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Artikel vom Donnerstag, 16. August 2018

Festspiele Salzburg: Notate zu Aischylos: Die Perser

Wie ein einzelner Mensch, der getrieben ist von Hochmut und Eitelkeit, eine ganze Gesellschaft zerstören kann, findet sich in: Die Perser von Aischylos. Diese Tragödie, die als das älteste erhaltene Drama der Welt gilt, stellt sehr aktuelle Fragen. Die Premiere findet am 18. August statt. Weitere Vorstellungen am 20., 21., 23., 24., 25., 26. und 27. August im Salzburger Landestheater.

Foto: C. F. Pichler aus Salzburg

Foto: C. F. Pichler aus Salzburg

„Die Gesellschaft der Perser ist glücklich gezeichnet, sie ist eine wohlhabende Monarchie mit fast parlamentarischen Strukturen, in der das Volk mit dem König und einer Art Ältestenrates kommunizieren konnte. Selbst die Nachbarländer schlossen sich dieser Monarchie an, ohne dass Feldzüge dafür geführt werden mussten“, sagt Regisseur Ulrich Rasche. Als der König gestorben ist, kam sein Sohn Xerxes an die Macht. Dieser fühlte sich seinem Vater unterlegen: „Er entscheidet sich bewusst gegen die intakte Staatsform, missachtet die Werte, für die sein Vater eingestanden ist!“ Der Sohn entscheidet sich mit seinem unendlich großen Heer entgegen der Göttergesetze den Bosporus zu überqueren und bricht damit den Gotteswillen. Die Konsequenz: Das riesige persische Reichsheer geht zugrunde.

Der Zuschauer hört 60 Minuten vom Untergang des Heeres

Das wird sprachlich  drastisch dargestellt. „Menschen verhungern, ertrinken ehe sich am Ende nur eine Handvoll nach Griechenland retten kann. Oft reagieren wir angstgetrieben, und gehen ohne nachzudenken in die nächste schwierige Situation, das passiert fast reflexartig!“ Pressefreiheit, Bildung, ein demokratisches System – sind Werte, die aus der Geschichte der Weltkriege errungen wurden. Dafür müssten wir uns Zeit nehmen, statt mit Angst zu reagieren, wie etwa bei der Flüchtlingsthematik. Das ist was Die Perser uns heute erzählen

Die rhythmische antike Sprache ist immer mit Live – Musiker zuhören

Der Sprachrhythmus wird in Musik verwandelt. Live-Musiker spielen während der gesamten Inszenierung. Die Musik hört nie auf. Es entstehen dabei musikalische Loops, die flexibel einsetzbar sind. Diese Musik findet durch die Bewegung einen Hall im Körper der Schauspieler und so entsteht eine starke Wirkung im typischen Dreieck zwischen Sprache, Körper und Rhythmus.  Das Bühnenbild, bestehend aus zwei riesigen Drehscheiben und den Live-Musikern auf der Bühne, ist geprägt von einem physischen Theater, wenn die Schauspieler  permanent auf zwei sich drehenden Scheiben agieren.  Eine im vorderen Teil der Bühne, die als Orchestra in den Zuschauerraum ragt, auf der die Frauen präsent sind und eine hydraulische auf der Hinterbühne, auf der die Männer in Form eines großen Chores spielen. Da die kleine Bühne des Landestheaters  teilweise  in den Zuschauerraum verlegt ist, entsteht eine interessante Unmittelbarkeit zur Körperlichkeit der Schauspieler.

Protagonistinnen  sind Katja Bürkle, Valery Tscheplanowa und Patrycia Ziolkowska  

Sie spielen gemeinsam den Chor des persischen Ältestenrates; Ziolkowska spielt die Königsmutter Atossa. Die vordere Scheibe ist der Vorplatz des Regierungssitzes, die griechische Orchestra und somit der Ort der Frauen.  Die Frauen sind in dieser Inszenierung diejenigen, die die Konsequenzen des Handelns der Männer tragen müssen und die am Ende entscheiden, wie es weiter gehen soll. Die hintere Drehscheibe hingegen ist der Ort der Männer, der Ort des Todes, oder des Hochmutes.  Xerxes wird nicht durch einen Schauspieler allein gespielt „Ich habe mich für eine zeitgemäße Lösung entschieden, es gibt  nicht nur den einen der entscheidet, sondern es steht meistens eine Gruppe dahinter, die den König stützt, daher ist Xerxes und die Armee des Xerxes mit mehreren Schauspielern besetzt. Ich wollte die Armee nicht als unmündige Masse von Menschen darstellen“, so Regisseur Ulrich Rasche.

Foto: C. F. Pichler aus Salzburg

Die Maschinen mit den Menschen sind Ausdruck  der gegenwärtigen Verzweiflung

Es ist eine Art Weltkugel, die sich dreht und der Mensch  ist dabei nur eine Art Marionette, die sich abstrampelt wie in Büchners Fatalismusbrief, wo die Menschen einer höheren Macht ausgeliefert sind: „Es ist doch ein höchst berührender Moment zu sehen, wie wir uns abstrampeln und nicht aufgeben und uns am Ende nichts bleibt als der Glaube und die Hoffnung auf eine bessere Welt“, sagt Rasche. Er sich dabei bewusst, dass er damit eine negative Sicht auf die Welt vertrete, aber beim Blick auf die täglichen Kriegsbilder  könne er seine Maschinen auf der Bühne nicht stoppen. Die Maschinen sind Ausdruck der gegenwärtigen Verzweiflung.

Frauen sind „vielleicht“ die besseren Herrscher, ist aber geschlechtlich nicht reduzierbar

Bei Aischylos tritt der alte König aus seinem Grab auf, um zu entscheiden, wie es weitergeht mit der persischen Gesellschaft. Ulrich Rasche aber lässt die Frauen, den Chor des persischen Ältestenrates, sich in die Rolle des Königs hineinversetzen, um eine Lösung zu finden. Mit Empathie überlegen sie, was der König entschieden hätte, würde er noch leben. Die Frage, ob Frauen demnach die besseren Herrscher wären, beantwortet er mit einem „Vielleicht“. Das wisse er nicht, doch es sei notwendig das theatralisch durchzuspielen, aber: „Ich möchte diese Debatte eigentlich nicht auf eine Geschlechtlichkeit reduzieren“, sagt Rasche! Es gilt anderen Menschen, Gruppen Gehör verschaffen und nicht immer nur denselben zuzuhören.

C. F. Pichler aus Salzburg

 

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