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Artikel vom Mittwoch, 11. Juli 2018

Gabrielli: „Wir Sinti brauchen euer Vertrauen “

Seit der italienische Innenminister Matteo Salvini eine Zählung der in Italien lebenden Sinti und Roma angekündigt hat, scheint sich die Situation für die Volksgruppen zu verschlechtern. Am morgigen Donnerstag findet in Bozen eine Kundgebung der Sinti statt, um auf sich und ihre Belange aufmerksam zu machen. STOL hat am Mittwoch mit Organisator Radames Gabrielli, Präsident der Vereinigung Nevo Drom, gesprochen. Er und seine Vereinigung sind seit Jahren bemüht, Vorurteile gegen Sinti abzubauen.

Radames Gabrielli. - Foto: DLife

Radames Gabrielli. - Foto: DLife

Die Idee dieser Volkszählung einer Minderheit, die Salvini im Juni angekündigt hatte und in einigen Städten Italiens bereits begonnen hat, erinnert viele Menschen an NS-Verfolgungen. Während des Nationalsozialismus in Deutschland fielen neben den Juden auch Sinti und Roma dem Holocaust zum Opfer.

„Der Innenminister scheint nicht zu wissen, dass in Italien eine Zählung auf Basis einer Ethnie nicht erlaubt ist“, zitierte im Juni die Nachrichtenagentur Ansa Carlo Stasolla, Präsident der Vereinigung Associazione 21 Luglio, die sich für die Rechte der Sinti und Roma einsetzt.

Am morgigen Donnerstag findet ein Protestmarsch der Südtiroler Sinti gegen Salvinis Maßnahmen statt. Radames Gabrielli hat STOL in einem kurzen Interview einige Fragen beantwortet.

Südtirol Online: Am morgigen Donnerstag findet ein Protestmarsch statt, den Sie und ihre Vereinigung organisiert haben. Um welche Botschaft geht es Ihnen dabei?

Radames Gabrielli: Im Grunde findet der Marsch statt, um der neuen Regierung - allen voran Luigi Di Maio, Matteo Salvini, Giuseppe Conte und Sergio Mattarella - begreiflich zu machen: Wir Sinti sind zu 100 Prozent italienische Staatsbürger. Wir haben Rechte und Pflichten wie alle übrigen Italiener und halten uns auch daran. Viele von uns gehen einer normalen Arbeit nach, andere wollen arbeiten, bekommen aber keinen Arbeitsplatz, weil es so viele Vorurteile gegen uns gibt. Wir möchten diese Vorurteile abbauen helfen und der Regierung in friedlicher Art und Weise klar machen, dass wir genauso, wie alle anderen, dazugehören, und auch unseren Beitrag leisten. Wir sind schon alle gezählt, von Geburt an registriert, haben eine Identitätskarte, Steuernummer und alle anderen Dokumente, die es braucht. Jedenfalls startet unser friedlicher Protestmarsch morgen um 9 Uhr in der Museumsstraße und führt durch die Lauben bis zum Rathausplatz. 

STOL: Wieviele, glauben Sie, werden kommen, und wen haben Sie alles eingeladen?

Radames Gabrielli: Schwer zu sagen, ich hoffe es werden viele sein. Eingeladen sind neben Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landeshauptmannstellvertreter Christian Tommasini, dem Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi und Vizebürgermeister Christoph Baur auch alle Südtiroler Bürger, ob deutscher, italienischer und ladinischer Sprache. 

STOL: Spüren Sie als Sinti bereits Veränderungen, seit die neue Regierung an der Macht ist?

Radames Gabrielli: Die Angst ist da, dass unsere Lebensbedingungen noch schwieriger werden. Uns weht ein kalter Wind entgegen. Und ich muss sagen, uns Sinti hier in Südtirol geht es noch gut. Wir können uns glücklich schätzen. Unsere Freunde und Familien im restlichen Italien haben es, was Diskriminierung betrifft, um einiges schwerer. 

STOL: Wie und wo leben Sie eigentlich? Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

Radames Gabrielli: Ich lebe mit meiner Familie, meinen Kindern und vielen Verwandten in einer Siedlung in Bozen, auch wir zahlen dort für Wasser und Strom. So wie andere Menschen Nebenkosten für ihre Wohnung zu bezahlen haben, so tun auch wir es. Wir leben dort unser Leben, unsere Sprache und unsere Kultur,. Das ist uns wichtig, wir schauen aber auch über den Tellerrand hinaus. Wir passen uns gerne an, aber wir lassen uns unsere Lebensweise und kulturelle Eigenheiten nicht komplett nehmen. Wie auch gerade die deutschen und ladinischen Südtiroler darum kämpfen, dass ihre Kultur erhalten bleibt, so tun auch wir es. Das ist nicht nur unser Recht, sondern auch unsere Pflicht.

STOL: Gibt es etwas, das Sie den Südtirolern sagen möchten?

Radames Gabrielli: Wir Sinti leben hier in Südtirol seit 3 und sogar 4 Generationen. Wir sind und fühlen uns auch zu 100 Prozent als Südtiroler. Wir bitten um und brauchen das Vertrauen unserer Mitbürger in Südtirol, wir sind bereit zu arbeiten und hoffen, dass die Vorurteile abnehmen und uns Arbeit gegeben wird. Und wir würden uns sehr freuen, wenn viele Menschen bei der morgigen Veranstaltung dabei sind, um uns Sinti zu unterstützen, und gegen jegliche Form von Diskriminierung Gesicht zeigen. 

Interview: Verena Stefenelli

crepaz kurt, BRUNECK

Die Herrschaften sollten die Pflichten genau so ernst nehmen wie die Rechte und nicht von Diskriminierung sprechen denn es sind ja sie diejenigen die sich nicht anpassen wollen ,die sogenannten Rechte wollen auch erworben werden.

15.07.2018 20:39 Uhr

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Stefan Laner, Mühlwald

Viele europäische Entwicklungen sind momentan doch recht Besorgniss erregend!

11.07.2018 19:17 Uhr

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2 Kommentare

 

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