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Artikel vom Montag, 26. Februar 2018

Slowakischer Aufdeckerreporter erschossen aufgefunden

Der bekannte slowakische Investigativjournalist Jan Kuciak, Reporter des Nachrichtenportals aktuality.sk, und seine Verlobte sind am Wochenende ermordet worden. Die Polizei fand die Leichen der beiden am späten Sonntagabend in ihrem Haus in Velka Maca bei Trnava in der Westslowakei, wie der slowakische Polizeipräsident Tibor Gaspar am Montagvormittag bestätigte.

Die slowakische Polizei ermittelt wegen Mordes Foto: APA (AFP/Symbolbild)

Die slowakische Polizei ermittelt wegen Mordes Foto: APA (AFP/Symbolbild)

Der 27-jährige Kuciak hatte sich auf große und heikle Fälle von Korruption und Steuerbetrug spezialisiert. Er hatte auch über Vergehen von Unternehmern berichtet, die der führenden Regierungspartei Smer von Ministerpräsident Robert Fico nahe stehen sollen. Er hatte im Herbst Drohungen erhalten und erstatte daraufhin Anzeige bei der Polizei.

Es gehe bei den Morden um einen bisher beispiellosen Fall in der Slowakei, erklärte Polizeipräsident Gaspar. Die Tat hänge höchstwahrscheinlich mit der journalistischen Tätigkeit Kuciaks zusammen. „Dies ist die wahrscheinlichste Version.” Es gebe Hinweise auf einen vorsätzlichen Mord.

Die Polizei leitete demnach umfangreiche Ermittlungen ein. Die Nationale Kriminalagentur (NAKA) wurde hinzugezogen. Zugleich kündigte Gaspar an, die Polizei werde auch Sicherheitsmaßnahmen einleiten und weiteren, eventuell gefährdeten Journalisten Polizeischutz gewähren.

Kuciak und seine Verlobte wurden erschossen

Kuciak und seine Verlobte wurden erschossen. Wann es genau zu der Tat gekommen ist, stand noch nicht fest, Obduktionsergebnisse stehen noch aus. Die Verlobte von Kuciak hatte sich zuletzt am Donnerstag bei ihrer Familie gemeldet. Als ihre Mutter sie am Wochenende nicht mehr erreichen konnte, alarmierte sie die Polizei.

Der tschechische Regierungschef Andrej Babis verurteilte die Bluttat im Nachbarland. „Ich bin schockiert”, teilte der gebürtige Slowake am Montag bei Twitter mit. „Im Leben wäre mir nicht eingefallen, dass so etwas in der Slowakei im Jahr 2018 geschehen kann”, fügte der Gründer der populistischen ANO-Bewegung hinzu. Er verurteile jedwede Form von Gewalt gegen Journalisten.

Diese Gräueltat müsse bestraft werden, forderte auch der Vorsitzende der konservativen Oppositionspartei TOP09, Miroslav Kalousek, in Prag. „Europa darf kein Platz sein, wo man für Freiheit mit dem Leben bezahlt”, erklärte der tschechische Ex-Finanzminister.

Der tschechische Christdemokrat Marian Jurecka forderte die politischen Repräsentanten in Tschechien zu einer sorgfältigeren Wortwahl auf. Was es bedeute, wenn zum Beispiel der tschechische Präsident Milos Zeman mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin scherzte, dass Journalisten liquidiert werden sollten, sehe man nun in der Slowakei in der Praxis. Die Worte waren nach Medienberichten im Mai 2017 am Rande eines Peking-Besuchs der beiden Staatsoberhäupter gefallen.

apa

 

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