Startseite » Politik im Überblick » Politik

Artikel vom Donnerstag, 11. Januar 2018

Mauthausen-Überlebende warnen Österreich vor Nationalismus

Das Internationale Mauthausen Komitee hat in einem offenen Brief einen Appell von KZ-Überlebenden an Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) übermittelt. Darin äußern die Betroffenen ihre „große Sorge” über Österreichs Regierung, wie das Mauthausen Komitee Österreich am Donnerstag in einer Aussendung bekannt gab.

Zahlreiche Überlebende des Holocaust haben einen Appell an den österreichischen Bundespräsident Alexander Van der Bellen geschickt. - Foto: APA (BKA/Wenzel)

Zahlreiche Überlebende des Holocaust haben einen Appell an den österreichischen Bundespräsident Alexander Van der Bellen geschickt. - Foto: APA (BKA/Wenzel)

Die schwarz-blaue Bundesregierung veranlasse die Überlebenden des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mauthausen zu einer „eindringlichen Warnung vor Nationalismus und Rechtsextremismus, besonders wegen fremdenfeindlicher Tendenzen im Regierungsprogramm und zahlreicher einschlägiger Vorfälle in der FPÖ”, so das Komitee.

Die Betroffenen sind demnach älter als 85 Jahre und senden ihren Appell aus verschiedenen Ländern weltweit. „Wir erwarten von der neuen österreichischen Bundesregierung, dass sie sich - den Lehren aus dem dunkelsten Kapitel der europäischen Zeitgeschichte gehorchend - abwendet von nationalistischen Strömungen und sich hinwendet zu einem gemeinsamen und solidarischen Europa! Die rund 100.000 im Mauthausen-System Ermordeten und die Millionen übrigen Opfer des Faschismus dürfen nicht umsonst gestorben sein”, erklärte das Komitee anlässlich der Wortmeldungen der KZ-Überlebenden.

„Koalition mit FPÖ ist Gefahr für Österreich“

Die Statements der Betroffenen sind auf der Website des Mauthausen Komitee Österreichs (https://www.ots.at/redirect/statementsmkoe) abrufbar. Darin wird Bundeskanzler Kurz etwa dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, „dass es in der österreichischen Regierung keinen Platz für Antisemitismus, Rassismus oder irgendeine Form von Rechtsextremismus gibt”.

So schrieb etwa Aba Lewit (94): „Ich denke, dass sich Österreich in derselben Situation wie 1934 und auf dem weiteren Weg zu 1938 befindet. Das Einzige, was beim jetzigen Programm fehlt, sind Gaskammern. Für mich ist die Koalition mit der rechtsextremen FPÖ eine gespielte Demokratie und eine Gefahr für Österreich.“

Eine Warnung vor „rechtsextremen Umtrieben und Machtmissbrauch” in den Ministerien veröffentlichte unterdessen die NGO SOS Mitmensch. Sie rief am Donnerstag in einem Schreiben zahlreiche Mitarbeiter der Ministerien „zu Wachsamkeit und Zivilcourage” auf. Anlass sei „die Übernahme wichtiger Ministerien durch Personen mit einem Naheverhältnis zum organisierten Rechtsextremismus”, wie SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak in einer Aussendung erklärte.

apa

 

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite

zur Startseite Nicht mehr anzeigen
Verpassen Sie keine wichtigen Artikel mehrAktivieren Sie die Benachrichtigungen
AktivierenMehr Infos