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Artikel vom Donnerstag, 11. Juli 2019

Wie gesund sind abgepackte Salate wirklich?

Abgepackte Salate aus dem Kühlregal sind praktisch, sind sie doch bereits gewaschen. Untersuchungen zeigen aber, dass die Produkte nicht selten mit Keimen belastet sind. Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hat 10 verschiedene Salate zur mikrobiologischen Untersuchung ins Labor geschickt und auf Keime testen lassen.

Sind abgepackte Salate gesundheitlich bedenklich?

Sind abgepackte Salate gesundheitlich bedenklich? - Foto: shutterstock

Laut VZS sei der Großteil der Produkte gesundheitlich unbedenklich, bezüglich der Gesamtkeimzahl und dem Gehalt an Schimmelpilzen gebe es zum Teil noch Verbesserungsbedarf.

Abgepackte Salate, die bereits gewaschen und verzehrfertig sind, scheinen sehr beliebt zu sein. Davon zeugt auch das große Sortiment in den Südtiroler Supermärkten und Discountern. Die Salate brauchen zu Hause nur mehr in einer Schüssel angemacht und können ohne weitere Verarbeitung gegessen werden.

So weit, so praktisch. Allerdings zeigten Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen und Lebensmittelüberwachungsbehörden in Deutschland und Österreich bereits mehrmals eine sehr hohe Keimbelastung, teilweise auch mit potenziell krankheitserregenden Keimen.

Das italienische Verbrauchermagazin „Il Salvagente“ nahm in der April-Ausgabe abgepackte Salate unter die Lupe. Sie wiesen einen guten Hygienestandard auf, allerdings wurden teilweise Mehrfachrückstände von Pestiziden und hohe Cadmiumgehalte festgestellt.

Vom Kühlregal ins Labor

Zwischen Ende Mai und Mitte Juni 2019 hat die VZS 10 verschiedene abgepackte Salate (von jeder Probe mindestens 200 Gramm) in Supermärkten und Discountern in Bozen eingekauft. Von den 10 Proben stammten 2 aus biologischer Landwirtschaft.

Die Proben wurden gleich nach dem Einkauf in einer Kühltasche zum Biologischen Landeslabor transportiert und dort bis zur Analyse gekühlt gelagert. 8 Produkte wurden am letzten Tag der aufgedruckten Haltbarkeitsfrist und 2 Produkte am Tag vor Ablauf der Frist analysiert.

Die mikrobiologischen Untersuchungen umfassten die Gesamtkeimzahl, Hefen und Schimmelpilze, Indikatorkeime wie Escherichia Coli und potenzielle Krankheitserreger wie Staphylokokken, Salmonellen, Listerien und Bacillus cereus. Beim Einkauf wurde jeweils die Kühltemperatur am Regal abgelesen und mittels Thermometer die Oberflächentemperatur der Salatverpackung gemessen.

Praktisch, aber teuer … und leicht verderblich

Für die Bequemlichkeit, den Salat nicht mehr waschen und zerkleinern zu müssen, zahlen die Südtiroler einen stolzen Preis. Die eingekauften Salate kosten pro Kilo zwischen 5,80 und 16,67 Euro, im Mittel 10,92 Euro. Damit ist der durchschnittliche Kilopreis knapp 5 Mal so hoch wie der Kilopreis für offen verkauften Kopfsalat (zwischen 1,29 und 4,84 Euro, im Durchschnitt 2,28 Euro). Und: abgepackte Salate erzeugen mehr Verpackungsabfall.

Gewaschene und geschnittene Salate sind zudem leicht verderbliche Produkte. Aus diesem Grund haben sie nur eine kurze Haltbarkeit. Diese wird in Italien als Verbrauchsdatum angegeben (Wortlaut: „zu verbrauchen bis“): die Salate sollten bis zum angegebenen Datum verzehrt werden, da sie bei Überschreiten der Haltbarkeitsfrist mit potenziell krankheitserregenden Keimen belastet sein könnten.

Auffällige Werte für Schimmelpilze und die Gesamtkeimzahl

Im Unterschied zur Untersuchung des Vereines für Konsumenteninformation (VKI) können die von der Verbraucherzentrale gekauften Proben im Großen und Ganzen als gesundheitlich unbedenklich bezeichnet werden.

Salmonellen und Listerien wurden in keiner der Proben nachgewiesen. Die Werte für Escherichia Coli blieben weit unter den Vorgaben der entsprechenden EU-Verordnung. Da es für die restlichen Parameter keine EU-Grenzwerte gibt, wurden diese mit den Richt- und Warnwerten der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie für rohe, frische, verzehrfertige Mischsalate verglichen. Die Werte für Hefen und Bacillus cereus waren unauffällig. 2 Proben wiesen eine deutlich höhere Gesamtkeimzahl auf als die restlichen Proben.

Der Richtwert ist kein Grenzwert, sondern gibt an, welcher Wert akzeptabel ist. Im Fall einer Überschreitung sollten die Hygiene- und Herstellungsbedingungen oder die Haltbarkeitsdauer überprüft werden, das Produkt sollte sensorisch beurteilt werden.

Schwachpunkt Kühlkette

Für Obst und Gemüse, das verpackt und bereits verzehrfertig im Handel angeboten wird, gelten in Italien besonders strenge Hygienevorschriften. Verzehrfertig abgepackte Salate müssen mindestens zweimal gewaschen werden. Während der gesamten Produktion und Distribution muss eine Temperatur von unter 8 Grad Celsius eingehalten werden.

Laut den Messungen der VZS wird dies nicht immer gewährleistet: 5 Proben (50 Prozent) wiesen im Kühlregal eine Oberflächentemperatur von über 8 Grad auf, nämlich zwischen 9,3 und 12,3 Grad. In 8 Verkaufspunkten zeigte das Kühlregal eine Temperatur von unter 8 Grad an, in einem Fall wurde aber eine Temperatur von 10 Grad, in einem anderen Fall eine Fehlermeldung angezeigt.

„Abgepackte Salate sind wirklich leicht verderblich. Es wäre wichtig, dass der Handel hier in Zukunft besser auf die Einhaltung der Kühlkette achtet“, kommentiert Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, die Ergebnisse der Untersuchung. „Wir empfehlen, die Salate nach dem Einkauf sofort zu kühlen und möglichst bald zu essen. Auch ist es ratsam, die Salate vor der Zubereitung noch einmal unter fließendem Wasser gründlich zu waschen. Eventuell vorhandene Mikroorganismen können dadurch reduziert werden. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollten verzehrfertige Salate nicht mehr verwendet werden.“

stol/jno

 

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