mir neben dem größten und antiksten Museum Japans, dem Tokyo National Museum, das Koenji Awaodori Festival sehr gut gefallen: hierbei handelt es sich um ein Straßenfestival mit 10.000 Tänzern und Trommlern. Solche Veranstaltungen bieten mir immer wieder Inspiration für neue Projekte.

STOL: Ganz generell gefragt: Was bedeutet Musik für Sie?

Pitarelli: Musik bedeutet so Vieles, wenn nicht Alles für mich. Musik ist eine internationale Sprache und bedeutet Kommunikation, Energie und Freude.

Musik bedeutet für Pitarelli Energie und Freude. - Foto: Privat

STOL: Demnächst wird auch Ihr erstes E-Book erscheinen. Worum geht es?

Pitarelli: Ich habe beschlossen, meine Doktorarbeit mit dem Titel: "Io sono Griot“ - La figura del Griot tra tradizione e modernità (DAMS-Universität Bologna) als E-Book zu veröffentlichen und werde sämtliche Kopien einigen Universitäten, unter anderem der Universität Bologna und Bibliotheken (unter anderem auch der Südtiroler Landesbibliothek Claudia Augusta) zur Verfügung stellen, damit Anthropologen, Fachleute, Professoren, Studenten, Musiker und Interessierte auf meine Arbeit Zugriff haben. 

STOL: Die nächsten anstehenden Projekte?

Pitarelli: Es wird weiterhin Konzert-Termine mit dem Munich Modern Jazz Orchestra in Deutschland und Österreich geben. Im Oktober und Februar halte ich je zwei Workshops "Cajon selbst gebaut und gespielt" im Haus der Familie am Ritten. Immer im Oktober werde ich die Zusammenarbeit mit der Sozialgenossenschaft Kinderfreunde Südtirol (Bruneck) beginnen: es handelt sich um ein Sprachförderungsprojekt für Schulkinder während der Nachmittagsbetreuung. Wir Referenten werden den Kindern unser Fachwissen auf Deutsch oder auf Italienisch vermitteln. Ich bin für Gries Bozen und Terlan zuständig. Das Konzept der Inklusion ist bei diesem Projekt natürlich sehr wichtig. Im November werde ich zum zweiten Mal ein Lehrerfortbildungsseminar (Deutsches Schulamt) auf Schloss Rechtenthal in Tramin halten. 

Interview: Verena Stefenelli

 

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