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Artikel vom Dienstag, 13. August 2019

Salzburger Festspiele: Gespräch über Verdis Simon Boccanegra

Der Unterschied zwischen einem guten Sänger und einem großartigen Künstler sei der Mut dazu, mit der Stimme Gefühle zu transportieren, und um die Geschichte zu vermitteln auch einmal hässliche Töne zuzulassen, sagt René Pape, der am 15. August als Jacopo Fiesco in Verdis Simon Boccanegra Premiere feiert. Für ihn ist es gleichzeitig das Rollendebüt und Luca Salsi als Titelheld lobt ihn!

René Pape, Luca Salsi und Andreas Kriegenburg. - Foto: Anne Zeuner

René Pape, Luca Salsi und Andreas Kriegenburg. - Foto: Anne Zeuner

Pape wird  von seinem Kollegen Luca Salsi, der die Rolle des Simon Boccanegra übernimmt, besonders gelobt. „René Pape ist ein großartiger Künstler, denn er hat es im Laufe der Proben geschafft, sich nicht nur charakterlich in Fiesco zu verwandeln, sondern auch stimmlich. Das hört man bei Bässen sehr selten!“

„Bei Verdi ist es wichtig, nicht zu schreien, sondern den Tönen Farbe zu geben!“

Gleichzeitig  muss man oft vom fff – Fortississimo vierfache  Pianissimo wechseln. „Mir ist es vor allem wichtig, den Text zu transportieren und eine Geschichte zu erzählen“, sagt René Pape. Die Farben sind wichtig: „Viele Sänger tendieren dazu, jeden Ton besonders schön klingen lassen zu wollen. Wenn es aber zum Charakter passt, ist es wichtig, einzelne Töne auch einmal hässlich klingen zu lassen, oder zu brechen. Die Stimme transportiert schließlich Emotionen!“

„Simon  Boccanegra“ ist ein Werk einer dunklen missgünstigen Welt

„Simon Boccanegra“ ist  ein dunkles Werk: „Ich habe versucht dies in allen Momenten sichtbar zu machen ohne aber jemanden bloß zu stellen“, sagt Regisseur Andreas Kriegenburg: „Gerade der Chor wird oft kalt und zynisch vereinfacht dargestellt. Es geht  um eine Gesellschaft, die missgünstig, neidisch und zerrissen ist, und in der Hetze betrieben wird. Das Thema Social Media spielt eine große Rolle, ständig ist  der Chor mit dem Handy in der Hand zu sehen, um zu twittern. „Make Genua great again!“

Alles ist ein Spiegelbild der gegenwärtigen radikalisierten Welt

„Wir müssen uns nur umschauen, genau in solch einer Gesellschaft leben wir gerade. Wir entfernen uns immer weiter voneinander bis zur Radikalisierung“, sagt Kriegenburg. Obwohl die politischen Bezüge von damals sich wunderbar auf die heutige Zeit transportieren lassen geht es nicht vorrangig um den politischen Bezug. Es sind  die zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser Oper: „Für mich steht vor allem der Humanismus im Vordergrund. Es gilt die Mauer des Hasses zu durchbrechen.“ Simon Boccanegra trifft  eine radikale Entscheidung gegen die Gesellschaft, in dem er in die Jugend investiert und die vorhandene Verdorbenheit ignoriert.  Das ist ein Zeichen des Humanismus, die Zukunft in die Hände von Unschuldigen zu legen.

„Simon Boccanegraist die Oper der Liebe und des Friedens 

Die Figur des Simon Boccanegra setze sich dafür ein, dass sich die Völker begegnen, er sei gegen den Krieg und für die Liebe. Salsi sieht in ihm eine Art Prophet. Er wandele den Schmerz über den Verlust seiner Geliebten in eine Liebe für alle Menschen: „Der Konflikt mit Fiesco ist von Simon nicht gewollt. Es ist der Verlust der Liebe der berührt und der Aufruf nach Frieden was Boccanegra den Simon Boccanegra  in der berühmten Rat – Szene fordert. Es ist Liebe und Frieden und Simon Boccanegra wird ja gerade vom Volk unheimlich geliebt, weil er ja von ihm zum Dogen von Genua („dal popolo eletto“) gewählt wurde!“

C. F. Pichler aus Salzburg

 

 

 

 

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