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Artikel vom Freitag, 13. Oktober 2017

„The Guardian“, der Fall Adan und Südtirols Flüchtlingspolitik

Der Tod des 13-jährigen Flüchtlings Adan schlägt hohe Wellen. Am Freitag berichtet die britische Zeitung „The Guardian“ online über den traurigen Fall des Jungen und seiner Familie.

Adan (13) starb am 8. Oktober in Bozen. Foto: Claudia Fornari

Adan (13) starb am 8. Oktober in Bozen. Foto: Claudia Fornari

Wie berichtet, war der an Muskeldystrophie leidende und im Rollstuhl sitzende Adan mit seiner Familie am 1. Oktober mit dem Zug nach Bozen gekommen, nachdem der Asylantrag der Familie in Schweden abgelehnt worden war.

Eine Woche lang verbrachte die kurdische Familie mit 4 minderjährigen Kindern die Nächte auf der Straße, in von sozialen Vereinen organisierten Hotelzimmern, einer evangelischen Kirche und – in Adans Fall – im Krankenhaus. Dort starb der 13-Jährige in der Nacht auf Sonntag, 8. Oktober, nachdem er vor der Quästur Bozen aus seinem Rollstuhl gefallen war.

Die Behörden der „wohlhabenden Region an der Grenze zu Österreich“ würden nun ihren Umgang mit Flüchtlingen nochmals untersuchen, heißt es in dem Artikel des „Guardian“.

„Trotz Behinderung ein fröhlicher Junge“

Trotz seiner Behinderung sei Adan stehts ein fröhlicher, intelligenter Junge gewesen, zitiert Rom-Korrespondentin Angela Giuffrida den Vater des Jungen, Hussein Abdulrahman. Als man der Familie erklärte, sämtliche Flüchtlingsaufnahmen seien bereits voll, hätte man ihnen angeboten, die Zugfahrt in eine andere italienische Region zu bezahlen.

Neben Landesrätin Martha Stocker (Man habe die Familie bestimmt für 3 Nächte aufnehmen können, die Ablehnung resultiere vermutlich aufgrund mangelnder Information) und Rechtsberater Thomas Brancaglion (Aus einem ersten Krankenhaus-Befund gehe hervor, dass Adan aufgrund seines Gesundheitszustandes eine trockene und warme Unterkunft gebraucht hätte) wird auch Senator Francesco Palermo zitiert.

Palermo: „Südtirol wäre gerüstet, sich dem Problem zu stellen“

Bozen würde seine Flüchtlingsquote durchaus erfüllen, halte die Zahlen jedoch bewusst niedrig, so Palermo. Dies vor allem aufgrund mehrfacher Drohungen von Seiten Österreichs, Truppen an den Brenner zu schicken, um einen Flüchtlingsansturm aus Italien abzuwehren.

„Es ist nicht so, dass das wohlhabende Südtirol nicht dafür gerüstet ist, sich dem Problem zu stellen“, wird Palermo zitiert. „Politik ist ein Spiel. Aber wenn man Schwachstellen im eigenen System erkennt, sollte man wirklich in sich gehen. Diese traurige Geschichte führt sicher dazu, einige Sachen neu zu überdenken. Welche Art von Gesellschaft wollen wir sein?“

stol/liz

 

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