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Artikel vom Montag, 26. August 2019

Salzburger Festspiele: „Salome“ triumphiert wieder

Bei der Wiederaufnahme der Oper „Salome“ von Richard Strauss in der fabelhaften Inszenierung von Romeo Castellucci triumphiert Asmik Grigorian als die „Jahrhundert-Salome“. Natürlich wieder unter dem herausragenden Dirigat von Franz Welser-Möst mit den Wiener Philharmonikern.

Asmik Grigorian überzeugt als Salome bei den Salzburger Festspielen. - Foto: Ruth Walz

Asmik Grigorian überzeugt als Salome bei den Salzburger Festspielen. - Foto: Ruth Walz

Selten wird szenische Symbolkraft mit der Musik – auch mit einem guten Ensemble – zu einem Einheitserlebnis wie in der Felsenreitschule mit ihrem archaischem Szenenraum. Nur Asmik Grigorian ist halt eben die Ausnahme, denn sie verkörpert in dieser Oper der Doppelbödigkeiten und Chiffren mühelos und tieflotend ein von selten Sehnsüchten getriebenes  Mädchen, dass ohne Liebe aufwächst.

Grigorian hatte Angst den Triumph von 2018 nicht zu wiederholen  

Wie schwierig es ist, die Sängerin des Jahres zu werden, ist bekannt, doch Frau Grigorian hat sich nun wieder musikszenisch noch getoppt, denn mit ihrer Fixierung der Worte gleitet  wieder in Weiß gekleidet als vermeintlich unschuldiges Mädchen immer vorwärtstreibend durch die dunkle Welt des Libretto und wird mit der musiklaschen Gestaltung zu einer unvergleichlichen Leuchte für die Ewigkeit. Denn keine Sängerin hat jemals diese vielleicht schwierigste Partie so künstlerisch konsequent auf der Bühne gestaltet.

Castellucci zeigt in der zugemauerten Felsenreitschule lauter dunkle angemalte Gestalten, die im Gangstermilieu etwa von Chicago der 1930er Jahre angesiedelt sein könnten. Allein diese karikierte gesellschaftliche Dunkelheit ist schon grauenvoll, wenn aber dann noch Jochanaan als schwarz-zotteliger Prophet erscheint, der noch dazu Neues ankündet, dann wird’s übermakaber im kahlen Felsengestein.

Alle Sänger können Salome nicht Paroli bieten

Dass die Partie der Salome natürlich von Strauss selbst nicht nur die weit längste ist, sondern zusammen mit den vielen Gestalten sich auch noch hervor- bzw. abhebt, sind die Rollen zwar begehrlich, aber doch eher klein. Julien Pregardien ist als Narraboth ein tenorales Leichtgewicht, aber auch der Herodes mit John Daszak singt eher unauffällig. Wieder dabei ist auch die gut deklamierende Herodias Anna Maria Chiuri aus Innichen, während Gabor Bretz ein imposanter Jochanaan ist.

Die Regie von Castellucci, der auch sein eigener Ausstatter und Lichtdesigner ist, verzichtet auf den berühmten Schleiertanz, und somit wird die Titelheldin quasi auf einem Betonklotz zerdrückt, der zeigen soll, dass der „Trieb der Salome erlischt“, da ihre Figur (Asmik Grigorian ist ja zart – zierlich) es verweigert.

Auch in diesem Jahr gab es keinen Schleiertanz von Salome. - Foto: Ruth Walz 

„Ich habe ihn auf den Mund geküsst“ (Salome)

Salome will ja von Herodes den Kopf des Jochanaan und sie bekommt ihn. Nun hier ist das anders, denn im weißen Milchbad sitzend betrachtete Salome bei ihrem überragenden Schlussgesang eine enthaupteten und gewaschenen Torso des Propheten Jochanaan.

Die Szene, mit der Castellucci das Fremde oder Unbekannte andeuten will, ist wohl die beeindruckendste, ja extremste Konfrontation die je auf der Bühne zu sehen war. Die Ovationen des Publikums besiegeln damit natürlich auch mit dem grandiosen Dirigenten Welser-Möst und mit den herausragenden Wiener Philharmonikern den hocherwarteten Triumph.

C. F. Pichler aus Salzburg   

 

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