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Artikel vom Sonntag, 10. Februar 2019

Apfelwirtschaft: Sorge vor Brexit

Sollte es Ende März zum „Hard Brexit“ kommen, droht nicht nur den Briten selbst wirtschaftliches Ungemach: Auch die Südtiroler Apfelwirtschaft befürchtet Turbulenzen.

Ein „harter" Brexit könnte für die Südtiroler Apfelwirtschaft schwerwiegende Konsequenzen haben.

Ein „harter" Brexit könnte für die Südtiroler Apfelwirtschaft schwerwiegende Konsequenzen haben. - Foto: D

Wie sauer der Biss in den Brexit-Apfel wird und wie stark Südtirols Apfelwirtschaft dabei den Mund verziehen muss, ist noch nicht abzusehen. Aber sollte es am 29. März einen harten Brexit (also dem Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen) geben, dann könnte das durchaus unangenehme Folgen haben. In der europäischen Obst- und Gemüsebranche ist die Sorge jedenfalls groß.

Preisverfall bei Obst & Gemüse befürchtet

Die ausgefeilten Lieferketten für verderbliche Nahrungsmittel – wie auch Obst und Gemüse – könnten nämlich bei einem ungeordneten Brexit großteils zum Erliegen kommen. Während in Großbritannien eine Unterversorgung drohen würde, befürchten Branchen-Experten auf dem europäischen Festland eine Überversorgung.

Wie von Mittwoch bis Freitag unter anderem auf der „Fruit Logistica“ (der weltweit bedeutendsten Handels- und Logistikmesse für Obst und Gemüse) in Berlin diskutiert wurde, könnte die Ware dann den europäischen Markt fluten – und zu einem Preisverfall führen.

Sorgenvoller Blick nach England

Einem harten Brexit sorgenvoll entgegen blickt auch Georg Kössler, Obmann des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) und Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, der selbst auf der „Fruit Logistica“ in Berlin war. Großbritannien sei, was Obst und Gemüse betreffe, ein sehr starkes Importland. „Und kommt der harte Brexit, wird es für alle, die dorthin exportieren, vor allem große logistische Schwierigkeiten geben. Für die Konsumenten auf der Insel bedeutet das: Das Angebot wird sich verknappen und die Preise werden steigen."

Kössler: Märkte sowie- so schon sehr voll

Auch wenn nur etwa drei Prozent der Südtiroler Äpfel nach England exportiert werden, sei es ein wichtiger und anspruchsvoller Markt, „auf den wir nicht verzichten wollen.“ Vor allem aber geht es nicht nur um die Auswirkungen auf den England-Export. Es stellt sich vielmehr die Frage, inwiefern bei einem harten Brexit etwa Äpfel aus Polen zu Billigpreisen auf den europäischen Markt drängen würden. „Die polnischen Äpfel und ihr Preisniveau beschäftigen uns schon länger.“ Die Qualität sei zwar noch nicht mit jener der Südtiroler Äpfel vergleichbar. „Aber vom Sortiment und vom Qualitätsstandard her bewegen sie sich nach vorne. Das ist für uns unangenehm. All die Äpfel, die nicht nach England gehen, werden irgendwann zwangsläufig angeboten. Das könnte uns zusätzliche Probleme bereiten, weil die Märkte heuer sowieso schon sehr voll sind.“ So habe es in Deutschland 2018 eine starke Ernte gegeben, weshalb in den dortigen Supermärkten derzeit vorwiegend deutsche Äpfel zu finden seien. Komme jetzt in der Hauptabsatzzeit noch der harte Brexit dazu, „dann wird es sicher nicht leichter.“ Die Preise könnten sich weiter nach unten bewegen.

Dennoch, ganz so einfach wäre es – etwa für Lieferanten aus Polen oder anderen Ländern – nicht, mit zusätzlicher Ware den europäischen Markt zu fluten. „Ein Billigangebot allein ist nicht ausreichend, um bei Supermarktketten ins Regal zu kommen.“ Dem gehe ein Prozess mit vielen Auflagen und Zertifizierungen voraus.

Am liebsten wäre Kössler und der gesamten Südtiroler Apfelwirtschaft freilich, dass es gar nicht zum harten Brexit kommt. „Ich hoffe, dass die Vernunft obsiegt und die Märkte offen bleiben“, so Kössler.

Z/ch

 

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