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Artikel vom Freitag, 15. März 2019

Terrorakt in Neuseeland: Täter zeigte Anschlag live im Internet

Ein aus Australien stammender Angreifer auf die Al-Noor-Moschee im Zentrum der neuseeländischen Stadt Christchurch hat seine Tat selbst gefilmt und live ins Internet gestellt.

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Bei dem Angriff auf die Masyid-al-Noor-Moschee in Christchurch starben 49 Menschen. - Foto: APA (AFP)

Bei dem Angriff auf die Masyid-al-Noor-Moschee in Christchurch starben 49 Menschen. - Foto: APA (AFP)

Kurz zuvor veröffentlichte er im Internet ein 73-seitiges Hass-Manifest, aus dem deutlich wird, dass der Angriff Muslimen galt. Nach Analyse der Nachrichtenagentur AFP sind das Live-Video und das rassistische Manifest echt.

Das auf Facebook veröffentlichte Live-Video zeigt einen kurzhaarigen weißen Mann, der zur Al-Noor-Moschee fährt und dann das Feuer eröffnet, während er das Gotteshaus betritt. Die Aufnahmen davon, wie er aus nächster Nähe seine Opfer erschießt, sind extrem brutal. Die Polizei rief alle Internetnutzer auf, das Video nicht weiterzuverbreiten. Die Aufnahmen wurden von den Websites entfernt, das Twitter-Konto mit dem Manifest wurde gesperrt.

Kurz richtete der Attentäter die Kamera auch auf sich selbst. - Foto: Screenshot/Video

Täter beschreibt sich als 28-jährigen Australier

Laut einem AFP-Abgleich stimmen die Video-Aufnahmen mit anderen Internet-Fotos der Moschee und ihrer Umgebung überein, ebenso wie der gemusterte grüne Teppichboden aus dem Inneren der Moschee. Die auf dem Video hörbaren Navi-Anweisungen aus dem Auto des Angreifers ermöglichten es der AFP, mit Hilfe von Google StreetView die Fahrt des Mannes über zwei Kilometer bis zur Moschee nachzuverfolgen. Gelegentlich spricht der Mann während der Fahrt, sein englischer Akzent klingt Australisch.

Das Profilbild und der Name des Facebook-Kontos, auf dem das Video übertragen wurde, tauchen auch auf dem Twitter-Konto mit dem Manifest auf. Darin beschreibt sich der Täter als 28-jähriger gebürtiger Australier aus einer einkommensschwachen Arbeiterfamilie.

Beruft sich auf Marine Le Pen

Als Gründe für seine Radikalisierung nennt er die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 sowie den Tod der elfjährigen Ebba Akerlund bei einem islamistischen Lastwagenanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone im selben Jahr.

Überschrieben ist das Hass-Manifest mit „The Great Replacement“ (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll, deren Geburtenrate deutlich höher sei.

Auf dem Twitter-Konto tauchen unter dem Datum 13. März auch Bilder der Waffen des mutmaßlichen Angreifers auf, die in dem Live-Video zu sehen sind. Sie tragen auf Englisch und in osteuropäischen Sprachen handgeschriebene Namen von mehreren historischen Militärvertretern – darunter von Europäern, die sich im 15. und 16. Jahrhundert an den Kämpfen gegen die Osmanen oder – noch früher – an den christlichen Kreuzzügen beteiligt hatten.

Attentäter hörte serbisches Kampflied

Der Attentäter von Christchurch hat dem bosnischen Botschafter in Neuseeland zufolge auf dem Weg zum Tatort ein serbisch-nationalistisches Lied gehört. Während der Fahrt habe der Täter einen Song über den früheren Serbenführer Radovan Karadzic gehört, sagte der Botschafter Mirza Hajric dem Sender N1 TV. Das gehe aus einem Video der Tat hervor.

Das nationalistische Kampflied „Karadzic, führe deine Serben“ kursiert im Internet seit einigen Jahren im Zusammenhang mit einem anti-muslimischen Meme. Als Memes werden Bilder und Videos bezeichnet, die im Internet vielfach verbreitet werden.

Queen sprach Neuseeländern Mitgefühl aus

Königin Elizabeth II. hat angesichts des Anschlags ihre Anteilnahme bekundet. Sie sei zutiefst traurig über die schrecklichen Ereignisse in Christchurch. „In dieser tragischen Zeit sind meine Gedanken und Gebete bei allen Neuseeländern“, teilt die Queen in einer Erklärung mit.

Sie versicherte den Familien und Freunden der Opfer des Anschlags ihres Beileid und den Rettungskräften und freiwilligen Helfern , die den Verletzten Unterstützung leisteten, ihrer Anerkennung. Die britische Monarchin ist auch Staatsoberhaupt Neuseelands, das zum Commonwealth gehört.

apa/dpa/reuters

 

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