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Artikel vom Donnerstag, 30. März 2017

Pestizide: Ziemlich beste Brieffeinde

Zuletzt war es scheinbar ruhiger um Mals geworden, ums Dorf, das den Pestiziden den Kampf ansagen wollte. Mit dieser Ruhe ist es vorbei: Seit Tagen liefern sich Umweltschützer aus Deutschland und der Landeshauptmann einen Schlagabtausch in Briefform. Kann ein Treffen den Konflikt lösen?

Das Postfach von Landeshauptmann Arno Kompatscher ist seit Tagen übervoll: Über 15.000 Mails stapeln sich im Eingang, die Betreffzeile liest sich immer gleich: „Unterstützen Sie das Pestizid-Verbot von Mals, Herr Kompatscher!“

Losgeschickt wurden die Protestmails über die Homepage des Vereins „Umweltinstitut München“. Der Verein fordert den Landeshauptmann auf, die Umsetzung des Ergebnisses der Malser Pestizid-Abstimmung nicht weiter zu behindern. Bekanntlich hatte die Gemeinde 2014 eine Pestizid-Abstimmung organisiert und fast 75 Prozent der teilnehmenden Bürger hatten sich für ein Pestizid-Verbot ausgesprochen.

Kompatscher schreibt zurück…

Der Landeshauptmann zeigt sich von der Mail-Flut weitestgehend unbeeindruckt. Am Dienstag erklärte er, der Inhalt der Schreiben sei „in weiten Teilen falsch“ und/oder „extrem vereinfacht“ (STOL hat berichtet). Die Gemeinde Mals habe nun einmal keine Zuständigkeit in der Pestizid-Frage, es greife nationale und europäische Gesetzgebung. Davon, dass die Landesregierung, die Umsetzung des Pestizid-Verbots behindere, will Kompatscher nicht wissen – und wies die Vorwürfe in einem Schreiben an die Umweltschützer vehement zurück. Wohl auch deshalb, weil die Naturschützer damit drohten, Südtirol künftig als Urlaubsland zu meiden.

Hier können Sie den Brief des Landeshauptmanns lesen.

… und die Umweltschützer antworten

Wer dachte, damit finde die erneute Aufregung um Mals und sein Pestizid-Verbot ein Ende, der irrte: Denn am Donnerstag meldete sich das Umweltinstitut München wieder zu Wort. Wiederum in einem Offenen Brief kreiden die Umweltschützer an, dass der Landeshauptmann „schwere Vorwürfe“ gegen sie erhoben habe, „die wir so nicht stehen lassen können“.

Hier können Sie den Brief des Umweltinstituts München lesen:

Wenn Kompatscher auf Brüssel zeige, dann führe das in die Irre, heißt es im Brief. Die EU-Kommission habe vergangenes Jahr klargestellt, „dass lokale Pestizidverbote nicht grundsätzlich im Widerspruch zu europäischem Recht stehen“. Und die Umweltschützer bleiben bei ihrem Vorwurf: Die Landesregierung sei „aktiv gegen das Pestizidverbot“ vorgegangen.

Umweltinstitut: Treffen, zusammensetzen, reden

Über 15.000 Schreiben, zwei Standpunkte, die Situation ist verfahren – was nun? Auch auf diese Frage meint das Umweltinstitut München eine passende Antwort zu haben: ein Treffen. Man möge sich zusammensetzen, der Landeshauptmann, die Malser und die Umweltschützer aus Bayern, um herauszufinden, „ob wir wirklich so weit in unseren Vorstellungen auseinanderliegen oder ob es nicht doch eine Möglichkeit für die Landesregierung geben kann, den Malser Weg zu unterstützen“. Auf die Antwort des Landeshauptmanns darf man gespannt sein.

stol

Michael Ciech, Branzoll

Warum München? Wo haben sich die lokalen Umweltschützer und Grünen verkrochen? Wie steht der südtiroler Bauerbund dazu? Warum melden sich nicht "mehr" Südtiroler zu diesem "sehr wichtigem" Thema?! Konventionelle Systeme und Gewohnheiten haben langfristig betrachtet bereits verloren. Eine große Mehrheit der Malser haben sich bereits klar geäußert und positioniert.

30.03.2017 14:12 Uhr

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