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Artikel vom Dienstag, 27. März 2018

Medizinisches Cannabis: Land übernimmt Kosten

Medizinisches Cannabis lindert Schmerzen, steigert den Appetit und entspannt die Muskeln. Multiple Sklerose, Magersucht und das Tourette-Syndrom sind deshalb nur einige Krankheitsbilder, bei denen der öffentliche Gesundheitsdienst in Zukunft die Kosten für diesen Wirkstoff übernimmt.

Foto: shutterstock

Weitere sind Krebserkrankungen, Glaukom, HIV und die klassische Schmerztherapie.

„Bisher wurde rund 100 Personen im Jahr medizinisches Cannabis verschrieben, sie mussten zur Gänze selbst für ihr Medikament aufkommen“, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher am Dienstag nach der Sitzung der Landesregierung. In Zukunft werde die öffentliche Hand die Kosten für diese Therapie übernehmen, so wie sie es bei anderen Medikamenten auch mache.

Hausarzt kann Cannabis verschreiben

Verschreiben können Cannabis in Zukunft alle Hausärzte, jedoch nur dann, wenn Diagnose und Therapieplan aus einem der folgenden Fachzentren in den Krankenhäusern und in den territorialen Einrichtungen des Südtiroler Sanitätsbetriebes kommen: Abteilung für Neurologie, Abteilung für Infektionskrankheiten, Abteilung für Onkologie, Abteilung für Innere Medizin, Abteilung für Augenheilkunde, Dienst für Palliativbetreuung, Ambulatorium für die Schmerztherapie, Dienst für Komplementärmedizin.

Mit Ausnahme der Schmerztherapie wird für die Zubereitung von Cannabis eine Kostenbeteiligung von einem Euro pro Rezept vorgesehen. Die Verarbeitung des Wirkstoffs kann nämlich weder standardisiert erfolgen noch auf Vorrat. Die Apotheker müssen das Medikament, das neben der klassischen Pulverform auch als Öl oder in Kapseln verabreicht wird, für jeden Patienten einzeln dosieren.

Apotheken geben Cannabis aus

Abgegeben wird der Wirkstoff über die Apotheken, mit Ausnahme der HIV-Patienten und derer, die außerhalb Südtirols wohnen. Sie beziehen ihr Medikament direkt über die Krankenhausapotheken. Der Arzt muss zudem bei jeder Verschreibung die Patientendaten erheben. Neben Alter und Geschlecht werden auch Dosierung, Behandlungsbedarf und etwaige Behandlungsergebnisse anonymisiert an das oberste Gesundheitsinstitut übermittelt. Genauso mitzuteilen sind vermutete Nebenwirkungen.

In Südtirol wird der Bedarf für das Jahr 2018 auf rund zehn Kilogramm geschätzt, ein Kilo davon wird im chemisch-pharmazeutischen Betrieb der Streitkräfte in Florenz hergestellt, der Rest in erster Linie aus Holland und aus Kanada importiert. Die Kosten zu Lasten des Landesgesundheitsdienstes werden auf insgesamt ungefähr 250.000 Euro geschätzt. Grundlage des Beschlusses ist das staatliche Gesetz vom 16. Oktober 2017, das die Kostenübernahme für medizinisches Cannabis vorsieht. Die Kostenübernahme für das Tourette-Syndrom hat die Landesregierung ergänzt.

lpa

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