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Artikel vom Sonntag, 22. Mai 2016

Österreich wählt seinen Bundespräsidenten

Bei der österreichischen Präsidentenwahl könnte am Sonntag erstmals in Europa ein rechtspopulistischer Politiker zum Staatsoberhaupt aufsteigen.

Wer wird Österreichs neuer Bundespräsident? Alexander van Bellen von den Grünen (links) oder der Rechtspopulist Norbert Hofer von der FPÖ? - Archivbild.

Wer wird Österreichs neuer Bundespräsident? Alexander van Bellen von den Grünen (links) oder der Rechtspopulist Norbert Hofer von der FPÖ? - Archivbild. - Foto: APA

Der 45-jährige Norbert Hofer von der FPÖ geht als Favorit in die Stichwahl. Sein Gegenkandidat ist der 72-jährige Alexander Van der Bellen, der von den Grünen unterstützt wird. Da die FPÖ einen europakritischen Kurs verfolgt und Stimmung gegen Ausländer schürt, wird der Urnengang international stark beachtet. Ein Sieg Hofers wäre ein großer Triumph der Rechtspopulisten in Europa.

Amtsinhaber Heinz Fischer, der in einem Facebookpost zu einer regen Teilnahme an der Wahl aufrief (siehe oben) scheidet nach zwei sechsjährigen Amtszeiten aus, wie von der Verfassung vorgesehen.

Zur Wahl seines Nachfolgers sind 6,4 Millionen Bürger aufgerufen. Die Wahllokale öffnetn um 7.00 Uhr, nach ihrer Schließung um 17.00 Uhr gibt es erste Prognosen und Hochrechnungen. Sollte es ein knappes Rennen werden, könnte das Ergebnis erst spät am Montag feststehen, wenn auch die Briefwahlstimmen ausgezählt sind.

Beide Kandidaten wollen Amt aktiver ausüben

Praktisch alle bekannten Gesichter aus Theater, Fernsehen und Literatur stehen hinter Van der Bellen, viele von ihnen unterstützen den links-liberalen Wirtschaftsprofessor öffentlich. Wegen dessen europafreundlicher Haltung hofft unter anderem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf einen Sieg Van der Bellens.

Beide Kandidaten hatten im Wahlkampf betont, ihr Amt aktiver als bisherige Präsidenten ausüben zu wollen. Hofer warb sogar mit der Ankündigung um Stimmen, die Regierung zu entlassen, wenn er mit ihrer Arbeit unzufrieden wäre. Das österreichische Staatsoberhaupt hat zumindest auf dem Papier mehr Macht als zum Beispiel der deutsche Bundespräsident.

Politologe Filzmaier: Wahlausgang noch nicht entschieden

Aus Sicht des österreichischen Parteienforschers Peter Filzmaier ist der Wahlausgang noch keineswegs entschieden, obwohl Hofer die erste Abstimmungsrunde überraschend deutlich gewonnen hatte.

Die Hoffnung Van der Bellens beruhe auf den über zwei Millionen Wählern, die im ersten Wahlgang zu Hause geblieben seien, sagte Filzmaier im Deutschlandradio Kultur. Der Grund für den Aufschwung der Rechtspopulisten liege vor allem in der Unzufriedenheit mit der großen Koalition aus sozialdemokratischer SPÖ und konservativer ÖVP.

dpa/stol

 
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