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Artikel vom Sonntag, 21. April 2019

Wieder Luftangriffe auf libysche Hauptstadt Tripolis

Die Kämpfe um die libysche Hauptstadt Tripolis haben sich verschärft. In der Nacht auf Sonntag flogen die Rebellen erneut Angriffe. Einwohner und ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichteten von mehreren Explosionen und Flugabwehrfeuer der Armee, nachdem eine Drohne oder ein anderes Kampfflugzeug wiederholt minutenlang über der Stadt gekreist sei und dann angegriffen habe.

Der Kampf um Tripolis dauert an Foto: APA (AFP)

Der Kampf um Tripolis dauert an Foto: APA (AFP)

Die Explosionen seien schwerer gewesen als in den vergangenen Tagen. Den Einwohnern zufolge schlugen offenbar mehrere Raketen in einem Stützpunkt der Regierungstruppen in einem südlichen Außenbezirk ein.

Libyens international anerkannte Regierung in Tripolis forderte den UNO-Sicherheitsrat auf, einen Ermittlungsausschuss einzusetzen, um Verstöße der Truppen von General Khalifa Haftar untersuchen. Haftars Kräfte hätten unter anderem Zivilisten getötet und vertrieben sowie dicht besiedelte Wohngebiete beschossen, hieß es am Samstagabend. Die Regierung warf auch Jets nicht namentlich genannter anderer Länder vor, Tripolis bombardiert zu haben.

Flughafen stellt Betrieb ein

Der einzig noch funktionierende Flughafen von Tripolis stellte wegen der erneuten Angriffe aus Sicherheitsgründen den Betrieb ein. Später teilten die Behörden per Facebook mit, der Flugbetrieb sei wieder aufgenommen worden. Der Flughafen war bereits in den Tagen zuvor nach Beschuss durch Haftars Rebellen vorübergehend geschlossen worden.

Der im Osten des Bürgerkriegslandes herrschende General Haftar hat Anfang April seine Offensive gegen die Truppen der von den Vereinten Nationen unterstützten Regierung unter Ministerpräsident Fajez al-Sarraj gestartet, die aber in den Außenbezirken der Hauptstadt ins Stocken geraten ist. Der ölreiche Wüstenstaat ist seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi 2011 in rivalisierende Lager gespalten.

Am Freitag teilte das US-Präsidialamt mit, US-Präsident Donald Trump habe bereits am Montag mit Haftar telefoniert und seine Rolle bei der Bekämpfung des Terrorismus' und der Sicherung der libyschen Ölvorkommen gewürdigt. Das dürfte weithin als Unterstützung für Haftar verstanden werden.

Bereits in der Vergangenheit haben Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate Angriffe auf Tripolis geflogen, um Haftar zur Kontrolle über den Osten zu verhelfen. Die beiden Staaten versorgten Haftar UNO-Berichten zufolge auch mit Rüstungsgütern, darunter Flugzeuge und Hubschrauber. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauten demnach auch einen Luftwaffenstützpunkt im Osten des Landes.

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos zeigte sich gegenüber der römischen Tageszeitung „Il Messaggero” (Sonntagsausgabe) wegen der jüngsten Gewalteskalation besorgt. „Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben einen sofortigen Waffenstillstand gefordert. Wir müssen eine Verschlechterung der Lage vermeiden”, erklärte er. Daher müsse man auf allen Fronten handeln.

Anzeichen für eine Zunahme der Migrationsströme aus Libyen in Richtung Europa sieht der EU-Kommissar keine. „Wir müssen jedenfalls vorbereitet sein. Priorität ist, allen Migranten, unabhängig von ihrem Status, eine würdevolle und menschliche Behandlung zu sichern”, sagte er und übte Kritik an der Politik der „geschlossenen Häfen” der italienischen Regierung.

„Migrantenanlandungen nicht zu erlauben, ist keine Lösung. Der jüngste Fall des Schiffes 'Alan Kurdi' der deutschen NGO Sea-Eye bezeugt, dass strukturelle Lösungen notwendig sind, damit die Landung der geretteten Personen schnell und sicher erfolgen kann“, so Avramopoulos.

apa/ag.

 

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